Kultschuhe - DER SPIEGEL
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Kultschuhe Showdown mit Sandale

Ja, sie sind hässlich - doch reicht das schon zum Kult? Die Plastiksandalen der US-Firma Croc verkaufen sich wie blöde. Aber was macht einen Schuh zum echten Trendtreter? SPIEGEL ONLINE zeigt die legendärsten Latschen der letzen vierzig Jahre - und verrät, wer sie heute noch trägt. Von Michail Hengstenberg
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Crocs: Das Märchen vom Welterfolg geht so - Auf einem Segeltrip in der Karibik bastelten sich angeblich drei Schulfreunde den perfekten Segelschuh. Zurück an Land präsentierten sie 2002 das Modell "Beach" und verkauften innerhalb von drei Tagen rund tausend Paar. Tatsächlich hatten die drei Tüftler lediglich den "Aquaclog" der kanadischen Kunststofffirma Foam Creations, die sonst Toilettensitze herstellt, um einen Fersenriemen ergänzt. Den Leuten war's egal, sie kauften die Botten wie blöde. 2004 übernahm Crocs Inc. die Firma Foam Creations kurzerhand und verkauft seitdem die Plastiksandale wie geschnitten Brot.

Wer trägt sie heute? Vermutlich bald niemand mehr. Die Zeitschrift "Öko-Test" will gesundheitsgefährdende Substanzen in den Glamour-Galoschen gefunden haben. In österreichischen Krankenhäusern sollen die Schuhe verboten worden sein, weil sie ihren Träger elektrostatisch aufladen könnten.

Foto: AFP
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Birkenstock: Fast zweihundert Jahre lang produzierte die Firma Birkenstock friedlich Sandalen vor sich hin, dann kamen Ende der Sechziger die Hippies, Ökos und die Linken, vereinnahmten den Schuh für sich und verklärten ihn zum Ausdruck einer Lebenseinstellung. Seitdem sind Birkenstocks der Aushängeschuh für Anhänger der alternativen Szene.

Wer trägt sie heute? Für manch einen zu viele. Inzwischen wollen selbst neureiche Hollywoodgrößen mit Weltverbesserungsambitionen ihrer entspannten Geisteshaltung mit der Korkklamotte Ausdruck verleihen. Und die McDonalds-Werbe-Ikone Heidi Klum darf für Birkenstock eine High-Profile Luxus-Linie designen. Da wenden sich die Fans von früher natürlich angewidert ab und kompostieren ihre ehemaligen Lieblingslatschen. 

Foto: Birkenstock
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Doc Martens: Die ursprünglich vom deutschen Dr. Klaus Maertens im verschlafenen bayerischen Dorf Seeshaupt erfundenen Arbeitsschuhe mussten erst nach England exportiert werden - dann wurden sie zum Hit. Die Skinheads entdeckten sie, ihnen folgten die Punks, Waver, Goths, Anarchos. Alles was entweder lange Haare hatte oder lange schlief, trug am Fuß die inzwischen zu "Doc Martens" umbenannten Treter - mal mit, mal ohne Stahlkappe.

Wer trägt sie heute? Im Prinzip die gleichen Leute wie in den letzen 40 Jahren. Plus: Ein paar Fashion-Victims, die in die inzwischen zahlreichen kunterbunten Neuauflagen des Klassikers schlüpfen. Ab und zu sieht man auch junge Büroangestellte im schlecht sitzenden Anzug, die sich mit dem dezenten drei-Loch-Martens ein kleines bisschen Revolution erhalten möchten.

Foto: Doc Martens
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Docksiders: Die ledernen Segelschuhe mit den charakteristischen Bändseln waren in den achtziger Jahren nicht nur auf Yachten, sondern vor allem in Deutschlands Wohlstandsvierteln weit verbreitet. Dazu die Fiorucci-Jeans, gerne in weiß und die Barbourjacke - fertig war die Popper-Uniform.

Wer trägt sie heute? Die gleichen Leute wie früher - nur dass sie jetzt 25 Jahre älter sind. Die Barbour-Jacke ist auch immer noch dabei. Nur die weiße Fiorucci-Jeans wurde irgendwann mal durch Replay-Stoffhosen in beige ersetzt.

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Moonboots: Die von einem findigen Italiener geschaffenen Puschen waren eine Liebeserklärung an den Space-Wahn der Siebziger. Obwohl nicht besonders warm, waren die Moonboots ein paar Winter der absolute Renner - gerieten dann aber schnell zur Modesünde. Nur noch die leichten Mädels auf der Reeperbahn nachts um halb eins waren im Winter garantierte Abnehmer. Im Zuge der allgemeinen Retro-Welle wurden selbstverständlich auch die Moonboots Anfang des neuen Jahrtausends noch einmal bemüht.

Wer trägt sie heute? Seit neuestem wieder Fashion-Victims in Berliner Trendbezirken. Und bei den Leichten Mädels von der Reeperbahn sind sie im Winter immer noch erste Wahl - die haben quasi durchgetragen.

