Zum Tod Lee Iacoccas Ein Leben in Autos
Dieses Auto ist untrennbar mit Lee Iacocca verbunden: der Ford Mustang. Iacocca setzte das Projekt, das letztendlich zu einem riesigen Erfolg wurde, als Markenchef im Konzern durch.
Der Mustang verkaufte sich im ersten Jahr bereits mehr als 300.000 mal und schuf die neue Klasse der "Pony Cars": Lange Haube, kurzes Heck und vergleichsweise viel Leistung für wenig Geld.
Den Mustang gab es in unzähligen Varianten, das Spitzenmodell war damals der 275 PS starke Shelby GT 350.
Lido Anthony, genannt "Lee", Iacocca belebte in seiner Zeit bei Ford auch Mercury wieder - mit dem Rezept des Mustang. 1967 bekam die Marke mit dem Cougar ein eigenes Pony Car, das jedoch etwas luxuriöser ausgestattet war.
Mit dem Ford Escort wurde auch eine europäische Ikone der Marke unter der Ägide Iacoccas entwickelt. Vor allem in Großbritannien war der Wagen beliebt, bis 2004 wurden der Wagen dort mehr als vier Millionen Mal verkauft.
Der Ford Pinto sollte die Erfolge des Escort in den USA wiederholen - und wurde zu Iacoccas größtem Fehlschlag. Mit dem Wagen wollte Ford den Erfolg kleiner japanischer Importautos in den USA kontern. Der in kurzer Zeit entwickelte Wagen hatte jedoch eine Schwachstelle: Bei einem Heckaufprall geriet er durch austretendes Benzin schnell in Brand - und wurde so zum PR-Desaster für den Konzern.
1978 wurde Iacocca (hier im Bild mit Tochter Kathi) von Ford entlassen und wechselte zum Konkurrenten Chrysler, der kurz vor der Pleite stand. Mit den sogenannten K-Cars wie dem Plymouth Reliant wollte Iacocca Chrysler retten. Vierzylindermotoren machten die Fronttriebler sparsam, durch die gemeinsame K-Plattform und viele Gleichteile waren Entwicklung und Produktion der Modelle günstig. Dieses Konzept traf den Geschmack der Kunden während der US-Wirtschaftskrise in den frühen Achtzigerjahren und retteten den Konzern vor dem Konkurs.
Auf der extrem flexiblen K-Plattform stand auch Iacoccas größter Erfolg bei Chrysler: Der Plymouth Voyager. Die Idee für diesen Kleinbus brachte Iacocca von Ford mit, dort war das Konzept jedoch am Widerstand von Henry Ford II gescheitert. Ab 1984 wurde der Voyager, der auch als Dodge Caravan erhältlich war, verkauft und schuf das Segment der Minivans in den USA.
Zuerst als Chrysler, später als Lancia Voyager schaffte es das Modell auch nach Europa.
1987 wagte sich Chrysler unter Iacoccas Führung ins Luxussegment vor und kaufte Lamborghini. Dieses Abenteuer war zwar nur von kurzer Dauer und 1994 bereits wieder beendet, allerdings entstand in dieser Zeit mit dem Lamborghini Diablo einer der radikalsten Sportwagen der Neunzigerjahre, den Iacocca 1991 stolz präsentierte.
1992 endete Iacoccas Ära bei Chrysler - zum Schluss verschaffte der Manager den US-amerikanischen Sportwagenfans jedoch noch eine neue Ikone: die Dodge Viper.
Nicht nur das Design der Viper war radikal: Unter der Haube des klassisch gezeichneten Sportwagens steckt ein 410 PS starker 8-Liter-Zehnzylinder, der jedoch beherrscht werden muss. Denn Fahrhilfen wie ESP oder ABS sucht man im Wagen vergeblich.
Nach dem Ende seiner Karriere in der Autoindustrie wandte sich Iacocca einem anderen Geschäftsfeld zu: E-Bikes. Er war an der Gründung von EV Global beteiligt, das elektrifizierte Fahrräder unter der Marke eBike verkaufte. Die waren jedoch langsam, schwer und ihrer Zeit offenbar zu weit voraus, 2004 stellte die Firma den Betrieb ein.
So bleibt Lee Iacocca vor allem als Retter Chryslers in Erinnerung - und wird von seiner bekanntesten Schöpfung, dem Ford Mustang, überlebt.