Kultobjekt Pez-Spender Im Bann der Zuckerspucker
Armee der Klappkopfkrieger: Waren die Pez-Spender bei ihrer Markteinführung 1949 noch ein Mittel zur Vermarktung des eigentlichen Produkts - der kleinen Pfefferminzbonbons in ihrem Inneren, so sind sie heute längst zum Kerngeschäft des aus Österreich stammenden Unternehmens geworden.
Daneben stellt die Ed. Haas GmbH jedoch auch noch immer Back- und Puddingpulver und Backmischungen her - und vermarktet zahlreiche Produkte wie Hustinetten, Fisherman's Friend oder Mentos.
Minzen haben lange Beine: Mit sexy Pin-up-Mädchen wurde vor allem in den fünfziger Jahren für die legendären Pfefferminzpastillen Pez geworben. Lange wurden die von Gerhard Brause gemalten "Pez-Girls" zum visuellen Markenzeichen des Unternehmens.
Die Macht aus Österreich: Besonderer Beliebtheit erfreuen sich unter dem Gros der Gelegenheitssammler die Pez-Figuren jüngerer Jahrgänge - wie diese "Star Wars"-Kollektion. Inzwischen werden die bunten, in Österreich erfundenen Spender in rund 90 Ländern der Welt verkauft. In keinem Land sind sie jedoch so populär wie in den USA.
Kinder an die Waffen: Erst wirtschaftliche Zwänge bewegten Eduard Haas dazu, sich mit seinen Pez-Bonbons auch an jüngere Käufer zu wenden. In den fünfziger Jahren versuchte er zunächst, diese unter anderem mit Pez-Spendern in Form futuristischer Science-Fiction-Waffen für sich zu gewinnen.
Sonderedition: Anlässlich der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton brachte die österreichische Pez-Produktionsstätte in Traun das königliche Brautpaar als Spenderfiguren-Unikate auf den Markt.
Die Spender wurden im Rahmen der Aktion "eBay for charity" für einen guten Zweck versteigert - die Firma Pez stiftete den Erlös der "Starlight Children's Foundation", einer Organisation, die sich darum bemüht, die Lebensbedingungen von Kindern mit chronischen, lebensbedrohlichen Erkrankungen zu verbessern.
Überfliegerbonbons: Eines der ersten Spendermodelle, die statt einer Figur mit ganzem Körper nur einen Kopf an der Spitze des Spenders aufwiesen, war der "Spaceman", der einen transparenten Astronautenhelm über seinem Kopf trug. Hier ist er zu sehen auf einer Reklame für Pez-Pastillen mit Schokoladengeschmack, ausgestellt im Pez-Museum im kalifornischen Burlingame.
Bonbons im Weltraum: Mittlerweile orientieren sich viele Produkte der Marke Pez überhaupt nicht mehr an der Zielgruppe der Kinder, sondern vor allem am Geschmack der erwachsenen Sammler - wie mit dieser "Star Trek"-Sammleredition.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Zahnarzt: Eine Werbestrategie des Pez-Erfinders Eduard Haas III. bestand darin, seine zunächst nur mit Pfefferminzgeschmack erhältlichen Zuckertabletten als Erkältungsprophylaxe anzubieten. Diese alte Reklame ist eines der Ausstellungsstücke im Pez-Museum im kalifornischen Burlingame.
Kopfgeldjäger: Scott McWhinnie, Vorsitzender von Pez Candy Co., präsentiert 1988 auf der 43. National Candy Wholesalers Assosiation Convention in Boston eine Auswahl an PEZ-Spendern. Der US-Zweig des Unternehmens entpuppte sich aufgrund der Pez-Sammelleidenschaft der Amerikaner als profitabelster Ableger - und operiert mittlerweile unabhängig von dem ursprünglichen Werk in Österreich.
Spendierfreudiger Kater: Die Fanbewegung der "Pez-Heads" in den USA ist so stark, dass in vielen amerikanischen Städten kleine Pez-Museen eröffnet wurden.