Foto: Moon Boot
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Clarks Wallabees: Die Schuhe der britischen Firma Clarks hatten lange Zeit den Rock'n'Roll-Faktor einer Eins in der Mathe-Klausur. Clarks wurden nur von Rentnern getragen oder von Jugendlichen, die geistig schon verrentet waren. Dann huldigten die Wu-Tang-Rapper Method Man und Ghostface Killah dem Clarks Wallabee - seitdem sind Clarks hipp.

Wer trägt sie heute Werber, Journalisten, Agentur-Fuzzis.

Foto: Clarks
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Caterpillars: Die vom Baumaschinenhersteller Caterpillar produzierten Arbeitsschuhe waren Anfang, Mitte der Neunziger der letzte Schrei. Popper (oder was zehn Jahre früher Popper gewesen wären) trugen sie in beige zur eng geschnittenen Levis 501 und Barbour-Jacke, Heavy-Metal-Fans (und davon gab es zu der Zeit einige) bevorzugten das schwarze Modell in Kombination mit zerschlissenen Bundeswehrhosen.

Wer trägt sie heute US-Rapper und Türsteher.

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Espadrilles: Seit etlichen Jahrhunderten das bevorzugte Sommerschuhwerk der Katalanen, wurden die Espadrilles, oft fälschlicherweise auch "Espandrillos" genannt, Anfang der Achtziger von Hundertschaften heimkehrender Rainbow-Tours-Touristen nach Deutschland importiert. Hier starben sie dann einen schnellen Tod - die Sohlen aus Naturfasern fangen bei Feuchtigkeit an, zu schimmeln.

Wer trägt sie heute? Die Katalanen.

Foto: Espandrillo
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Mephisto: "Der bequemste Schuh der Welt!" Von der Mephisto-Philosophie ließen sich lange Zeit nur Menschen ohne nennenswertes Modebewusstsein beeindrucken. Helmut Kohl zum Beispiel, Luciano Pavarotti auch. Außerdem Latein-Lehrer und vor allem Rentner.

Wer trägt sie heute? Das klassische Modell "Rainbow" steht nach wie vor bei Senioren hoch im Kurs. Zu den Kunden der von Mephisto inzwischen kreierten fashionableren Produktlinien für das Ausland gehören Tom Cruise genauso wie Janet Jackson.

Foto: Mephisto
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UGG-Boots: Eigentlich ein traditioneller australischer Schuh aus Schaffell, wurden die UGG-Boots (manchmal auch UGH-Boots oder UG-Boots genannt), Anfang der siebziger Jahre zum ersten Mal zu so etwas wie einem Modephänomen: An den Stränden Australiens wärmten sich Surfer damit außerhalb des Wassers die Füße. Von da war es nicht mehr weit bis nach Hollywood, wo unter anderem Pamela Anderson (vor ihrem Tierschutzwahn) in den pelzigen Puschen gesichtet wurde.

Wer trägt sie heute? Gutaussehende Großstadtmädchen zum Minirock. Toll!

Foto: UGG-Boots
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Berkemann: Die Firma Berkemann produziert seit über hundert Jahren parallel "orthopädische Hilfsmittel" und Schuhe. Und so sehen die Treter auch aus. 1950 kam mit der "Fußgymnastik-Sandale" aus unerklärlichen Gründen der Durchbruch für den Mischkonzern, die Latschen mit Holzsohle waren fortan der Hit in allen Arztpraxen.

Wer trägt sie heute? 2003 führte Berkemann mit der "Berkilette" eine modernisierte Version ihres Klassikers ein, die sich seitdem erstaunlich oft an den Füßen junger Damen befindet - auch bei Nicht-Krankengymnastinnen.

Foto: Berkemann
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Clogs: Die fälschlicherweise den Holländern zugeschriebenen Schuhe (aus Holland kommen nur Vollholzschuhe, Clogs stammen aus England) erlebten ihren Boom Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre.

Wer trägt sie heute Genau wie vor 30 Jahren - jeder. Die einfachen Modelle gibt's beim Schuh-Discounter für ein paar Euro, aber man kann auch mühelos ein paar hundert Euro für Designer-Clogs loswerden.

Foto: Berkemann
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Roots: Ein Schuh, bei dem die Ferse im Vergleich zum Zehballen viel tiefer sitzt und das Fußbett in einem sanften Bogen nach vorne ansteigt, "um eine natürliche Abrollbewegung zu imitieren", wie der Hersteller verspricht? Hört sich anstrengend vernünftig an und sieht auch so aus. Was vor allem in den Achtzigern viele Alternative nicht davon abhielt, in den klobigen Tretern aufzulaufen.

Wer trägt sie heute? Die gleichen Leute wie vor 25 Jahren - Anhänger der Öko-Avantgarde, die sich mit dem Mainstream-Image von Birkenstock spätestens seit der Präsentation der Heidi-Klum-Modelle ganz und gar nicht mehr identifizieren können.

