Kult-Motorrad MZ - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kult-Motorrad MZ Abgesang auf die Honecker-Harley

Stirbt "Emme"? Wenn kein Wunder geschieht, ist es aus mit dem DDR-Kultmotorad MZ, ein Drama nicht nur für Ost-Biker wie Jürgen Lisse. Auch Westler kauften den Zweitakter aus Zschopau gerne - aus dem Neckermann-Katalog. Schon, weil man den Motor auch mit Klebstoff reparieren konnte.
1 / 33

Sexy Emme: Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das VEB Motorradwerk Zschopau die Motorrad-Produktion der DKW-Werke. Zwischen 1950 und 1990 rollten 2,5 Millionen Maschinen aus der Fabrik im Erzgebirge - ein Drittel davon wurde im Westen verkauft.

2 / 33

Ausflug ins Grüne: Schönes Wetter, eine hübsche Freundin und eine MZ - was wollte ein heranwachsender DDR-Bürger mehr?

3 / 33

Erfolgsprodukt aus dem Osten: Stolz präsentierte der Industrieverband Fahrzeugbau der DDR das VEB Motorradwerk Zschopau. Die im Erzgebirge gebauten Motorräder wurden sogar in Westdeutschland im Neckermann-Katalog verkauft.

4 / 33

Blitz auf zwei Rädern: Eine Probefahrt auf einer "RT-Classic" mit einem 125-Kubikzentimeter-Zweitaktmotor hat offenbar auch diese junge Frau überzeugt.

Foto: dpa
5 / 33

Austauschmonteure: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die produktion der DKW-Motorräder vom VEB Motorradwerk Zschopau übernommen. Das DDR-Werk gab sich gern international, im August 1964 hatten zehn schwedische Schüler die Gelegenheit, bei MZ ein sechswöchiges Deutschpraktikum zu machen und dabei auch die Produktion näher kennen zu lernen.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-C0803-0004-001

Foto: Das Bundesarchiv/Friedrich Gahlbeck
6 / 33

Die große MZ-Familie: Die auch "Emme" genannte MZ war in der DDR ein sehr beliebtes Motorrad. Auch Polizei und Volksarmee knatterten mit der "Honecker-Harley" über die Straßen.

7 / 33

Ein Motorrad für Gewinner: Die glücklichen Sieger der "Junge Welt"-Umfrage von 1967, Karin Janz, Roland Matthes und die MZ-Trophy-Mannschaft, wurden am 27. Januar 1968 im Zschopauer Motorradwerk als "Sportler des Jahres" ausgezeichnet.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-G0128-0018-001

Foto: Das Bundesarchiv/Wolfgang Thieme
8 / 33

DDR-Bürger über ihre MZ: Zuverlässig, sparsam, schnell und hübsch war die MZ - und wer mehr Platz wollte, konnte noch einen Seitenwagen anbauen. Viele Familien wurden so mobil - die "Emme" mit Seitenwagen war ein beliebter Ersatz, wenn der Trabi zu lange auf sich warten ließ.

9 / 33

Allroundtalent: Die Motorräder von MZ galten als extrem robust. Das machte vor allem die Geländemaschinen wie die MZ ES 300/G sehr beliebt bei Motocross-Fahrern. Zahlreiche Siege bei der Six-Days-Trophy unterstrichen diesen Anspruch.

10 / 33

In Lederol auf der MZ: Auch die DDR-Bürger wollten die große Freiheit auf der Landstraße kennen lernen. Zum Glück konnten sie dafür eines der Modelle aus dem VEB Motorradwerk Zschopau kaufen und damit in den Sonnenuntergang brausen.

11 / 33

Freiraum auf zwei Rädern: In der chronischen Mangelwirtschaft der DDR war das in der Nähe von Chemnitz produzierte Motorrad MZ, liebevoll "Emme" genannt, der Inbegriff von Freiheit. Wie auch für ihre Altersgenossen im Westen bedeutet ein Motorrad für Ost-Jugendliche ein großes Stück Unabhängigkeit.

12 / 33

Inbegriff technischen Fortschritts: Bereits 1920 gingen erste Fahrräder mit Hilfsmotor in der Fabrik in Zschopau in Serie. Bei der DKW arbeiten 1929 6000 Menschen, alle 78 Sekunden fährt hier ein Motorrad vom Band. Hier ein Modell RT 125 aus den vierziger Jahren.

13 / 33

Rad 'n' Roll: Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die alten Besitzer der Motorradfabrik in Zscholtau per Volksentscheid enteignet, von nun an produziert das VEB Motorradwerk Zschopau (MZ) die Zweiräder. Dieses Modell ist eine BK 350 aus den Fünfzigern.

14 / 33

Fürs Eiscafé: Eine mintgrüne MZ Modell ES 250 aus den fünfziger Jahren. Der Vorteil der Maschinen aus dem Zschopauer Werk war ihre Reparaturfreundlichkeit - wenn man denn Ersatzteile bekam.

15 / 33

Revolutionsrot: Eine MZ ETS 250 aus den sechziger Jahren. Die zeitlosen Zweitakt-Stinker wurden von Normalbürgern, genauso wie von Vopos und der Volksarmee gefahren - nur nicht in rot.

