Wahl im Kongo Banges Warten auf das Ergebnis
Ein Helfer der Wahlkommission Ceni sitzt in der Hauptstadt Kinshasa am Neujahrstag auf einem Haufen Wahlunterlagen.
Vom Zählen müde geworden? Fünf Tage später zeigt dieses Foto eine Ceni-Mitarbeiterin, die auf ihrem Tisch eingeschlafen ist.
Seit der Wahl gilt eine Internetsperre im ganzen Land. Auch der beliebte Auslandssender Radio France International (RFI) wurde von der Regierung abgeschaltet. Geduldig warten die Menschen bislang auf ein Ergebnis, das eigentlich am Sonntag kommen sollte.
Mitarbeiter der Ceni in einer Warteschlange stehen für ihre Bezahlung an.
Favorit der Regierung von Staatschef Joseph Kabila ist Emmanuel Ramazani Shadary, der Ex-Innenminister. Er ließ die kongolesischen Sicherheitskräfte landesweit Oppositionsgruppen attackieren, Dutzende starben. Am Wahltag sagte er: "Heute Abend bin ich Präsident."
Auf einer Welle der Sympathie surft hingegen Martin Fayulu, Spitzenkandidat des Oppositionsbündnisses Lamuka ("Aufstehen").
Er wurde bei Wahlkampfveranstaltungen von der Polizei verprügelt, seitdem nennen ihn seine Anhänger "Soldat des Volkes".
Sein Vater führte mehr als ein Jahrzehnt die kongolesische Opposition, nun wollte Felix Tshisekedi das Präsidentenamt erobern. Sein Team sprach von ihm als "wahrscheinlichem Sieger".
Eine zentrale Rolle im Kongo spielt die Bischofskonferenz Cenco. Die Würdenträger verhandelten nach der Weigerung Kabilas, seinen Posten zu räumen, dass es eine Neuwahl geben muss. Die wurde nun - mit zwei Jahren Verspätung - abgehalten. Jetzt gilt die Cenco als strengster Beobachter der Wahl. Sie setzt die Wahlkommission unter Druck, bei der Wahrheit zu bleiben.
Die Cenco sagte am Donnerstag, ein Kandidat habe "klar gewonnen". Womöglich daraufhin verschob Ceni-Chef Corneille Nangaa die Bekanntgabe des Resultats auf unbestimmte Zeit - und kritisierte, die Kirche bereite einem "Aufstand" den Weg.
Die Wahl fand unter schwierigen Vorzeichen statt: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo tobt eine Rebellion der islamistischen Gruppe ADF. Die Aufständischen töteten im vergangenen halben Jahr Dutzende, die Armee geht brutal gegen sie vor.
JOHN WESSELS/ AFP
Ebenfalls im Osten des Landes hat die Ebolaseuche seit ihrem Ausbruch vor mehreren Monaten mehr als dreihundert Todesopfer gefordert. Mit diesen beiden Krisen begründete die Regierung den Ausschluss von mehr als einer Million Menschen von der Wahl.