Foto: Roots Canada Ltd.
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Converse All Star: Er wollte nur einen Turnschuh, und schuf ein Phänomen. Vor einhundert Jahren erfand Marquis Converse seinen Converse Allstar Basketballschuh, besser bekannt als Converse "Chuck". Und obwohl die simple Leinenlatsche schon seit mindestens siebzig Jahren technisch überholt ist, läuft sie immer weiter. Lange Zeit bevorzugt an den Füßen von Menschen mit Hang zu Outlaw-Attitüde, also Rockstars. Kurt Cobain soll bei seinem Schrotflintenselbstmord Chucks getragen haben.

Wer trägt sie heute? Musiker, Schüler, Schauspieler, Beamte, Kinder, kurz: jeder. Wer einen Schuh sucht, der auch Statement ist, liegt mit Chucks schon lange falsch.

Foto: Converse
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Plateauschuh für Papageno: Im Prinzip gibt es Plateauschuhe schon seit fast 500 Jahren. Doch ihren Durchbruch schafften sie in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts. Wer was auf sich hielt, steppte in turmhohen Tretern zum Disco-Beat. Anfang dieses Jahrtausends kam das Plateauprinzip mit den Buffalos dann noch mal zu einem kurzen und extrem peinlichen Revival, dass vermutlich alle, die sich damals ein Paar gekauft haben, am liebsten ganz schnell wieder vergessen würden.

Wer trägt sie heute? Besucher von Schlager- und Mottopartys.

Foto: Edition Braus
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Adidas Samba: Der Indoor-Fussballschuh ist ein absoluter Turnschuhklassiker. Anders als viele Sneaker, die erst im Zuge der verschiedenen Retrowellen neu aufgelegt wurden, produziert Adidas den Samba in verschiedenen Versionen schon seit 1950. Trainings- oder Turnhose und ein paar Sambas - so sah das Freizeitoutfit ganzer Generationen aus.

Wer trägt sie heute? Schüler, Studenten, Freizeitbolzer - und alle, die auch nach der Turnschuhalterobergrenze einen dezenten Freizeit-Sneaker tragen wollen.

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Jesuslatschen: Friede, Freude, Jesuslatschen. Für damals sogenannte "Alternative" waren die minimalistischen Sandalen aus extrahartem Leder das Schuhwerk der Wahl zu selbstgestricktem Ringelpulli und abgeschnittenen Jeans. Wer sich als Hardcore-Öko profilieren wollte, schlurfte damit wie der Heiland auch im Winter herum. Als Jesuslatschen wurde nicht nur ein spezifisches Modell bezeichnet, der Begriff kennzeichnete vielmehr einen Typus von besonders unmodischen Sandalen. Das abgebildete Modell ist das klassische DDR-Modell, an dem man mit hoher Sicherheit auch mit Westjeans getarnte Ostbürger als solche erkennen konnte.

Wer trägt sie heute? Im Westen: Ökobauern im Mallorca-Urlaub. Im Osten: Gealterte Bürgerrechtler

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Flip-Flops : Die bunten Schaumstoffsandalen erleben seit der Jahrtausendwende ein furioses Comeback. Anfang der siebziger Jahre waren sie Urlaubern als "Go-aheads" wohlbekannt, damals nur in den Farben Rot, Blau, Grün oder gelb, manchmal mit einer weißen Schaumstoffschicht oben drauf. Das charakteristische Geräusch ("schlupp, schlupp, schlupp") war für Flip-Flops ebenso typisch wie die regelmäßigen kleinen Unfälle: Wenn man seine Füße nicht ausreichend anhob, knickte der vordere Teil der Sohle um und der Nupsi, mit dem die Schlaufen für den Fuß in der Sohle befestigt war, sprang heraus. Wenn dabei kein Riss in dem billigen Material entstanden war, konnte man den Pinökel mühelos wieder einstöpseln - aber oft erlitten die Go-aheads auch schon beim ersten Tragen Totalschaden. Heute machen neue Materialien Flip-Flops stabiler und zur universellen Sommer-Footwear in unendlichen Variationen - von No-Name bis Edelmarke.

Wer trägt sie heute? Weniger Leute, als man glaubt. Denn echt sind Flip-Flops nur aus 100 Prozent Plastik.

Foto: dpa
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Adiletten: In jeder Umkleidekabine und auf jedem deutschen Campingplatz sind die Gummi-Badelatschen mit den drei Streifen zu finden. Am liebsten kombiniert mit weißen Tennissocken, Trainingshose und Unterhemd sind sie der Inbegriff des deutschen Spießertums. In den dunklen Jahren, als Jesuslatschen schon out waren und Flip-Flops den Weltmarkt eroberten, genoss diese urdeutsche Kreation als praktische Sommersandale auch auf Straßen und Plätzen Popularität.

Wer trägt sie heute? Spießer, Camper Fußballer und verirrte Retro-Fans. Und auch Milliardäre sind sich nicht zu schade zu den Spießerschlappen zu greifen, wie unlängst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bewies.

Foto: ? Kimberly White / Reuters
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10 Jahre benutzt : So sehen Sandalen nach zehnjähriger Nutzung aus.

Foto: Ulrich Voigt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?