16 / 33

Postblitz: Schnell wie der Wind flatterte 1963 die Post vom MZ ins Haus und der Briefträger entkam darauf auch sicher jedem Hund.

17 / 33

Schicke Trophäe: Eine MZ Trophy von 1968. Waer damit die Freundin abholte, konnte sicher sein, dass sie überall hin mitkam.

18 / 33

In FDJ-Blau: Diese MZ TS 125 verließ das Werk in Zschopau in den Siebzigern. Die Motorrader dieser Zeit wirkten schon deutlich schnittiger als ihre Vorgänger-Modelle. Besonders die verlängerte Vordergabel gab der Maschine den "Honecker-Harley"-Look.

19 / 33

Eigeninitiative: Wer in den Siebzigern etwas mehr PS haben wollte, kaufte sich das Modell MZ TS 250 - und frisierte den Motor.

20 / 33

Für Querfeldein: Deutlich sportlicher als ihre Vorgängermodelle kam diese MZ ETZ 250 von 1982 daher. Das robuste Motorrad bewältigte auch jede mit Schlaglöchern übersäte Landstraße spielend.

21 / 33

Ganz in Weiß: Das Design war spätestens seit den Achtzigern nicht mehr die Paradedisziplin der Motorräder Marke MZ - wie diese MZ ETZ 150 von 1985 beweist. Dafür verstanden es die Entwicklungsingenieure perfekt, die Fahrwerke der "Emmen" abzustimmern.

22 / 33

Mit der MZ nach Gesamtdeutschland: Eines der letzten noch in der DDR gebauten Modelle, eine MZ ETZ 251 von 1988. Nach der Wende sank der Stern der Traditionsmarke deutlich. Heute steht das Werk vor dem Verkauf - Zukunft ungewiss.

23 / 33

MZ-Kult lebt wieder auf: Das MZ Motorrad von Ferdi Keuter junior. Als Schrott wurde dieses Gefährt für einige wenige Mark gekauft. Der Junior, mit gerade Mal 19 Jahren, nahm alles auseinander, Vater Ferdi brachte die Einzelteile zum Entrosten und spritzte die Maschinenteile in militärgrün. Gleichzeitig wurden Motor und Technik auf Vordermann gebracht. Am 15. September 1996 stand dann ein Prachtstück für eine erste Fahrt vor der Tür. Die ganze Familie war stolz auf soviel Können des Sohnes, der sich alles selber beigebracht hatte. Heute steht sie wieder "im Regen, aber sie ist ja jetzt verzinkt."

Foto: Ferdi Keuter
24 / 33

In die Jahre gekommene MZ: Nach der Restaurierung im Jahre 1996 ist jetzt wieder der Verfall angesagt. Vor sich hin rostend, steht die MZ auf dem Hof und wartet auf einen fairen Transport in eine trockene Halle. Wenn man ehrlich ist, fast zu schade.

Foto: Ferdi Keuter
25 / 33

Gewinner der World Trophy: Gewinner der "International Six Days" in den Jahren 1963, 1964, 1965, 1966, 1967 und 1969 - der Tankdeckel der MZ warb mit den Erfolgen bei dem Rennen.

Foto: Ferdi Keuter
26 / 33

Das Cockpit der MZ: Gewinnerzahlen und Firmenemblem einer MZ.

Foto: Ferdi Keuter
27 / 33

MZ-Generationen: Im Vordergrund Vater Klaus (50) auf MZ ETZ 250 (Baujahr 1982), dahinter Tochter Ve (17) auf MZ RT 125 (Baujahr 2001). Vater fährt MZ seit seiner Studentenzeit, damals war es eine TS, im Westen natürlich von Neckermann. Von Abgesang auf MZ kann hier keine Rede sein. Sollten im Erzgebirge keine neuen Motorräder mehr gebaut werden, dann werden die bestehenden zu Oldtimern und ewig weiter gepflegt und gefahren.

Foto: Klaus Mueller
28 / 33

Meine MZ: ... ist eine MZ TS 250/1

Foto: Jürgen Prein
29 / 33

Meine MZ: Vorderansicht meiner MZ TS 250/1.

Foto: Jürgen Prein
30 / 33

Meine MZ: Seitenansicht meiner MZ TS 250/1.

Foto: Jürgen Prein
31 / 33

MZ ETZ 250 am indischen Strand: 2008/2009 hat es die alte Emme bis nach Indien und in den Himalaja geschafft. Mehr Infos unter www.emmenreiter.de .

Foto: Susanne Hein
32 / 33

Mit der MZ ETZ 250 am Khunjerab-Pass: 2008 schafften es Susanne Hein und Michael Linke als erste Emmenreiter über die höchstgelegene Landesgrenze der Welt - den Khunjerab-Pass (4700 Meter) zwischen China und Pakistan.

Foto: Susanne Hein
33 / 33

Mit der MZ ETZ 250 auf dem Pamir-Highway: 2008 stehen die Emmenreiter Susanne Hein und Michael Linke auf der höchsten Herausforderung des Pamir-Highways in Tadschikistan - der Akbaitalpass mit 4655 Metern.

Foto: Susanne Hein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?