Gräueltaten der Kolonialherren "Plündert das Dorf und werft Feuer in die Häuser hinein"
Carl Peters: Der rassistische Kolonialpolitiker (1856-1918) eiferte dem britischen Minenmogul Cecil Rhodes nach und wollte Deutschland in eine imperialistische Großmacht verwandeln. 1856 gründete Peters die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 1884 gelangte er an der Spitze einer Expedition ins Hinterland Tanganjikas und erwarb Land von den dort herrschenden Häuptlingen. Zwei Jahre später erteilte die deutsche Regierung der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft einen Schutzbrief: Deutschland war in Ostafrika Kolonialmacht geworden - räumlich eingekeilt zwischen Portugiesen (Mosambik) und Briten (Kenia).
In Ketten gelegt: Ein Askari (Kisuaheli für "Soldat": einheimischer Krieger in deutschen Diensten) mit Fez, Gewehr und rötlicher Uniform bewacht in Ketten gelegte Gefangene im ehemaligen sogenannten Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika.
Makabres Gemetzel: Massai-Krieger im damaligen Deutsch-Ostafrika. Die Rinderhirten begehrten immer wieder gegen die Deutschen auf, nicht selten kam es zu brutalen Strafmaßnahmen. Carl Peters: "Da die Massai die auf unserer Seite Gefallenen, sieben an der Zahl, in schmachvoller Weise verstümmelt hatten, wurden Repressalien ergriffen, indem unsere Leute den Massai-Leichen die Köpfe abschnitten und solche in weitem Bogen unter deren Stammesgenossen unten am Hügel hinunterschleuderten."
Der Weltkrieg kommt nach Afrika: Diese Farblithographie von 1916 stellt die Schlacht von Tanga dar, mit der der Erste Weltkrieg auch in Ostafrika Einzug hielt. Damals siegten die Deutschen noch - später mussten sie sich der britischen Übermacht geschlagen geben, die auch Truppen aus Indien und Südafrika dorthin verlegte.
Willkürliche Grenzziehung: Karte des Schutzgebiets Deutsch-Ostafrika aus dem Jahr 1911. Es umfasste die heutigen Staaten Ruanda und Burundi, das Tanganjika genannte tansanische Festland und einen kleinen Teil im Norden Mosambiks. Ansprüche auf Sansibar wurden gegen die Insel Helgoland und einen Landstrich im Nordosten des heutigen Namibias getauscht.
Vom Mahdi-Aufstand bedrängt: "Emin Pascha" - so nannte sich der deutsche Afrikaforscher Isaak Eduard Schnitzer (Kreuz), Gouverneur der sudanesischen Provinz Äquatoria. Ab 1881 rebellierten die Mahdisten (angeführt vom "Mahdi" Muhammad Ahmad) gegen die britisch-ägyptische Herrschaft und eroberten bis 1885 weite Teile des Sudan: Schnitzer war abgeschnitten. Um seine Rettung lieferten sich der deutsche Kolonialpionier Carl Peters und Livingstone-Entdecker Henry Morton Stanley einen Wettlauf. Stanley gewann das Rennen, Peters wütete auf der Rückreise unter den Massai. 1892 wurde Schnitzer von arabischen Sklavenhändlern ermordet.
"Einfachste Art des Diamanten-Suchens": Die Diamanten konnte man wie diese Ovambo (die traditionellen Einwohner Namibias) anfangs noch mit der Hand auflesen, später wurden Minen gegraben. An dem trostlosen Flecken im Südwesten Afrikas hatten die anderen Kolonialmächte wenig Interesse. Nachdem der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz erste Besitztümer erworben hatte, stellte das Deutsche Reich "Lüderitzland" 1884 unter den Schutz des Deutschen Reichs: als Deutsch-Südwestafrika.
Schießen für die Deutschen: Major Erich von Langenn-Steinkeller (l.) überwacht 1915 in Deutsch-Ostafrika eine Schießübung der Askaris. Die ersten Askaris wurden von Reichskommissar Hermann von Wissmann aus dem Sudan rekrutiert, um den Araber-Aufstand niederzuwerfen, später wurden immer mehr Einheimische in die Schutztruppe eingegliedert. Während des Ersten Weltkriegs sollen bis zu 40.000 Askaris auf der deutschen Seite gekämpft haben. General Paul von Lettow-Vorbeck, Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, notierte damals: "Nach Beobachtungen, die ich während des Aufstandes in Südwestafrika 1904-1906 gemacht hatte, glaubte ich (...), dass auch in dem ostafrikanischen Schwarzen (...) Tapferkeit und militärische Tüchtigkeit geweckt werden könnten."
