Klu-Klux-Klan in Deutschland Undercover beim Eifel-Klan
"Wir stehen vor einem neuen Rassenkrieg": So begründete der "European Organizer" Murry M. Kachel sein Engagement innerhalb des Ku-Klux-Klan. Das Foto zeigt Kachel (vorn) im Frühjahr 1981 mit Gleichgesinnten vor der historischen Wasserburg in Bruch (in der Nähe von Trier). mehr...
Antisemitischer Clankommandant: Murry M. Kachel vor seinem Bett, auf dem Gewehre und seine Clankluft liegen. An der Wand hängen Urkunden von dem "Grand Dragon" (Großer Drache) in der amerikanischen Klan-Zentrale in Lousiana. "Nicht nur die Nigger", so dozierte Kachel damals, "gerade der Jude ist unser Feind."
Zu Unrecht unterschätzt: Ein von Ku-Klux-Klan-Mitgliedern abgebranntes Kreuz in der US-Garnison von Bremerhaven. Der rassistische Geheimbund ist in Deutschland längst nicht so mächtig wie in den USA - dennoch warnt Kromschröder davor, den Clan hierzulande zu unterschätzen und rein auf seine Taten zu reduzieren. Der Geheimbund besitze ein gefährliches Potenzial: als "Stichwortgeber", aber auch als "ideologischer Durchlauferhitzer und logistische Schaltstelle zwischen einzelnen neonazistischen Splittergruppen".
Unbehelligt: Gerhard Kromschröder durfte die amerikanische Fahne tragen, während die anderen Clansmänner sich Kittel und Kapuze überzogen und durch die Straßen von Bruch zogen. "Die Einheimischen hat's nicht gestört", erzählt der Undercover-Reporter.
Krude Allmachtsfantasien: Geheimes Quartier des Ku-Klux-Klans in Wiesbaden. Schon bei seinem ersten Treffen mit den deutschen Clansmännern erhielt Reporter Gerhard Kromschröder Einblick in deren menschenverachtende Weltsicht. So erzählte ein Mann namens "Percy" dem Untercover-Journalisten, dass man mit einem Fingerhut "ausgesuchter Bakterien" in jedem deutschen Wasserwerk Leute töten könne: "Nur die Widerstandsfähigsten würden übrigbleiben. Kein Jud und kein Neger würde überleben." Die Feinde des deutschen KKK, so Percy weiter, seien nicht nur "die Nigger", sondern "alles Fremdrassige", darunter "Russen, Türken und die ganzen Kanaken, die unser Land überfluten".
Stars and Stripes vor Mittelalter-Kulisse: Kromschröders Artikel über den "KKK West Germany" im Mai 1981 sorgte bundesweit für Aufsehen - die USA indes spielten den Fall herunter. So erklärte ein Sprecher des Pentagon damals: "Wir begrüßen die Mitgliedschaft von Soldaten im Ku-Klux-Klan zwar nicht ausdrücklich, aber manche Leute haben ja auch etwas gegen Pfadfinder, obwohl das auch eine legale Organisation ist." TV-Fälscher Michael Born wiederum inspirierten Kromschröders Enthüllungen zu einem Film über KKK-Umtriebe - der 1996 als frei erfunden aufflog.
Der "erhörte Zyklop": So lautete der Spitzname Kachels innerhalb der Clanszene. Hier posiert der in Spangdahlem stationierte Sergeant der US-Air-Force vor seinem Haus in Bruch. Nachdem Kromschröder seine Reportage über den Ku-Klux-Klan West Germany veröffentlicht hatte, setzte sich Kachel in die USA ab - wo er jegliche KKK-Mitgliedschaft abstritt.
"Typus introvertierter Versager": So bezeichnet Kromschröder den damals in der Eifel-Gemeinde Bruch wohnhaften KKK-Anführer Kachel (hier mit einem Foto, das ihn angeblich nach einer Schlägerei mit Schwarzen in Stuttgart zeigt). Regelmäßig versammelte sich Kachel mit Gleichgesinnten in der örtlichen Kneipe - der Wirt hatte laut Kromschröder keine Probleme damit, dass sich die rassistischen Clanbrüder bei ihm trafen.
"Beim Lügen muss man bei der Wahrheit bleiben": So lautet Kromschröder zufolge die oberste Regel der verdeckten Recherche. Der Undercover-Reporter (hier mit maskierten Klansmännern vor der Wasserburg im Eifeldorf Bruch) legte sich stets eine Legende zurecht, die er problemlos durchhalten konnte. Für den KKK war er "Georg Schröder", ein alleinstehender Grafikdesigner aus der Nähe von Frankfurt. Zur Tarnung innerhalb der Neonazi-Szene trug er oft ein Foto mit sich, auf dem SS-Soldaten mit einem kleinen, blonden Jungen zu sehen sind. Das Kind sei er selbst - dahinter sein Vater, ein hoher SS-Führer, machte Kromschröder den Rechtsextremisten weis.
Ein US-Ritter für Europa: Sergeant Kachel hält seinen amerikanischen KKK-Ausweis in die Kamera. Der schmächtige Mann mit der Brille und dem Schnurrbart sollte als "European Organizer" die Clanstrukturen in Deutschland ausbauen.
"Bubenhaftes Spiel": Kapuzenmänner vor der Wasserburg in Bruch. Undercover-Reporter Kromschröder verstand sich als "alternativer Verfassungsschutz", der die Arbeit mache, die "die offiziellen Stellen versäumt haben." Bei allem Risiko habe ihm die verdeckte Recherche stets auch Spaß bereitet: Kromschröder bezeichnet sie rückblickend als "ein Kräftemessen, ein bubenhaftes Spiel". Der 1941 in Frankfurt geborene Reporter recherchierte, wie er sagt, "mit Besessenheit" im rechtsradikalen Milieu - was ihm eine Flut an Drohbriefen und Beschimpfungen einbrachte.