Fotostrecke Mmmhhh, morbide!
Ein Prachtexemplar, gebacken von Annabel de Vetten: Die Grusel-Konditorin wuchs im hessischen Bad Homburg auf. Nun steht sie kurz vor einem Umzug in die USA.
Im Großraum Los Angeles will de Vetten eine Konditorei eröffnen. Dort soll es ihre Werke dann zu kaufen geben - vielleicht auch diese Torte, die de Vetten "Viking Cake" taufte, "Wikinger-Kuchen".
Mit 17 zog de Vetten nach Großbritannien und studierte Bildhauerei. Sie arbeitete als Malerin, Tierpräparatorin und Requisiteurin für Horrorfilme; seit 2008 ist sie Konditorin und Food-Artistin in Birmingham. Ihre Spezialität: besonders gruseliges Gebäck.
Der "Surgery Cake" von Annabel de Vetten: Kaum vorstellbar, aber de Vetten sagt, dass Kuchen wie diese gut schmecken.
Gibt es auch Aufträge, die de Vetten zu widerlich sind? "Was heißt widerlich?", sagt die Konditorin. "Ich kann auch Abgründiges oder Ungewöhnliches - wie zum Beispiel ein seziertes Ferkel - so backen, dass es ästhetisch aussieht, und vor allem prima schmeckt."
Es gebe allerdings Sachen, die sie nicht backe: Genitalien zum Beispiel oder rosarote Cupcakes. "Das sollen andere machen", sagt de Vetten. Ein Totenkopf mit Verzierung ist aber offenbar drin: de Vettens "Heaven Bodies Jewel Skull Cake".
Oder wie wäre es mit einem Gesicht, von dem gerade die Haut abgezogen wurde? "Head", so heißt dieses Exemplar von Annabel de Vetten.
Halloween sei eine stressige Zeit für die Konditorin, sagt sie. "Aber bei mir ist jeden Tag Halloween. Ich brauche kein bestimmtes Datum, um Morbides zu kreieren. Ich arbeite ohnehin das ganze Jahr an ähnlichen Themen."
Für Kunden, die es sehr morbide mögen, backt de Vetten auch schon mal ein aufgeschlitztes Schwein.
Würden Sie ein paar der dicken Maden probieren, die Annabel de Vetten mit viel Liebe gebacken hat?
Oder hätten Sie doch lieber eine Kostprobe von diesem Kuchen, den de Vetten "Goat Head", "Ziegenkopf", nannte?
Grusel kann so viel bedeuten - es muss nicht bluten, damit es de Vettens Kunden schmeckt. Diese verwunschenen Fliegenpilze entstammen womöglich einem Zauberwald, jeder Bissen könnte giftig sein...
Ja, auch Leichen backt de Vetten. Diese heißt "Florence". "Wenn ich meinen Kunden ins Gesicht schaue, während sie einen Finger oder ein Ohr essen, sehe ich, dass sie irgendwie zerrissen sind: 'Das sollte mir nicht gefallen, aber ich liebe es.'"
Vor einiger Zeit habe sie eine Torte für die Produzenten der Fernsehserie Dexter gebacken. Es war ein 1,80 Meter langer Kuchen in der Form des Hauptdarstellers. "Daran habe ich mehr als hundert Stunden gearbeitet. Die Zutatenliste habe ich noch: 240 Eier, 55 Pfund Mehl, 44 Pfund Zucker."
Es gebe immer welche, die ihre Kunst pervers fänden oder schockierend, sagt de Vetten. "Ich habe ganz gut gelernt, das zu ignorieren und sehe es eher als Kompliment. Es ist schließlich eines der Ziele von Kunst, starke Emotionen zu wecken."