Begehrte Minerale: Glimmerabbau in den Ulugurubergen im heutigen Zentraltansania. Im den Jahren 1907 und 1908 wurden hier nach Informationen des Branchenblatt "Glückauf" - Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift" in drei Schürf- und 35 Bergbaufelder 500 Arbeiter eingesetzt und 93.372 Kilo Rohware gefördert. Glimmer findet sich in verschiedenen Gesteinsarten wie Sandsteinen, Graniten oder Schiefern und wird unter anderem für Farben und Kosmetikprodukte genutzt.
Kinderarbeit unter deutscher Aufsicht: Baumwollkarawane in Deutsch-Ostafrika (Foto von ca. 1900). Als Pflücker wurden hauptsächlich Kinder eingesetzt.
Im Dienst der Kolonialisten: Stolz präsentieren Askaris deutsche Kanonen in der Hauptstadt Daressalam (um 1907). Die Stadt am Indischen Ozean war erst 1862 von Sultan Sayyid Majid gegründet worden, verfiel in der Folge jedoch. 1887 erlebte sie ihren Aufschwung durch die Errichtung einer deutschen Garnison, 1891 verlegten die Deutschen schließlich ihre Hauptstadt vom rund siebzig Kilometer entfernten Bagamoyo dorthin.
Tod durch den Strick: In der Kolonialhauptstadt Daressalam (zu Deutsch: "Haus des Friedens") wird ein wegen Mordes zum Tode verurteilter Afrikaner öffentlich hingerichtet (Foto von 1893).
"Zur ostafrikanischen Sklavenbefreiung": Kolonialkritische Karikatur aus der sozialdemokratischen Satirezeitschrift "Der wahre Jacob" von 1899. Der Zeichner übt Kritik an den Methoden der von Carl Peters ins Leben gerufenen Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Unter der Karikatur heißt es: "Es kann den schwarzen Einwohnern Ostafrikas ganz Wurst sein, ob sie von den Arabern als Sklaven maltraitiert oder von Dr. Peters und Co. als Lohnsklaven ausgebeutet werden."
Schlachtfeld: Arbeiter errichten während des Ersten Weltkriegs in Daressalam einen Unterstand für die deutschen Truppen. Als Schlachtfeld waren die Kolonien eigentlich gar nicht vorgesehen - doch keine der Kriegsparteien hielt sich an die Abmachungen der Kongo-Akte, nach der in den afrikanischen Besitzungen Ruhe herrschen sollte: Am 8. August 1914 bestrichen britische Haubitzen die deutsche Festung Daressalam von See aus. Eine Woche später überfiel ein deutsches Kommando unter der Führung von General Paul von Lettow-Vorbeck die britische Kenia-Grenzstation in Taveta.
"In wilden Klumpen": Soldaten der Schutztruppe bilden eine Verteidigungslinie nahe der Hafenstadt Tanga im heutigen Tansania (Foto von 1914). Im November 1914 wagten britische Truppen mit 6000 bis 8000 Mann einen Landungsversuch und scheiterten an den Deutschen. "In wilder Flucht floh der Feind in wilden Klumpen davon", notierte General Paul von Lettow-Vorbeck später, "und unsere Maschinengewehre, aus Front und Flanke konzentrisch auf ihn wirkend, mähten ganze Kompanien Mann für Mann nieder."
Im Kriegsgetümmel: Soldaten der deutschen Schutztruppe 1914 an der Revolverkanone. Diese Kanone, die mit einer Trommel ausgestattet ist, verfügt im Gegensatz beispielsweise zur Gatling nur über einen Lauf und kann dadurch leichter überhitzen.
Unbeliebtes Volk: Angehörige des Wagogo-Stammes in ihrer traditionellen Kleidung. Früher waren die Wagogo Sammler und Jäger, heute sind viele sesshaft und betreiben auch Ackerbau. Unter europäischen Reisenden waren die Wagogo unbeliebt. So schrieb Emin Pascha über dieses Bantu-Volk: "Wir sind jetzt an der Grenze zu Ugogo, ein Land, das bekannt ist für seine Winde, den Staub, die Wasserknappheit und die Frechheit seiner Einwohner." - Kolonialist Carl Peters ließ seinem Hass auf die Wagogo in dem 1891 erschienenen Buch "Die deutsche Emin-Pascha-Expedition" freien Lauf: Seine Verachtung, so Peters, "war so groß, dass ich, in diesem Einzelgefecht wiederholt meinen Leuten sagte: 'Ich will euch zeigen, welche Art Gesindel wir vor uns haben! Bleibt alle stehen, ich will ganz allein die Wagogo beiseite werfen'".
Gedenkmarsch: Im Februar 2017 ziehen Demonstranten durch die Innenstadt Berlins, um der Opfer von Kolonialismus und Sklaverei zu gedenken. "Jahrelang war das Interesse an der deutschen Kolonialgeschichte gering", sagt der Historiker Jürgen Zimmerer, "das hat sich geändert: Was in Afrika und der Südsee geschah, drängt immer stärker ins Bewusstsein."