Klassenfahrt in den Achtzigern - DER SPIEGEL
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Klassenfahrt in den Achtzigern Wie ich beinahe Ost-Berliner wurde

Zwangsumtausch, stinkende Trabbis und schlechtes Eis: Der Klassenausflug ins Ost-Berlin des Jahres 1986 war ein einschneidendes Erlebnis für SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Jens Lubbadeh. Umso mehr, weil die DDR-Grenzer den damals 13-Jährigen nicht mehr zurück in den Westen lassen wollten.
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Verbotene Aktion: Eins war klar - wir konnten 1986 nicht einfach so nach Berlin fahren, und nichts gegen die deutsche Teilung unternehmen. Also beschlossen wir, etwas auf die Berliner Mauer zu sprühen.

Foto: Anselm Kreuzer
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Brandenburger Tor: 1986 war das Tor in den trüben Osten noch zu.

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Achtziger-Mode: Frau Köhler hatte uns gebeten in Ost-Berlin nicht aufzufallen. Wir gaben uns wirklich Mühe.

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Polizei-Eskorte: Wer kommt da wohl Wichtiges? Für uns hessische Povinz-Jugendliche war Berlin ein einziges Abenteuer.

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Held: Ob die Mädels wohl Angst um mich gehabt hatten? Wenigstens ein bisschen?

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Amüsant: Trabis hatten wir noch nie zuvor gesehen. Die kleinen Autos aus Plastik fanden wir so komisch und peinlich wie Zwei-Streifen-Turnschuhe.

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Alles voll: Leichter gesagt als getan - auf der Mauer war kein Platz mehr. Andere hatten die wertvolle Fläche auf dem Monument der deutschen Teilung für Banalitäten wie "angie + Daniel" vergeudet. Also mussten wir uns Platz verschaffen...

Foto: Anselm Kreuzer
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Silber auf rosa: Mit rosa übermalten wir unwichtige Dinge. Silbern sollten unsere glühenden Botschaften wider die deutsche Teilung leuchten. So eine große rosafarbene Fläche zu sprühen dauerte sehr viel länger als wir dachten.

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Dynamisches Duo: Frau Köhler, unsere Klassenlehrerin, kämpfte für mich, als mich der DDR-Grenzbeamte nicht mehr aus Ost-Berlin herauslassen wollte. Und Herr Kaiser, unser Mathe-Lehrer, ging mit uns ohne zu zögern auf unseren Wunsch hin mit in die West-Berliner Kneipe "Spatz". Dort tranken wir - natürlich - Berliner Weiße mit Schuss.

Foto: Anselm Kreuzer
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Leerer Reichstag: Nach einer eher öden Führung durch den Reichstag lungerten wir noch auf der Wiese davor rum. Damals war der Reichstag ein eher runtergekommenes Gebäude, hatte natürlich keine schicke Glaskuppel und der Bundestag tagte noch in Bonn.

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Entspannung: Nach der anstrengenden Ost-Berlin-Tour entspannten wir uns beim Tretbootfahren. Kleinere Enter-Aktionen waren aber immer noch drin.

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Geschenk aus dem Westen: Unsere Botschaft konnten die da "drüben" ja leider nicht lesen. Also schleuderten wir - wenn schon nicht unsere Worte - dann doch wenigstens die leeren Spraydosen dem real existierenden Sozialismus mitten ins Gesicht.

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Politische Botschaft I: "Mauert Honecker ein!". Wir konnten ja nicht ahnen, dass der DDR-Diktator tatsächlich so bald schon ein unrühmliches Ende finden würde - mehr oder weniger eingemauert im chilenischen Asyl.

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Politische Botschaft II: "Es gibt nur ein Deutschland". Genau so war's dann ja auch wenige Jahre später.

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Stolzes Posieren: Und wir sahen, dass es gut war.

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Escape from Ost-Berlin: Nach dem Schock an der Grenze Friedrichstraße gingen wir erst einmal im Intershop Bommerlunder und Bier kaufen. Dort hatte ich weniger Probleme als an der Grenze: Bereitwillig wurde uns 14-Jährigen dort billiger Alkohol verkauft - schließlich hatten wir harte West-Mark zu bieten.

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Nicht immer beliebt: Unser Verhältnis zu Herrn Kaiser war ambivalent. Seine Klausuren waren halt auch immer so sauschwer.

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Erleichtert: Ich war sehr froh, der Stasi entronnen und wieder im Westen zu sein. Ein wenig sieht man mir die Anspannung aber noch an...

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?