Fotostrecke Kapitalismus bei den Castros
Nur wenige Monate alt ist dieser Friseurladen in der Altstadt von Havanna. Friseure dürfen seit 2011 auf eigene Rechnung arbeiten. Nicht wenige Start-ups mussten jedoch wieder schließen - Unternehmensführung ist Neuland in Kuba.
Carlos Fernández-Aballí, 29, ist Professor für Ingenieurswissenschaften und verdient sich als Erfinder etwas dazu. Er hat eine Knoblauchpresse gebaut und verkauft nun dehydrierten Knoblauch. Die Presse zusammengebastelt hat er aus Bestandteilen, die auf Kuba erhältlich sind, etwa eine Fahrradkette und Plastikrohre. Während seines Ingenieursstudiums in England hatte sich der Diplomatensohn eigentlich auf Hightech konzentriert.
Dieses Wohnzimmer ist vor zwei Jahren zur Zoohandlung geworden. Manche der Fische kamen in Plastikbeuteln versteckt in Koffern nach Kuba. Die meisten Tiere wuchsen jedoch auf der Insel auf.
Angel Bueno Martínez war Oberstleutnant beim Militär, bis er mit 43 pensioniert wurde. Um seine Rente aufzustocken, betreibt er heute ein Stundenhotel. Umgerechnet etwa vier Euro kostet es, sich für drei Stunden ein Zimmer zu mieten. Hauptsächlich junge Paare, die keinen eigenen Rückzugsraum haben, würden zu ihm kommen, sagt Martínez.
Ganz neu ist der Job des Immobilienmaklers. Den gibt es legal erst seit 2014. Sein eigenes Haus weiterzuverkaufen ist auch erst seit 2011 erlaubt.
Auch Obst und Gemüse darf inzwischen weiterverkauft werden.
Die Schneiderin Estrella Huerta Muñoz verkauft ihre eigene Kollektion. Sie hat zusammen mit einer Freundin, Maura Nesto Díaz, eine Modefirma gegründet und sich auf qualitativ hochwertige Maßanfertigungen spezialisiert. Ihr Kundenstamm sind Diplomaten. Eigentlich ist Muñoz studierte Juristin.
Seit rund zwei Monaten ist dieses Wohnzimmer zum privaten Fitnessstudio mutiert. Verkauft werden Monatsabos.
Die typischste Form des Unternehmertums: Weiterverkauf - und wenn es nur mit wenigen Cent Gewinn ist. Der fahrende Bauchladen dieses Verkäufers ist zusammengebastelt aus Einkaufskörben und einem Kinderwagen.
Bis vor kurzem noch herrschte in diesem Foyer ein reger Betrieb der Kleidungshändler, die vor wenigen Jahren legalisiert wurden. Dann präzisierte die Regierung jedoch, dass ab 2014 nur kubanische Kleidung verkauft werden dürfe, nicht Importware. Infolge mussten Zehntausende ihren Handel wieder einstellen.
Schlange stehen bis das Fenster aufgeht und es Essen gibt: In diesem Geschäft werden Gerichte zu subventionierten Preisen verkauft. Manche decken sich hier ein und verkaufen die Ware danach mit Gewinn weiter. Legal ist das nicht. Doch um die täglichen Mahlzeiten zu sichern, müssen die meisten zusehen, wie sie sich zum Staatssalär etwas dazuverdienen.