Kolonialmacht Deutschland Als Telegrafenbauer in Deutsch-Südwest
Titelbild des Otto Schiffbauer-Buches: Wilhelm R. Schmidt: "Otto Schiffbauer: Als Telegrafenbauer in Deutsch-Südwest", Sutton Verlag, Erfurt 2006
Otto Schiffbauer vor seinem Zelt: Mehrfach in seinen Bildern trifft man auf Otto Schiffbauer mit Zelt und Hund. Diesmal hatte er sein Zelt direkt am Postamt von Keetmanshoop aufgeschlagen. Unter dem First des Zeltes hängen Wassersack und Feldflasche. Der Herr in der Mitte schenkt aber lieber Bier aus Deutschland ein. Der Herr rechts ist Schiffbauers Kollege August Ordelheide.
Weihnachten in Deutsch-Südwest: Die Angehörigen der Schutztruppe sowie die Post- und Bahnbediensteten hielten sich in der Fremde gerne für die Nachwelt fest. auch Otto Schiffbauer gestaltete mit den von ihm mitgebrachten Fotografien nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Vorträge. Dieses Bild erinnert an das Weihnachtsfest 1907. Der Herr rechts war ein Unteroffizier Simon.
Otto Schiffbauers Elternhaus: Das Elternhaus von Otto Schiffbauer stand in Münchhof-Wahlscheid im Bergischen Land.
Tanzende Afrikaner: "Spielende Eingeborene" schrieb Otto Schiffbauer auf die Rückseite dieser Fotografie. Das war sicherlich nicht bös gemeint, wirft aber doch ein Licht auf die Möglichkeiten der weißen Kolonialerren, die afrikanische Bevölkerung zu verstehen. Man sah sie eher als kindliche Gemüter.
Telegrafenbauer: Otto Schiffbauer (l.) aus Wahlscheid im Oberbergischen mit seinem Kollegen August Ordelheide aus Düsseldorf in Warmbad 1906. Beide hatten sich im Jahr 1905 freiwillig zum Dienst in den Kolonien gemeldet und arbeiteten in Deutsch-Südwestafrika als Leitungsaufseher im Telegrafenbau. Warmbad liegt im Süden des heutigen Namibia und hatte in der Kolonialzeit seit 1896 eine deutsche Poststation.
Die Baukolonne Schiffbauer: Auf dieser Aufnahme sieht man zwei bewaffnete Weiße und 16 "schwarze Jungens". Zusammen ergiebt dies die Baukolonne Schiffbauer in Gibeon im Jahre 1905.
Familie Schiffbauer: Otto Schiffbauer (l.) mit seiner Familie um 1930. Sie wohnten zu dieser Zeit in Siegburg.
Die Telegrafenstation von Otjosundu: In Otjosundu gab es eine Wasserstelle, und der Ort war schon von daher einer Poststation würdig. Übrigens sieht man auffällig viele Hunde auf den Fotografien der ehemaligen "Kolonisatoren". Auch Otto Schiffbauer und seine Kollegen hatten, wie die Fotografien ausweisen, in der Regel einen Hund mit dabei.
Erfrischung und Freizeitfrisör: Mehrfach zog sich die Marschroute Otto Schiffbauers durch die Kleinen und Großen Karasberge im Süden des Landes. Seiner Beschriftung zufolge wurde dieses Bild in der Nähe der Ortschaft Guigatsis gemacht. Man gönnte sich wohl eine Erfrischung am kühlen Nass, und dabei waltete der Freizeitfrisör seines Amtes.
Arbeitsanweisungen "von oben": Otto Schiffbauer erwähnt, dass er unterwegs öfters Arbeitsanweisungen bekam - natürlich per Telegrafie. Hier ist ein solches Schreiben an ihn wiedergegeben, das vom Tel.-Inspektor Zeller aus der Hauptstadt Windhuk stammt. Es lautet: "Arbeit fortsetzen. Sprengmunition wird ihnen von Baukolonne Hoffmann zugehen. Handwerkszeug in Stand setzen lassen. Über Fortschreiten des Baus in kurzen Zeiträumen telegraphisch berichten."
Gefangenenkraal in Keetmanshoop: Die Aufstände der Hereros und der Nama wurden später von beiden Seiten und aus unterschiedlichen Gründen als "Kriege" bezeichnet. Natürlich wurden da auch Gefangene gemacht, die unter anderem zum Dienst beim Telegrafenbau gepresst wurden.
Baulager der Telegrafenbauer: Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass im Zelt gearbeitet, d.h. telegrafiert wird. Die provisorisch errichtete Leitung führt direkt zum Zelt. Drum herum "posiert" man wohl, jeder stellt sich mehr oder weniger auffällig in die Landschaft.
