Rassismus im Kaiserreich Exotik und Gewalt
Bleichmittel-Werbung: An rassistischer Werbung einer österreichischen Lack- und Farben-Fabrik von circa 1905 störte sich während der Kolonialzeit niemand. Afrikaner auf Plakaten vermittelten Exotik und garantierten Aufmerksamkeit. Edle Wilde, süße Maskottchen oder hinterhältige Kannibalen - dazwischen gab es wenig bei den Kolonialmotiven.
Sammlung Peter Weiss
Schwarzen-Phobie: Die Deutschen auf Jahre unter dem schwarzen Joch - nachdem infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs auch französische Kolonialtruppen im Rheinland einmarschiert waren, entwickelten national-völkische Kreise eine regelrechte Schwarzen-Phobie. Die Postkarte wurde um 1920 gedruckt und ist Teil einer ganzen Reihe von Abbildungen, in denen sich die Deutschen zu wehrlosen Opfern stilisierten.
Moderne Zeiten: Hut, Anzug und Fahrrad waren 1906 aus Sicht des Fotografen die entscheidenden Merkmale, die aus dieser Afrikanerin in der Kolonie Deutsch-Ostafrika eine "moderne Frau" werden ließen.
"Mischlingskind": Die französische Postkarte von 1920 greift ein heikles Thema der damaligen Zeit auf - das der sogenannten Mischlingskinder. Ließ sich eine Mitteleuropäerin so folgenreich wie in der Abbildung mit einem afrikanischen Kolonialsoldaten ein, konnte sie sich rassistischer Äußerungen ihrer Mitmenschen sicher sein.
Strafarbeit in Deutsch-Ostafrika: Die deutschen Kolonialherren etablierten einen brutalen und menschenverachtenden Strafvollzug in Afrika. In einem Artikel, der 1913 in der Zeitschrift "Über Land und Meer" zusammen mit dieser Fotografie abgedruckt wurde, heißt es verharmlosend: "Die Strafvollstreckung berührt unser Empfinden wohl etwas grausam. Wir müssen aber bedenken, daß wir uns unter ganz andern Verhältnissen befinden als in der Heimat. Der Neger empfindet es nicht besonders schwer, leidet auch nicht darunter, daß er, zu mehreren vereint, an lange eiserne Ketten geschlossen ist."
Zivilisierung durch die Kolonialherren: Rituelle Hochzeit bei den Zulu - das war einmal. Wie sich die britische Kolonialmacht Eheschließungen in Südafrika vorstellte, zeigt die Ansichtskarte von 1925.
Afrikaner als Burschenschafter: Die Postkarte von 1906 zeigt "angepasste" Afrikaner, die fröhlich grüßend im Burschenschafter-Aufzug posieren. So sollten sich die Daheimgebliebenen die Zukunft in den deutschen Kolonien vorstellen. Die Realität sah jedoch ganz und gar anders aus. Afrikaner, die sich allzu europäisch gerierten, wurden von den weißen Kolonialherren häufig als "Hosennigger" diffamiert.
Exotischer Blickfang: Kreative Werbung zur Jahrhundertwende benötigte nicht viele Zutaten. Die Palme als Sinnbild überseeischer Exotik und eine niedliche Afrikanerfigur mit Kulleraugen genügten diesem Zigarrenhersteller 1906, um Aufmerksamkeit für sein Produkt zu erzeugen.
PR für den Platz an der Sonne: Die Aufnahme, circa 1906, zeigt eine afrikanische Familie in Deutsch-Ostafrika, bereit, fotografiert zu werden. Das dabei entstehende Bild des Fotografen Otto Haeckel sollte helfen, in der Heimat das Klischee der friedlichen Überseegebiete aufrecht zu erhalten, in denen die Bewohner nur auf ihre Kolonialisierung warteten.
Feiern in der Kolonie: "Patriotisches Fest in unseren Kolonien" heißt die karikierende Grafik, circa 1911. Sie spielt mit dem Mythos der freudig kolonialisierten Afrikaner, hier mit Pickelhauben und Shorts in den deutschen Reichsfarben beim Biergelage mit kaiserlichen Matrosen. Derart ausgelassen feierten vor allem die Kolonialherren. Passend dazu kursiert die Legende, dass in den entlegenen Territorien mehr Europäer durch Alkohol als durch Gewehrkugeln ums Leben gekommen sein sollen.