Ein Schmuckstück dieses 2003 eröffneten Museums in Easton, Pennsylvania ist diese Garfield-Kollektion.
Eat-Art: Selbst in der bildenden Kunst haben die österreichischen Bonbonspender mittlerweile ihren Platz gefunden. So entwarf etwa der Künstler Mauro Perucchetti einen lebensgroßen Pez-Spender mit dem Kopf des US-Präsidenten Barack Obama. Hier posiert Perucchetti neben seiner Skulptur, die er "Feeding the 5000" nannte. Sie wurde im Oktober 2010 in der Londoner Halcyon Gallery ausgestellt.
Begehrte Sammlerstücke: Diese Pez-Spender mit Elvis-Kopf wurden 2009 bei Leslie Hindman Auctioneers in Chicago meistbietend versteigert.
Ursprünglich war der Pez-Elvis im Jahr 1994 nur als einzelnes Requisit für den US-Spielfilm "Der Klient" gebaut worden. Doch die Fananfragen nach dem Einzelstück stiegen so stark an, dass das Unternehmen schließlich 2007 tatsächlich eine Kleinauflage des King of Rock'n'Roll herausbrachte - komplett mit Elvis-CD.
Hat seinen eigenen Kopf: "Richtig berühmt bist du erst, wenn es einen Pez-Spender von dir gibt", sagt ein amerikanisches Sprichwort.
Demnach hat Pez-Sammler Red Conroy es wohl geschafft: Hier posiert er auf der Süßwarenmesse Northeast Candy Collectors Expo im April 2012 in Stamford, Connecticut mit seinem Lieblings-Pez-Spender - mit seinem eigenen Gesicht.
Ein Freund von ihm hatte ihm dieses Modell einst selbst gebaut und zu Weihnachten geschenkt. Aber da Conroy, der in der US-Sammlerszene bekannt ist, bald von anderen Sammlern gefragt wurde, ob er ihnen auch einen solchen Spender besorgen könnte, fing er an, den Pez-Conroy in Serie herzustellen und zu verkaufen.
Nationalikone im Taschenformat: Selbst vor US-Heiligtümern wie Uncle Sam, hier rechts im Bild, macht die Pez-Kollektion nicht halt. Die Figur mit dem US-Zylinder kommt hier sogar besonders erleuchtet daher - denn in ihrem Hut befindet sich eine kleine Taschenlampe.
Der Herr der Zuckerstücke: Konzentrierte das Pez-Sortiment sich früher vor allem auf Comicfiguren, sind in den vergangenen Jahren auch immer mehr realistisch orientierte Figuren hinzugekommen, die echten Prominenten oder Schauspielern nachgebildet wurden - hier etwa eine Reihe von Figuren aus der Filmtrilogie "Der Herr der Ringe". Besonders schön: Die Größe der Hobbit-Spender wurde ihrer Körpergröße im Film angepasst.
Die gelobte Hand: Der Pez-Spender-Sammler John LaSpina aus Middletown, New Jersey, zeigt auf der Convention Pez-a-Mania in Independence, Ohio, eines seiner Lieblingsexemplare - die "psychedelische Hand" aus den sechziger Jahren. Sie ist eines der unter Sammlern begehrtesten, ehemals vergriffenen Modelle - und wurde daher in einer Sonderedition neu aufgelegt.
Die Anti-Durst-Tablette: Bevor Pez-Erfinder Eduard Haas III. auf die Idee mit den Klappkopfspendern kam, versuchte er auf viele verschiedene Weisen, seine kleinen Pfefferminzdragees an den Mann zu bringen. Eine frühe Werbekampagne bewarb sie etwa als eine Art Aufputschmittel für schlappe Wanderer.
Köpfchensammler unter sich: Die amerikanische Fangemeinschaft trifft sich regelmäßig auf diversen Fach- und Handelstagungen. Die älteste und größte dieser Veranstaltungen ist die seit 1991 jährlich in Independence, Ohio abgehaltene Pez-a-Mania.
