Fritz Kahn Die Industrialisierung des Körpers
"Der Mensch als Industriepalast": Auf diesem Plakat, das 1926 als Anlage zu "Das Leben des Menschen III" erschien, "ist der Versuch unternommen, die wichtigsten Lebensvorgänge, die direkt nie beobachtet werden können, in Form bekannter technischer Prozesse darzustellen", so Autor Fritz Kahn
Den Braten riechen: Anhand der Abbildung "Biologie des Bratenduftes" verdeutlicht Mediziner Fritz Kahn die "Vorgänge, die sich zwischen der Geruchsempfindung und dem 'reflektorischen' Speichelfluss im Kopf des Menschen abspielen", erschienen 1926 in "Das Leben des Menschen III"
Lebenskreislauf: Die Illustration mit dem Titel "Der Kreislauf von Kraft und Stoff" aus Fritz Kahns Buch "Das Leben des Menschen III" von 1926 zeigt, wie Maschine und Mensch gleichermaßen durch die Zufuhr von Kohlenstoff Energie produzieren und als Abfallprodukte Kohlendioxid und Kot beziehungsweise Asche ausscheiden
Getriebe im Ohr: Die Funktionen von "Auto und Ohr sind übereinstimmend", so die Vorstellung des Mediziners Fritz Kahn, die diese Illustration verdeutlicht. Veröffentlicht wurde die Abbildung 1929 in dem Buch "Das Leben des Menschen IV".
Nahrungsaufnahme: In dem Mund eines riesigen Kopfes verschwindet eine lange Kolonne an Lebensmitteln. "In 70 Jahren isst der Mensch 1400-mal sein Gewicht", so der Titel dieser Illustration aus dem Buch "Das Leben des Menschen III" des Mediziners Fritz Kahn von 1926.
Organfabrik: Die Detailansicht der Lehrtafel "Der Mensch als Industriepalast", hier in einer Version von 1928, zeigt die Leber als Chemiefabrik, die Harnstoff, Gift und Blutabfälle in das verzweigte Rohrsystem der Kanalisation ausscheidet
Fritz Kahn: Die Aufnahme zeigt den jüdischen Arzt und Wissenschaftsautor 1930 in Berlin. Mit Hilfe der Analogie vom Menschen als Maschine versuchte er in seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen die Funktionen des menschlichen Körpers darzustellen.
Mensch-Maschine: "Mensch und Maschine nehmen als Betriebsmaterial kohlenstoffhaltige Pflanzenprodukte auf, verbrennen sie durch Zufuhr von Luft, benützen die gewonnene Wärme und atmen die entstehende Kohlensäure aus", heißt es in Kahns Buch "Der Mensch gesund und krank II" von 1939. Die Illustration verdeutlicht diesen Vorgang.
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Betriebszentrale: "Nerv und Kabel, zwei Schwesterstrukturen aus Natur und Technik" heißt die Abbildung, die 1929 in "Das Leben des Menschen IV" von Fritz Kahn veröffentlicht wurde. Unter anderem wird hier das Auge als Kamera dargestellt und der Verstand als Bibliothek.
"Der gehende Mensch als Pendelmaschine" ist eine Illustration aus Fritz Kahns Veröffentlichung "Der Mensch gesund und krank I" von 1939
Haarige Angelegenheit: "Das Tageswachstum der Haare. Der menschliche Körper produziert täglich 30 Meter Haarsubstanz. Würde man alle Haare in ein Endhaar einmünden lassen, so wüchse dieses in je 40 Minuten einen Meter vorwärts", so der Wissenschaftsautor Fritz Kahn in seinem Buch "Das Leben des Menschen IV" von 1929. Die Illustration veranschaulicht diese These.
Menschliche Blutkörperchen: "Viermal um den Erdball! Wenn man die Blutkörperchen des menschlichen Körpers (insgesamt 25 Billionen) zu einer Kette aneinanderreiht, reichen sie viermal um den Globus. Ihre Oberfläche bedeckt einen Bereich von 4.480 Quadratmetern. Die Oberfläche aller Blutzellen eines Menschen entspricht der Fläche dieses Rechtecks", so der Mediziner Fritz Kahn in "Man in Structure and Function I" von 1943.
Stauraum: "Ein technisches Wunder - in der kleinen Bauchhöhle des Menschen sind neben Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz, Nieren und Harnblase achteinhalb Meter Darm untergebracht, freihängend, beweglich und sich schlängelnd, ohne sich zu drücken oder zu verschlingen", so der Mediziner Fritz Kahn in "Das Leben des Menschen III" von 1926
Verdauungsorgan: "Das Wunder der Darmschleimhaut: Ein Kubikzentimeter Darmschleimhaut zieht mit einer Milliarde Saugröhrchen die Nährstoffe aus dem Speisebrei in das Blut", so der Mediziner Fritz Kahn in "Das Leben des Menschen III" von 1926. Die Abbildung veranschaulicht den Aufbau der Darmschleimhaut.
Zutaten für einen Menschen: "Es wird ein Mensch gemacht!", verkündet Wagner in Goethes "Faust II". "Wollten wir, wie Wagner im Faust, aus den angeführten Elementen einen Menschen brauen, so müssten wir sie in folgenden Mengen nehmen...", so Mediziner Fritz Kahn in "Das Leben des Menschen I" von 1922. Zu diesen Elementen gehören unter anderem 40 Liter Wasser, 20 Kilogramm Kohle, vier Liter Ammoniak und 800 Gramm Phosphor.
Arzt der Zukunft: Fritz Kahn sah den technischen Fortschritt nicht nur als Segen - sondern als Gefahr für die Humanität. "Vor hundert Jahren beschäftigte sich ein Arzt mit dem Menschen", schrieb er. "Vor fünfzig Jahren war er Internist oder Chirurg; heute ist er ein Röntgenfotograf, der Bilder herstellt von einem Menschen, den er nicht sieht, von einem Menschen, den er nicht kennt, von einem Fall, den er nicht verfolgt."
Der während des Zweiten Weltkriegs im Exil in den USA lebende Fritz Kahn kehrte 1956 nach Europa zurück. Die Schweiz wurde seine Wahlheimat. Die Aufnahme zeigt ihn dort Ende der fünfziger Jahre.
Analogie von Technik und Mensch: Die Illustration "Homo Technicus" erschien 1952 in Fritz Kahns Werk "Das Buch der Natur II"
Walnusshirn: "Fallfrüchte sind ideal verpackt, damit sie beim Aufschlagen auf den Boden nicht leiden. Die Verpackung der Walnuss gleicht jener des Menschenhirns bis in die Einzelheiten", so Mediziner Fritz Kahn 1939 in "Der Mensch gesund und krank II" zu dieser Zeichnung.
Sehen und erkennen: "Was sich in unserem Kopf abspielt, wenn wir ein Auto sehen und 'Auto' sagen", zeigt diese Zeichnung aus "Der Mensch gesund und krank II" von Fritz Kahn, 1939
Der Alltagsgegenstand der Klingel dient Fritz Kahn in der Darstellung "Die Muskel- und Klingelleitung in ihrer fünfteiligen Übereinstimmung" zur Veranschaulichung der Funktion von Nervenbahnen und Muskeln. Veröffentlicht wurde die Zeichnung 1924 in "Das Leben des Menschen II".