Ein Ort, zwei Welten: Die Körpersprache der stehenden Europäerin auf dieser Postkarte, aufgenommen etwa 1910 in Windhuk in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, verrät eine unüberwindbare Distanz zwischen ihr und den einheimischen Herero-Frauen. Erst mit der Unabhängigkeit 1990 wurde die Politik der Rassentrennung beziehungsweise Apartheid in Namibia überwunden.
Selbstverständnis der Kolonialherren: Die Postkarte aus Deutsch-Südwest, circa 1914, spiegelt das Selbstverständnis der Kolonialherren in den überseeischen Gebieten wider. Hier der deutsche Schutztruppen-Offizier als Gutsherr, da der halbwüchsige Einheimische als Knecht.
Afrikanischer Dandy am Jungfernstieg: Humorvolle Postkarten mit Zukunftsphantasien zeigten die Metropolen als Orte technischer Innovationen und Dynamik. Die Karte "Hamburg in der Zukunft. Jungfernstieg" soll zudem die Weltläufigkeit des Kaiserreichs dokumentieren, am Beispiel des afrikanischen Dandys im modischen Cut, circa 1914.
Auswuchs: Fotografie aus dem Sukkulentenhaus des botanischen Gartens Berlin-Dahlem, circa 1914. Zu sehen ist nicht allein ein blühendes Cotyledon orbiculata in einem "Kaffernschädel", wie es heißt. Das Bild verdeutlicht die kolonialherrschaftliche Anmaßung, Schädel von Afrikanern als Blumentopf zu verwenden. Die Fotografie wurde auch im Familienblatt "Die Gartenlaube" abgedruckt.
"Champagne Ayala - soltanto Ayala!": Verkaufsstrategen hatten die Werbewirksamkeit von Afrikanern um die Jahrhundertwende für sich entdeckt. Insbesondere sogenannte Kolonialwaren wurden mit Abbildungen der Exotik vermittelnden Afrikaner angepriesen - die gezeigte Farblithografie von 1927 soll allerdings Sekt vermarkten.
"Gruß von der Killy": Ursprünglich habe das auf der Postkarte von circa 1900 abgebildete Mädchen Killymane geheißen. Nachdem die Südafrikanerin zu deutschen Pflegeeltern nach Bad Kösen in Thüringen gekommen sei, habe man sie am 27. August 1895 auf den Namen Johanna Maria getauft. Bei der auf der Karte genannten "Kaiser-Wilhelmsburg" handelte es sich um einen Hotelbetrieb, in dem das Mädchen arbeitete und als "Exotin" präsentiert wurde. Auskunft über das damalige Afrikabild im Kaiserreich gibt der Hinweis "Ich bin schwarz, aber lieblich" sowie das Kleingedruckte: Killymane stamme von einem "Kaffernstamm" in Port Natal ab.
Vorführung der Kolonialbewohner: Während der Deutschen Kolonialausstellung 1896 in Berlin-Treptow wird eine Gruppe von Herero und Nama aus der Kolonie Deutsch-Südwest präsentiert. Im Bildvordergrund rechts neben dem Ochsengespann ist Frederik Maharero zu sehen. Maharero und die anderen Statisten hatten sich geweigert, in "heidnischen Trachten" aufzutreten.
Massai in der Reichskanzlei: "Das schwarze Paradies" heißt dieses heute verschollene Triptychon mit Darstellungen der ostafrikanischen Massai. Werner Peiner, einer der bekanntesten Maler des Nationalsozialismus, fertigte das Gemälde 1937/38 und verkaufte es anschließend an Adolf Hitler. Der ließ es neben weiteren Afrika-Bildern in der Neuen Reichskanzlei in Berlin aufhängen.
"Le Congo illustré": Offenbar dem Objektiv eines aufdringlichen Fotografen ausgesetzt, verdeckt diese Kongolesin um 1920 in Leopoldville das Gesicht mit ihrem Arm. Dem Voyeurismus der Kolonialherren konnten die Afrikaner lange Zeit freilich kaum entgehen.