Kriegsfotograf Chaldej - DER SPIEGEL
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Ganz nah dran Die Rote Armee auf der Krim

Jewgenij Chaldej hat im Zweiten Weltkrieg für die Rote Armee gekämpft - um jedes Bild. Seine Aufnahmen vom Vormarsch der Sowjets wurden weltberühmt, die Notizen über seinen Einsatz aber hielt er geheim. Nun wurde sein Tagebuch veröffentlicht und verrät, wie der Fotograf selbst das Kriegsgrauen erlebte.
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Marsch ins Ungewisse: "Die Stimmung war schlecht. Wir hatten gerade die 'weißen Nächte'. Der Kommandeur ließ die Soldaten antreten und durchzählen. Dann schickte er sie auf Erkundung in die Nacht hinaus. Als sie gingen, wussten sie nicht, ob sie zurückkommen würden", notierte Chaldej 1941 während seines Einsatzes in Murmansk.

Foto: Jewgenij Chaldej /Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Rentier Jascha: Kurz nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion wurde Fotograf Jewgenij Chaldej an die Nordfront beordert. Später verriet er, wie diese Aufnahme entstand: "Unsere Jagdflugzeuge waren nur aus Holz. Deshalb atmeten wir erleichtert auf, als die Engländer mit ihren 20 "Hurricanes" kamen. Dieses Rentier lebte wild. Wir nannten es Jascha. Als dann geschossen wurde, kam es immer wieder zu unserer Batterie. Die Soldaten bauten einen kleinen Stall und fütterten es gut. Man hat mich gefragt, ob dies eine Fotomontage sei. Für mich ist es eine Kombination, um den Ausdruck zu verstärken."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Verbrannte Erde: "Am 22. Juni 1942 gab Hitler den Befehl, Murmansk niederzubrennen. Die Stadt bestand vor allem aus Holzhäusern. Einen Tag lang fielen 350.000 Brandbomben", erklärte Chaldej zu dieser Aufnahme. "Ich entdeckte die alte Frau mit ihrem Koffer. Sie sagte: 'Schämen Sie sich nicht, unser Unglück aufzunehmen?'"

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Nordfront: Soldaten der Nordmeerflotte an einem Flugabwehrgeschütz im Sommer 1941 in Murmansk, wo der Krieg am 22. Juni jenes Jahres begonnen hatte. Deutsche Truppen schafften es nie, sich der russischen Stadt mehr als 40 Kilometer zu nähern - die Stabilität der Nordfront gehörte zu den wenigen Erfolgen der Roten Armee im ersten Kriegsjahr.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Bomberpilot vor dem Einsatz: Wo genau Kriegsfotograf Chaldej diese Aufnahme 1943 machte, ist nicht bekannt - vermutlich am Schwarzen Meer.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Hinter der Front: Ein Soldat lässt sich die Haare schneiden, ein anderer näht an seiner Uniform. Chaldej hielt in seinen Bildern - wie hier 1943 - auch ganz alltägliche Beschäftigungen der Rotarmisten fest.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Rache: So nannte Chaldej dieses Bild, das er Anfang 1945 in einem österreichischen Dorf aufgenommen hatte. Er selbst erklärte dazu später: "Alle sagen, ich hätte diese Fahne extra dort hingelegt. Nein, ich habe nur das Haus angesteckt, weil da der Kommandant des Konzentrationslagers wohnte. Es gibt Bilder, die zeigen, wie es nachts bis auf die Grundmauern nieder brannte."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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"Nachthexen": Die Pilotinnen Irina Sebrowa, Nadja Popowa und Vera Belik während einer Einsatzpause. Fotograf Jewgenij Chaldej begleitete die Frauen von Noworossijsk, eine Hafenstadt am Schwarzen Meer, bis nach Berlin: "Es gab im Krieg ein ganzes Frauengeschwader mit leichten Flugzeugen. Die deutschen Soldaten nannten sie die 'Nachthexen', wei sie aufstiegen, die Motoren abschalteten und dann zum Gleitflug übergingen. Man hörte kein Geräusch, aber es hagelte Bomben. Viele von ihnen kamen ums Leben."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Schlacht um die Krim: Dieses Bild von einem Luftangriff auf Sewastopol schoss Jewgenij Chaldej am 8. Mai 1944. Am Tag darauf nahm die Rote Armee die größte Stadt auf der russischen Halbinsel ein. Der Fotograf saß während der Aufnahme in einem amerikanischen Bomber, der von einem russischen Piloten geflogen wurde.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Sonnenbad zwischen Ruinen: Dieses Foto nannte Chaldej "Das Leben geht weiter" - er hatte es im Mai 1944 in der nach Bomberangriffen stark zerstörten Stadt Sewastopol aufgenommen.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Hakenkreuz-Demontage: Nach dem Ende der verlustreichen Kämpfe um die Stadt Kertsch auf der Krim schickte Fotograf Jewgenij Chaldej 1944 für diese Aufnahme einen Soldaten auf das Werkstor, um das festgeschweißte Hakenkreuz herunterzureißen. Doch es gelang nicht. Immerhin schaffte es der Rotarmist, das verhasste Symbol zu verbiegen.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Eingeschlagen: Die skurril anmutende Aufnahme entstand Ende 1944 in Budapest. Chaldej: "Die russische Armee nahm erst Pest ein, dann Buda. Die Deutschen marschierten nach Buda und sprengten alle Brücken. Nachts warfen leichte Flugzeuge der deutschen Luftwaffe Munition und Lebensmittel für ihre Soldaten ab."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Verängstigt: Dieses jüdische Paar traf Jewgenij Chaldej 1945 im Budapester Ghetto. Die beiden erschraken, weil sie den Fotografen zunächst für einen Soldaten hielten. "Ich riss ihnen die Sterne ab und sagte ihnen, die Faschisten sind geschlagen."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Auf schwierigem Posten: "Die jungen Frauen, die den Verkehr regelten, hatten eine schwierige Aufgabe", erklärte Chaldej zu diesem Bild, das er im April 1945 in Küstrin (später: Kostrzyn) aufnahm. "Sie wurden bombardiert, durften aber ihren Posten nicht verlassen. Alles rannte und suchte Deckung. Sie aber mussten stehenbleiben. Viele dieser Frauen sind ums Leben gekommen."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Verzweiflung: Ein österreichischer Nationalsozialist und seine Familie hatten sich Anfang 1945 in dem Park vor dem Wiener Parlamentsgebäude das Leben genommen. Chaldej wollte eigentlich die vorbeiziehenden Soldaten fotografieren, als er die Suizidopfer - der Junge war erst etwa 15 Jahre alt - auf der Parkbank entdeckte. "Später kamen unser General Sachwatajew und Politkommissar Schepilow, die Wien befreit haben. Der General sagte: 'Ich bin von Stalingrad bis hierher gekommen, aber eine solche Tragödie habe ich noch nicht erlebt.'"

