Kolonialgeschichte - DER SPIEGEL
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Kolonialgeschichte Das Kanonenboot, das über die Berge kam

Kaiser Wilhelms letztes Kanonenboot wurde einst, in 5000 Kisten verpackt, nach Afrika geschafft. Fast hundert Jahre später fährt das heruntergekommene, rostige Schiff immer noch auf dem Tanganjika-See. Das Land Niedersachsen will es jetzt retten.
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Schiff Afrika: Die "Liemba", die einst "Graf Goetzen" hieß, vor einem Dorf an Tansanias Küste.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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"Liemba"-Fan Averdung: Der Papenburger Kommunalpolitiker Hermann-Josef Averdung will die "Liemba" im tansanianischen Kigoma auseinanderbauen und dann nach Papenburg bringen lassen, wo sie vor fast genau einem Jahrhundert von der Meyer Werft gebaut wurde.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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"Goetzen"-Erbauer Rüter: Anton Rüter von der Meyer Werft in Papenburg brachte die zerlegte und in 5000 Kisten verpackte "Liemba" alias "Goetzen" kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges über die Berge an den Tanganjika-See.

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Zusammenbau der "Graf Goetzen": Rund 250 einheimische Arbeiter und 20 Inder bauten unter der Leitung von drei mitgereisten Schiffbaufachkräften der Meyer Werft das Schiff in Kigoma, Tansania, wieder zusammen (Foto etwa von 1914).

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Stapellauf: Am 5. Februar 1915 konnte die "Graf Goetzen" schließlich in Kigoma am Tanganyika-See vom Stapel laufen.

Foto: Meyer Werft
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Gustav Adolf Graf von Götzen: 1913 wurde die "Liemba" auf Befehl von Kaiser Wilhelm II. im Auftrag der Ostafrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft erbaut und auf den Namen "Graf Goetzen" getauft - nach Gustav Adolf Graf von Götzen, Ostafrika-Forscher und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika (hier auf einer undatierten Aufnahme).

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Deutsches Kanonenboot: Die "Graf Goetzen", die kurz meistens nur "Goetzen" genannt wurde, während des Ersten Weltkrieges im tansanianischen Kigoma. Am Bug hatten die Deutschen eines der Geschütze des vor Afrika von Engländern auf Grund gesetzten deutschen Kriegsschiffes "Königsberg" montiert, am Heck standen kleinere Kanonen.

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Buggeschütz mit Matrosen: Die "Goetzen" war das seinerzeit weitaus größte und am besten bewaffnete Schiff in Afrika.

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Koloss aus der Dschungelwerft: Die "Goetzen" in einem Schwimmdock in Tansania Anfang des vergangenen Jahrhunderts.

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Stoff für Hollywood: Der Film "African Queen" von 1951 mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn in den Hauptrollen wurde nach dem gleichnamigen Roman von C. S. Forester in Afrika gedreht. Humphrey Bogart sollte mit seinem altersschwachen Dampfboot, der "African Queen", das deutsche Kriegsschiff versenken.

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Waghalsige Klettermanöver: Es sind schon einige Menschen beim Versuch, von den kleinen Booten auf die "Liemba" zu klettern, gestorben. Die meisten von ihnen sind abgerutscht und dann zwischen die Boote und Schiff geraten.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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"Liemba"-Kapitän Mnyanyi: Seit rund zehn Jahren fährt Titus Mnyanyi die "Liemba". Er ist auch trainierter Geburtshelfer, weil er häufig hochschwangere Frauen aus den Dörfern ins Krankenhaus von Kigoma bringen muss. Die Kinder, die dann doch schon auf der tagelangen Fahrt geboren werden, heißen in Tansania "Liemba"-Babys.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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Schiffsentladung: Im Heimathafen Kigoma entladen Träger die "Liemba". Das Schiff transportiert vor allem geräucherten Fisch aus den unzugänglichen Dschungeldörfern am Tanganyika-See, den die Fischer in bis zu 70 Kilogramm schweren Körben aufs Schiff bringen.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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Beladung bei Nacht: Die meisten Dörfer am Tanganyika, dem mit 670 Kilometern längsten See der Welt, haben weder einen Pier noch einen Hafen. Deshalb müssen die Passagiere mit ihrer Fracht mit hölzernen Daus oder Einbäumen zur ankernden "Liemba" herausfahren - oft mitten in der Nacht.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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Leben an Bord: Unter Deck der "Liemba" betreibt Richard Primoza (links) einen kleinen Laden mit Getränken, Seife und Zahnbürsten. Er ist jetzt 25 Jahre alt und lebt seit zehn Jahren auf dem Schiff.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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Auf engstem Raum: Es gibt nur eine Handvoll Kabinen auf der "Liemba", die meisten Passagiere verbringen die tagelange Überfahrt auf dem überfüllten Deck.

Foto: Clemens Höges/Der Spiegel
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Knapp bei Kasse: In einer engen Kajüte kassiert der Zahlmeister der "Liemba" Geld von den Passagieren - allerdings immer nur ein paar Schilling, weil die Menschen am See sehr arm sind. Nur selten macht die staatliche Betreiberfirma Marine Services mit einer Fahrt überhaupt Gewinn. Deshalb fehlt das Geld für die Instandhaltung des Schiffes.

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Unermüdlich: Die "Liemba" auf dem Weg nach Sambia im Süden des Tanganjika-Sees. Von Kigoma in Tansania bis nach Sambia und zurück braucht sie fünf Tage - wenn sie nicht durch einen Defekt irgendwo liegen bleibt.

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Im Bug: Die "Liemba" in einer Bucht vor Mpulungu in Sambia, dem Wendepunkt ihrer regulären Route.

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Alles unter Plane: Männer verzurren die Ladung der "Liemba" vor einem aufziehenden Sturm.

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