Hochschule in Köthen Schlagartig politisch
Die Hochschule Anhalt hat drei Standorte, einen davon in Köthen. Schon seit 125 Jahren finden hier internationale Lehre und Forschung statt. Aktuell kommt jeder dritte Studierende aus dem Ausland. Insgesamt 108 Nationen sind dort vertreten.
Sen Wang stammt aus China und lebt seit neun Jahren in Köthen. Ihm bereiteten die Demos, die unweit seines Hauses vorbeizogen, ein ungutes Gefühl.
Qian, 21, und Chang, 22, studieren in Köthen Biotechnologie. Sie gingen am vergangenen Wochenende gar nicht auf die Straße. Ihre Dozentin hatte ihnen davon abgeraten. Grundsätzlich seien die Menschen hier jedoch sehr freundlich, sagt Chang (r.).
Hochschulsprecher Torsten Schaper hütete am vergangenen Wochenende eine Hotline, wo ausländische Studierende anrufen konnten, um sich Rat und Hilfe zu holen. Es hätten sich allerdings weniger als ein Dutzend Menschen gemeldet, darunter vor allem Journalisten, sagt Schaper.
Hochschule Anhalt: Am vergangenen Wochenende demonstrierten die Rechten im Süden der Stadt. Die Gegendemo zog quer über den Campus, der nordwestlich der Innenstadt liegt. Seitdem hat sich die Sicherheitslage entspannt.
Dass weiterhin viele internationale Studierende nach Köthen kommen, ist nicht nur für die Hochschule, sondern auch für den kleinen Ort mit seinen 26.000 Einwohnern wirtschaftlich wichtig.
Wie sehr das Image der Hochschule darunter gelitten hat, dass Köthen schlagartig zu einem Symbol für den Rechtsruck der Gesellschaft wurde, bleibt abzuwarten.