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Rote Fahne auf dem Reichstag: Die Abbildung dieser symbolträchtigen Geste nach dem Sieg der Roten Armee über Hitler-Deutschland wurde zur Bildikone. Das Foto entstand allerdings erst zwei Tage nach der Erstürmung des Berliner Reichstags. Für die Veröffentlichung in der "Prawda" war zudem bei einem der Soldaten eine Armbanduhr wegretuschiert worden. Im Original trug er an jedem Handgelenk einen Chronografen - ein Hinweis auf Plünderei, die offiziell als Kriegsverbrechen galt.

Foto: dpa
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Hitler-Haupt unter dem Arm: Der Dichter Jewgeni Dolmatowski mit einer Kriegstrophäe, aufgenommen am 2. Mai 1945 in Berlin.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Bomber über Berlin: Das Foto vom Reichstag nahm Chaldej im April 1945 auf, die Flugzeuge allerdings wurden hineinmontiert, bevor das Bild in der sowjetischen Tageszeitung "Prawda" erschien. Nach der Veröffentlichung erhielt Chaldej einen Brief: "Sehr geehrter Herr Korrespondent", schrieb ihm jemand, "ich erinnere mich an den Tag, als wir den Reichstag bombardierten. Mein Flugzeug ist das am Rand."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Warum Krieg? Ein blinder Mann und sein Führer in der Französischen Straße in Berlin, aufgenommen im April 1945. "Alte Menschen und Kinder haben mich während des Krieges besonders betroffen gemacht", schrieb Chaldej. "Es war so schrecklich zu verstehen, was da geschah."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Schläge für Göring: "Göring fotografierte ich oft, denn ich dachte: Hitler ist tot, also ist Göring der Verbrecher Nummer eins." Als Chaldej 1946 den inhaftierten Hermann Göring, vorne links, bei einer Mahlzeit mit NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg, Großadmiral Karl Dönitz und Reichsjugendführer Baldur von Schirach in Nürnberg fotografieren wollte, soll dieser gebrüllt haben: "Was soll das, nicht mal essen kann man in Ruhe!" Erst als ein amerikanischer Leutnant ihm einen Schlag mit einem Knüppel verpasste, habe er Ruhe gegeben.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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In Deckung: Kurz bevor Chaldejs Job bei den Nürnberger Prozessen 1946 beendet war, wollte er noch eine Aufnahme von sich und Hermann Göring im Gerichtssaal haben. Er bat einen amerikanischen Kollegen - vermutlich Robert Capa - das Bild zu machen. "Göring erinnerte sich daran, dass er meinetwegen einen Schlag mit dem Knüppel einstecken musste. Als er bemerkte, dass ich mit ihm auf ein Foto kommen wollte, hob er die Hand und hielt sie vor sein Gesicht."

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Siegesparade in Moskau: Beim Aufmarsch am 24. Juni 1945 auf dem Roten Platz in Moskau trugen Rotarmisten die deutschen Truppenfahnen und Standarten, um sie an der Kreml-Mauer in den Staub zu werfen. Der Soldat, der die Leibstandarte Hitlers tragen sollte, hatte sich zunächst geweigert, sie anzufassen, wie Chaldej später erfuhr. "Man machte ihm klar, dass dies eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung sei." Diese...

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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..."besondere Ehre" hatte der Fotograf, hier mit im Bild, mit seiner Kamera festgehalten.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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"Ein schöner Morgen und ein mieser Tag ...", schrieb der damals 24-jährige Jewgenij Chaldej über den 22. Juni 1941 - jenen Tag, an dem für ihn und sein Land der Krieg begann.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Im Einsatz an der Bildfront: Der jüdisch-ukrainische Fotograf Jewgenij Chaldej mit seiner Leica 1942 in Murmansk. Das Fotografieren hatte er in seiner Heimatstadt Stalino gelernt. Mit knapp 20 Jahren fand er 1936 bei der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS eine Anstellung - seine Front-Aufnahmen im Zweiten Weltkrieg wurden weltberühmt.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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Am Rande der Siegesparade in Moskau machte Jewgenij Chaldej dieses Bild eines beinamputierten Kriegsveteranen. Das Foto wurde lange Zeit nicht veröffentlicht, da in sowjetischen Medien verwundete Rotarmisten nicht gezeigt werden durften.

Foto: Jewgenij Chaldej/Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer
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