Hier sieht sich der Sammler Dave Schmidt im Jahr 2000 auf der Messe am Stand der Österreicherin Sylvia Biermayr um. Die Convention zieht Sammler aus der ganzen Welt an.
Bonbon für harte Kerle: Die ersten lebenden Menschen, die je als Pez-Spender veröffentlicht wurden, waren nicht Michael Jackson, Madonna oder Elvis, sondern drei Motorradfahrer - die Mitglieder der Familie Teutul, die in den USA durch die US-Fernsehserie "American Chopper" berühmt wurden. Im Jahr 2006 erschienen die Pez-Versionen von Paul Jr., Paul Sr. und Mikey Teutul in einer Auflage von 300.000 Stück - und waren fast augenblicklich ausverkauft.
Ein Hauch Luxus: Am liebsten hätte Eduard Haas III. sein Produkt als Lifestyle-Konfekt im Luxussegment gesehen - wie diese alte Pez-Werbung verrät. Doch seinen größten Erfolg sollte die Marke durch eine ganz andere Zielgruppe feiern.
Helden der Kaudragees: Im Jahr 1980 gab Marvel Comics seine Superhelden als Pez-Spender heraus. Links: Hulk, Captain America und Spiderman, rechts: Batman, Wonder Woman und der Joker. Beliebt sind diese klassischen Spender vor allem bei Erwachsenen. US-Sammler Peter Linski erklärt den Grund für diese Faszination so: "Es geht darum, einen Teil deiner Kindheit nicht verlieren zu wollen."
Kopf oder Körper? Bevor die Pez-Spender ihre heutige Form - eine lange Box mit einem aufgesteckten Kopf - erhielten, probierte Eduard Haas III. verschiedene andere Formen aus - etwa den hier abgebildeten "Space Tropper" (dritter von rechts) aus dem Jahr 1955. Auch wenn diese Spender bei Kindern beliebt waren - ihre Fertigungskosten waren vergleichsweise hoch.
Beim Teutates! 1998 kamen die Figuren aus "Asterix" als neu aufgelegte Pez-Spenderserie auf den Markt. Bereits in den siebziger Jahren waren die französischen Comichelden einmal als Pez-Serie erschienen - diese seltene Originalauflage sollte später unter Sammlern Rekordpreise erzielen.
Das Runde muss aufs Eckige: Das Kerngeschäft der Marke Pez findet seit Jahrzehnten in den USA statt. Viele Pez-Spendermodelle werden ganz bewusst nur auf diesen Markt zugeschnitten - wie etwa diese Pez-Spender in Baseballform mit den Logos amerikanischer Baseballteams.
Süße Köpfe aus Entenhausen: 1962 schloss Pez-Erfinder Eduard Haas III. seinen ersten Lizenzvertrag mit Walt Disney ab, der es ihm erlaubte, Köpfe berühmter Disney-Charaktere auf seine Zuckerspender zu setzen. Seither hat das österreichische Unternehmen über 35 Lizenzverträge für Köpfe von Comicfiguren mit Unternehmen rund um die Welt abgeschlossen.
Gib dem Affen Feuer: Ende der vierziger Jahre entwickelte Pez-Mitarbeiter Oskar Uxa das Urmodell des Pez-Spenders. Ein klappbarer Kopf war auf der Box damals noch nicht vorhanden - sie ahmte in Form und Funktionsweise ein Feuerzeug nach.
In diesem Pez-Museum im kalifornischen Burlingame sind - vorne rechts im Bild - einige dieser frühen Feuerzeug-Spender ausgestellt.
Von Snoopy bis Barbie: Hunderte verschiedene Modelle der Zuckerspender wurden in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht - von normalen Pez-Spendern über Spender mit Plüschbezug, bis hin zu Riesen-Spendern wie diesen Modellen, die eine Ausstellung im Pez-Museum der kalifornischen Stadt Burlingame zeigt. Wurden die Spender zu Beginn der Firmengeschichte noch in Österreich gefertigt, so stammen sie heute zu 90 Prozent aus China.