Kitchen on the Run - DER SPIEGEL
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Kitchen on the Run Einen Abend lang wieder Gastgeber sein

Freunde zum Essen einladen, Gastgeber sein: Wer im Flüchtlingsheim wohnt, kann davon nur träumen. Drei Berliner tingeln deshalb mit einem Küchencontainer durch Europa.
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Gleich geht's los: Acht Syrer, eine Irakerin und zwei Mongolen kochen zusammen mit neun Duisburgern in einem zur Wohnküche umgebauten Frachtcontainer. Kitchen on the run, Küche auf der Flucht, heißt das Projekt.

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Die Idee stammt von Rabea Haß (links), Jule Schröder und Andreas Reinhard. 150.000 Euro Spenden haben die drei Berliner für ihr Projekt von Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen eingesammelt.

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Der Container wurde von Architekturstudenten der TU Berlin zur Wohnküche umgebaut. Bänke und Tische sind faltbar. Während der Reise werden sie zusammengeklappt und vor die Regale gehängt - so dienen sie gleichzeitig als Schranktüren.

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100 Euro beträgt das Budget pro Abendessen, bis zu 30 Menschen sollen damit satt werden. "Bisher haben wir meistens weniger ausgegeben und hatten eher zu viel Essen", sagt Schröder. Was gekocht wird, bestimmen die Gäste. An diesem Abend werden drei syrische und ein mongolisches Gerichte gekocht - und deutsche Gemüsesuppe. Zum Nachtisch gibt es Erdbeerquark.

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Peyman Seli, 17, lebt seit einem Jahr in Deutschland und spricht schon fast perfekt Deutsch. Sie geht in Duisburg in die neunte Klasse, "da bin ich eigentlich zu alt für", sagt sie.

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Gruppenbild mit Köchen: Mehr als 800 Menschen haben schon zusammen im Container gekocht. Jeweils vier Wochen steht er an einem Ort - in Duisburg noch bis zum 10. Juni, dann geht es weiter in die Niederlande und nach Schweden.

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Fünf Monate sind Jule Schröder (Mitte) und ihre Mitstreiter unterwegs. In dieser Zeit sind sie über den Berliner Verein Über den Tellerrand e.V. angestellt. Wie es danach weitergeht, wissen sie noch nicht. Schröder hat vor dem Projekt als selbstständige Innovationsberaterin und Design Thinking Coach gearbeitet.

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Bajaraa (links) kommt aus der Mongolei. Hier zeigt er zwei Duisburgerinnen einen Kniff beim Teigtaschenfüllen: erst die Luft rausstreichen, dann zusammendrücken.

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Für die Flüchtlinge ist der Abend eine willkommene Abwechslung: Bis ihre Asylanträge bearbeitet sind, sind sie zum Nichtstun verdammt.

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Mit Klebeband bastelt sich jeder Koch ein Namensschild - und klebt es am Ende des Abends auf die Containerwand. Wenn das Projekt am 8. August in Göteborg endet, sollen dort 2000 Namen kleben.

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Gamil (links) hat in Syrien als Koch gearbeitet. "Essen bedeutet Leben für mich, einfach alles", sagt er. Hier hilft er seiner Landsfrau Samar Shami.

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Obwohl die Verständigung schwierig ist, klappt das gemeinsame Kochen hervorragend. Bajaraa frittiert Teigtaschen,...

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...die mit Lammfleisch gefüllt sind. Das Mehl für den Teig stand gar nicht auf dem Einkaufszettel, aber die Kitchen on the Run-Gründer sind auf solche Fälle vorbereitet.

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In der Containerküche haben sie Grundzutaten wie Mehl, Zucker, Salz und verschiedene Gewürze vorrätig.

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Gekocht wird im Container an fünf Abenden pro Woche, jeweils mit einer anderen Gruppe. In Italien und Frankreich war es schwieriger, an Flüchtlinge als an Einheimische heranzukommen. "In Duisburg ist es genau umgekehrt", sagt Schröder.

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Essen ist fertig: Samar Shami hat fünf Kinder. Der Kleinste freut sich besonders über das kleine Fest.

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Und am Ende wird sogar noch getanzt - zur Musik aus der Heimat, abgespielt übers Handy. Gesamtschullehrerin Gabriele Haak (links mit rosa Schal) freut sich über das gelungene Essen: Sie bringt den elf Flüchtlingen ehrenamtlich Deutsch bei.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?