Mathias Rust Der Teenager auf dem Roten Platz
Mathias Rust: Der Angeklagte aufgenommen am 3. September 1987, im Sitzungssaal des Obersten Gerichtshofs in Moskau, am zweiten Tag der Verhandlung gegen ihn. Er wurde einen Tag später unter anderem wegen illegaler Einreise und Verstoßes gegen die internationalen Luftverkehrsregeln zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt, jedoch nach einer Gefängnisstrafe von 14 Monaten begnadigt.
MARK J. PORUBCANSKY/ AP
Unbekanntes Flugobjekt: Der junge Pilot Mathias Rust funktioniert am 28. Mai 1987 das Areal um den Roten Platz in Moskau kurzerhand in eine Landebahn um. Während seines Fluges über sowjetisches Territorium war der Deutsche dank der Verkettung von Zufällen nicht am Weiterfliegen gehindert worden. Einige der verantwortlichen Militärs, darunter der Verteidigungsminister, wurden von Michail Gorbatschow in den Ruhestand geschickt.
Roter (Lande-)Platz: Mathias Rust landete am 28. Mai 1987 mit seiner einmotorigen Cessna 100 Meter vom Roten Platz in Moskau entfernt, auf der nahe gelegenen Großen Moskwa-Brücke. Die Aufnahme zeigt das Flugzeug vor der Basilius-Kathedrale, wo es schließlich zum Stehen kam. KGB-Mitarbeiter verhafteten den Deutschen direkt nach der Landung.
Nachrichtenmeldung: Die russische Nachrichtenagentur Tass informierte die Medien am 29. Mai 1987 wie folgt über den tollkühnen Flug des Mathias Rust: "...ein von BRD-Bürger Mathias Rust gesteuertes einmotoriges Sportflugzeug hat am Donnerstag den Luftraum der UdSSR verletzt. Der Flug wurde nicht unterbunden und das Flugzeug landete in Moskau."
Top-Nachricht: Auch die "Tagesschau" berichtete am 29. Mai 1987 über Rusts spektakuläre "Landung auf dem Roten Platz" in Moskau
Hobbypilot: Mathias Rust, hier am 25. Mai 1989, gab später als Motiv für seinen Abenteuerflug an, er habe nur für den "Weltfrieden" werben wollen. Es hielten sich aber auch zahlreiche Verschwörungstheorien. Die beliebteste spekuliert über eine Inszenierung des Kremls - Gorbatschow habe so unliebsame Gegner loswerden können.
Wieder in den Schlagzeilen: 1989 leistete Mathias Rust seinen Zivildienst in einem Hamburger Krankenhaus. Dort ging er mit einem Messer auf die Schwesternschülerin Stefanie W. los und verletzte sie mit zwei Stichen lebensgefährlich. Rust musste sich für seine Tat vor Gericht verantworten. Das Bild zeigt, wie ein Angehöriger von W. am 15. April 1991 im Hamburger Strafgericht ihr Gesicht vor neugierigen Blicken verbirgt.
Erneut vor Gericht: Mathias Rust im April 1991 auf dem Weg in den Verhandlungssaal im Landgericht Hamburg. Er wurde wegen versuchten Totschlags in einem minderschweren Fall zu 30 Monaten Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Hälfte der Strafe wurde er jedoch im Oktober 1993 bereits wieder entlassen.
Wiederholungstäter: Mathias Rust steht am 17. April 2001 abermals in Hamburg vor Gericht. Im November des Vorjahres hatte er in einem Kaufhaus der Hansestadt einen Kaschmir-Pullover gestohlen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Vier Jahre später wurde er wegen Betrugs mit ungedeckten Schecks ebenfalls zu einer Geldstrafe verurteilt.
Absurdes Theater: Rusts abenteuerlicher Flug wurde im Jahr 2010 in dem satirischen Theaterstück "Rust - Ein deutscher Messias" unter der Regie von Studio Braun am Hamburger Schauspielhaus verarbeitet. Der einst von den deutschen Medien hochgejubelte "Teufelsflieger" wurde nach seiner Rückkehr aus Moskauer Haft 1988 wegen seiner ungelenken Interviews als "geistiger Tiefflieger" bloßgestellt.
Das Bild zeigt eine Szene während der Probe vom 19. Oktober 2010. Fabian Hinrichs spielte den Mathias Rust.