Lebenswege - DER SPIEGEL
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Lebenswege Harte Beats und dicke Bücher

Swing-Kid unterm Hakenkreuz, Sowjet-Häftling in Sachsenhausen, Exilant im eigenen Land: Kein Wunder, dass die Autobiographie von Giwi Margwelaschwili sechs Bände umfasst. Heute wird der georgischstämmige Schriftsteller und Philosoph mit dem deutschen Pass 80 Jahre alt. Von Katja Iken
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Das reisende Klassenzimmer: Wegen Luftangriffen wurde die Schulklasse von Giwi (Foto links) vom Frühjahr bis Herbst 1944 in das Schülerverschickungslager Jaroschin (damals Posen, heute Polen) verlegt.

Foto: Giwi Margwelaschwili
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Elternhaus: Hier, in diesem Haus in der Güntzelstraße in Berlin-Wilmersdorf, wuchs Giwi Margwelaschwili auf. 1990 kehrte er an den Ort zurück, von dem ihn der sowjetische Geheimdienst 1946 weggelockt hatte - und fand das elterliche Wohnhaus wieder.

Foto: gezett.de
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Swing-Kid: Besonders politisiert waren der junge Giwi (hier mit 14 Jahren in Berlin) und seine Freunde nicht. Mit am unterträglichsten fanden sie an den Nazis deren Marschmusik - der sie ihren Swing entgegenschmetterten.

Foto: Giwi Margwelaschwili
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Gegner der Sowjetisierung: Giwis Vater, Tite Margwelaschwili, emigrierte mit seiner Familie 1921 von Georgien nach Berlin, um der Zwangssowjetisierung seines Heimatlandes zu entgehen. 1946 spürte ihn der sowjetische Geheimdienst auf, entführte Vater und Sohn und erschoss Tite.

Foto: Giwi Margwelaschwili
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Ausgezeichnet: 1994 bekam Giwi Margwelaschwili auf Betreiben des Bundespräsidenten Roman Herzog die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen; zudem erhielt der Schriftsteller ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten.

Foto: Ekke Maaß
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Freunde fürs Leben: 1967 traf Margwelaschwili den Liedermacher Wolf Biermann in Berlin. Daraufhin bekam er in Georgien Ausreiseverbot. Erst Ende der 80er durfte der Schriftsteller wieder in den Westen reisen. Mit Wolf Biermann ist er bis heute befreundet.

Foto: Ekke Maaß
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Unermüdlicher Einsatz: 1983 begegneten sich Giwi Margwelaschwili und der Ostberliner Publizist Ekkehard Maaß erstmals in Tbilissi. Seither engagiert sich Maaß tatkräftig für den georgischstämmigen Schriftsteller: Er machte ihn bekannt mit anderen Autoren, bemühte sich um Verlage und setzte sich für die Einbürgerung des Freundes ein.

Foto: Ekke Maaß
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Lachen gegen die Verzweiflung: "Ohne Humor geht es nicht", sagt Margwelaschwili, hier als junger Mann 1965 in Tbilissi. Er ist seine Waffe gegen Denkverbote und Unfreiheiten aller Art - und macht bis heute den Charme des Schriftstellers aus.

Foto: Ekke Maaß
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Verliebt, verlobt, verheiratet: 1970 gaben sich Giwi Margwelaschwili und die Germanistin Naira Gelaschwili das Ja-Wort. Gemeinsam haben sie eine Tochter, Anna, die in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten ist und auch Germanistin wurde. Die Ehe zerbrach 1980 - "Die Buchpersonen haben uns auseinandergebracht", sagt Margwelaschwili heute.

Foto: Ekke Maaß
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"Ein Geschlenker": Die neue Art zu tanzen folgte, so Giwi Margwelaschwili, keinen Regeln mehr", war ein fröhliches "Geschlenker", frei von Zwängen und Konventionen.

Foto: AP
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Wasser in den Beinen: Im Frühling 1946 wurde Margwelaschwili in das Konzentrationslager Sachsenhausen gesperrt, zusammen mit Tausenden anderen Regimegegnern der Sowjets. Eineinhalb Jahre später, als er vor Unterernährung schon Wasser in den Beinen hatte, verschleppte ihn der sowjetische Geheimdienst nach Georgien, wo er bei seiner Tante unterkommen sollte.

Foto: dpa
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Unerwünschte Klänge: Als "entartete Musik" (hier die Umschlagzeichnung einer Propagandabroschüre von 1938) bezeichneten die Nationalsozialisten die Jazz- und Swingmusik. Seit Anfang der 40er Jahre verfolgten die Nazis die Swing-Kids mit zunehmender Brutalität.

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Goldene Zwanziger: In den "Goldenen Zwanzigern" (hier eine Konzertankündigung) herrschte nicht nur musikalisch große Toleranz. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten galten Jazz und Swing jedoch als "Kulturbazillus" und "Unmusik", seine Fans wurden erbarmungslos verfolgt.

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Der Wortspieler: Giwi Margwelaschwili (hier kurz vor seinem Geburtstag in seiner Wohnung) schreibt vom Morgengrauen bis in die tiefe Nacht hinein, unablässig, mit all seiner verbliebenen Kraft. Seine nicht gerade einfach zu lesende, dafür aber hochspannende und originelle Literatur zeichnet sich vor allem durch Wortspiele sowie die Interaktionen von Personen verschiedener Handlungsebenen aus.

Foto: Katja Iken
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?