Kriminalgeschichte - DER SPIEGEL
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Kriminalgeschichte Herrn Ekenbergs tödliche Erfindung

Der Tod kam per Post: Anfang des 20. Jahrhunderts schockierten vier Anschläge ganz Schweden. Der erste Paketbomben-Serientäter der Welt hatte vier Sprengsätze an Direktoren großer Firmen verschickt. Doch was wie eine Kriegserklärung an die Obrigkeit wirkte, entpuppte sich als die Tat eines enttäuschten Erfinders.
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Der Erfinder der Briefbombe: Der Schwede Martin Ekenberg (hier als Wachsfigur im Stockholmer Polizeimuseum) verschickte von 1904 bis 1909 insgesamt vier Paketbomben. Deren schauderhaft raffinierte Konstruktion - etwa in Form eines Parfümflakons - beeindruckte und schockierte die Ermittler gleichermaßen. Der Erfinder der Briefbombe ist er dennoch nicht. Denn bereits ...

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... 1764 notierte ein dänischer Historiker in seinem Tagebuch ein Attentat per Post: Einem Colonel sei eine mit Schießpulver gefüllte Kiste zugesandt worden, die sich beim Öffnen automatisch entzündete.

Auch dieser kolorierte Holzstich von 1895 zeigt bereits die Explosion einer Briefbombe. Sie war an Baron Alphonso de Rothschild adressiert. Opfer des Attentats wurde jedoch ein Vertrauter des Bankiers, als er in dessen Namen die Postsendung öffnete.

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Sprengsatz per Post: Von 1993 bis 1995 versetzte eine Reihe fremdenfeindlich motivierter Anschläge Deutschland und Österreich in Angst. Im Namen einer sogenannten Bajuwarischen Befreiungsarmee verschickte der Österreicher Franz Fuchs in dieser Zeit insgesamt 25 Briefbomben. Bei den Anschlägen wurden 15 Menschen zum Teil schwer verletzt, vier starben.

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Eines der Opfer des Attentäters Franz Fuchs war Arabella Kiesbauer: Am 9. Juni 1995 wurde dabei eine Assistentin der Talkmasterin verletzt.

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Der Tatort: Blutflecken auf dem Teppich, Fetzen der Briefbombe und Markierungen der Spurensicherung im Arbeitszimmer von Arabella Kiesbauer in Unterföhring bei München. Die Pro-Sieben-Moderatorin wurde bei dem Attentat nicht verletzt, da ihre Assistentin Sabine Dammann die Briefbombe öffnete.

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Auch Helmut Zilk wurde zum Ziel von Franz Fuchs: Der damalige Wiener Bürgermeister verlor bei dem Anschlag zwei Finger an der linken Hand. Die damals 18-jährige Auszubildene Astrid Bielek, rechts, wurde schwer verletzt. Das Bild zeigt die beiden während einer Pressekonferenz am 13. Dezember 1993 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien.

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Fuchs vor Gericht: Der Vermessungstechniker und Bombenbauer Franz Fuchs wurde schließlich am 1. Oktober 1997 bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle festgenommen. Statt den Polizisten seine Papiere zu geben, zündete er eine Rohrbombe, die ihm beide Unterarme wegriss und die Beamten verletzte.

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Briefbombe von innen: In der Landespolizeidirektion der Steiermark in Graz wurde am 6. Januar 1998 eine verdächtige Postsendung entdeckt, die Sprengstoff und einen elektronischen Zündmechanismus enthielt. Das Doppelbild zeigt rechts die Bombe, links deren Inhalt.

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Der Unabomber: Von 1978 bis 1995 verschickte Theodore John Kaczynski vermutlich 16 Briefbomben. Seinen Namen Unabomber (University And Airline Bomber) erhielt der Täter, da er seine Sprengsätze hauptsächlich auf Universitätsprofessoren und Vorstandsmitglieder von Fluggesellschaften schickte. Im April 1995 verübte Kaczynski seinen 16. Anschlag. Er kostete Gilbert Murray, dem Präsidenten der California Forestry Association, das Leben. Das Bild zeigt das Büro von Murray, in dem er das todbringende Paket geöffnet hatte.

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Phantombild: 1995 veröffentlichte das FBI dieses Phantombild des "Unabombers", der später als der US-amerikanische Mathematiker Theodore Kaczynski identifiziert werden konnte.

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Durch seinen Schreibstil überführt: Am 3. April 1996 wird der Unabomber Theodore Kaczynski gefasst. Zuvor hatte er angeboten, seine Anschläge zu beenden, wenn eine große Zeitung sein 35.000 Wörter langes Manifest mit dem Titel "Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft" veröffentliche. Am 19. September kamen die "New York Times" und die "Washington Post" seiner Aufforderung nach. Sein jüngerer Bruder David erkannte den Schreibstil von Kaczynski und zeigte ihn nach eigenen Ermittlungen bei der Polizei an.

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Briefbombe an Berlusconis TV-Sender: Am 18. Juli 2001 - zwei Tage vor dem G-8-Gipfel in Genua - explodierte im Büro des Rete-4-Fernsehdirektors Emilio Fede in Mailand diese Briefbombe. Der TV-Kanal gehört zum Medienimperium von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, dem Gastgeber des Treffens. Bei dem Anschlag wurde eine Sekretärin, die das Paket geöffnet hatte, verletzt. Sie kam mit leichten Verbrennungen in ein Krankenhaus.

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