Vorratslager: Wie das Bild ausweist, ist hier ein Vorrats- und Gerätelager der Feld-Telegrafenabteilung I zu sehen. Über dem Eingang flattern die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches und zahlreiche Wimpel. Alles ist ordentlich aufgeräumt, und ein schmuckes Taubenhaus ziert das Ambiente. Das Gebäude wirkt mit seinen wilhelminischen Erkern wie ein Puppenhaus und die Beschriftung "Kriegersruh" legt nahe, das hier oft auch "flüssiges Material" vorhanden war.
Postkarte an Otto Schiffbauer: Dies ist die Vorderseite der bereits gezeigten Postkarte. Zu sehen ist eine Rottenkolonne an der Bahnlinie Lüderitzbucht - Keetmanshoop im Jahre 1912. Die "schwarzen Jungens", die mit ihrem Chef die Telegrafenleitung bauten, schauen hier sehr skeptisch und fast widerwillig in die Linse. Der Hund des Chefs ist auch wieder mit dabei.
Postkarte an Otto Schiffbauer: Diese Postkarte an Otto Schiffbauer beinhaltet Weihnachtsgrüße, abgesandt beim Streckenabschnitt "Josephshöhe auf km 133". Von der ursprünglichen Zieladresse Lüderitzbucht wurde die Karte, wie man an der oberen nachträglichen Beschriftung erkennt, der Rottenkolonne an der Bahnlinie Lüderitzbucht - Keetmanshoop nachgeschickt. Telegrafenbauer sind ständig auf Achse.
Landung in Swakopmund: Bei der Landung in Swakopmund lagen die Dampfer auf der Reede, also weit vom Strand entfernt. Die Passagiere wurden in einer Gondel, die an einem Kran hing, von Bord in einen Kahn gehoben. Dieser wurde dann an Land gerudert bzw. nach dem Bau des Landungsstegs von einem Motorboot zur endgültigen Anlegestelle geschleppt. Ein geflochtener Korb zum Ausbooten einer oder zweier Personen ist noch heute original im Museum von Swakopmund zu bewundern.
Die Postagentur von Brackwasser: Brackwasser ist ein Ort an der Eisenbahnstrecke von Lüderitzbucht nach Osten ins Landesinnere. Der Herr zu Pferde ist sicherlich der örtliche Agentur-Chef. Bemerkenswert ist der schwarze Bedienstete in Uniform, vielleicht der Vater des ebenfalls europäisch gekleideten Jungen. Die Tür rechts im Bild ist garantiert genau so direkt aus Deutschland importiert. Am Haupteingang prangt das deutsche Hoheitszeichen.
Karte von Deutsch-Südwest: Diese Übersichtskarte stammt aus den 1930er-Jahren und zeigt die Verkehrswege, die zur Zeit des Aufenthalts von Otto Schiffbauer in Deutsch-Südwestafrika entstanden. Besonders im südlichen Teil finden sich viele Ortsnamen und Routen, die von ihm erwähnt werden. Teilweise sind sie auf heutigen Karten so nicht mehr existent.
Landungsbrücke in Swakopmund: Die erste, hölzerne Landungsbrücke in Swakopmund aus dem Jahre 1904/05 war alles andere als komfortabel. Mit einem sogenannten Brandungsboot wurden die Dampfer-Passagiere immerhin bis in die flache Brandung gebracht, bekamen dann aber nasse Füße. Die spätere Landungsbrücke in Swakopmund von 1913 war wesentlich größer und stabiler gebaut und wies bis zu vier Schienenpaare gleichzeitig auf, sodass das Be- und Abladen der Güter schneller vonstatten gehen konnte.
Zweites Frühstück auf See: Nach Afrika fuhr man seinerzeit mit der Deutschen Ost-Afrika-Linie oder der Woermann-Linie. Otto Schiffbauer fuhr zwei Mal hin und zwei Mal zurück in der zweiten Klasse. Während der Überfahrt lebte man nicht schlecht, für die meisten gab es Luxus, den sie zuhause nicht gekannt hatten. In der Wüste ging es dann auch nicht mehr so komfortabel zu. Dort musste man selbst kochen, Gemüse gab es nur im getrockneten Zustand, und meistens war das Wasser knapp.
Kamelreitereinheit der Schutztruppe: "Oberleutnant Weis mit seinem Stabe" notierte Otto Schiffbauer auf der Rückseite dieser Fotografie. Wie die Post hatte die Schutztruppe spezielle Kamelreitereinheiten. In Deutsch-Südwestafrika betrug die Zahl der "Schutztruppler" bis zu 2000 Mann. Askaris, d. h. schwarze Angehörige der Schutztruppe, kannte man im Gegensatz zur Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika nicht.
Hochzeitsbild der Schiffbauers: Otto Schiffbauer heiratete am 10. Dezember 1915, in Uniform.