Vom Informatiker zum Silberschmied Ganz schön zugeknöpft
Neue Heimat: Software-Entwickler Kai Zaunick verliebte sich vor acht Jahren während des Urlaubs in Peru erst in das Land, dann in eine Frau - und in eine Geschäftsidee. Er zog eine Manufaktur für Manschettenknöpfe auf. Mittlerweile spricht er fließend Spanisch, ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn, der zweisprachig aufwächst. mehr...
Chaotisch und bunt: Auffällige Farben sind in Lima obligatorisch. Die Hauptstadt Perus wächst unaufhaltsam. Wer genug Geld gespart hat, setzt auf sein Flachdach einfach eine weitere Etage. Die Familie von Kai Zaunicks Frau kommt aus Lima und hat ihn sehr herzlich aufgenommen. Nur mit Meerschweinchen als Festtagsbraten konnte er sich bislang nicht anfreunden.
Sonnenuntergang über Barranco: Das Künstler- und Ausgehviertel von Lima bietet deutlich mehr Ruhe als die hektische Innenstadt. Zum nahen Strand zieht es die wenigsten, denn der ist nur ein schmaler Kiesstreifen neben einer vierspurigen Straße.
Totenkopf fürs Handgelenk: Die ungewöhnlichen Manschettenknöpfe aus Silber verkauft Kai Zaunick übers Internet und über einige Läden in der Schweiz und Taiwan. Vor allem Amerikaner lieben den Schmuck für die Hemdsärmel. Dort ist es üblich, dass der Bräutigam seinem Trauzeugen Manschettenknöpfe schenkt.
Überlebenskünstler: An Straßenkreuzungen in Lima treten häufig Künstler auf, um die wartenden Autofahrer zu unterhalten. Mit den Trinkgeldern kommen diese Tänzer auf ein Einkommen von rund zehn Dollar am Tag.
Lehrstunde: Zehn Angestellte hat Zaunick mittlerweile. "Für Silberschmiede ist es in Peru nicht leicht, einen guten Job zu bekommen", sagt er. Bei ihm sind sie krankenversichert und bekommen bezahlten Urlaub.
Kinderarbeit: Das Deutsche Rote Kreuz schätzt, dass allein in Lima mehr als 20.000 Kinder auf der Straße leben und arbeiten. Dieser Zwölfjährige schuftet in einer Ziegelwerkstatt.
Ganz schön heiß: Kai Zaunick greift auch gerne selbst zur Zange. Er sieht die Arbeit als Silberschmied als Ausgleich zu seiner Arbeit als Informatiker. In den ersten Jahren in Lima hat er einen Großteil seiner Zeit mit der Softwareentwicklung für deutsche Kunden verbracht, mittlerweile verbringt er mehr Zeit in der Schmuckwerkstatt als vor dem PC.
Der Löwenanteil von Zaunicks Knöpfen geht ins Ausland. Denn die Peruaner können mit den Männerhemden-Accessoires nur wenig anfangen.
Herr der Wunder: Einmal im Jahr wird in Lima einem historischen Wandbild gehuldigt, dem "Señor de los Milagros" (Der Herr der Wunder). Das Bild zeigt einen gekreuzigten Christus. Die Wand, auf die es gemalt wurde, überstand im 17. Jahrhundert als einziges Gemäuer ein schweres Erdbeben.
Wütende Proteste: Vor wenigen Wochen sorgten diese Bilder aus Lima für Schlagzeilen. Die Stadtverwaltung wollte den Markt La Parada umsiedeln und versperrte die Zufahrt zum Großmarkt mit Betonblöcken. Daraufhin kam es zu Ausschreitungen. Zwei Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.