Legendäre Konzerte - DER SPIEGEL
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Dylans Deutschlandtour 1978 Straßenkleidung statt Luxus im Salonwagen

Er war der Hohepriester der 68er: Folklegende Bob Dylan lieferte den Soundtrack des Protests für eine ganze Generation. 1978 trat der Songwriter erstmals in Deutschland auf - und schockierte seine Fans. Rückblick auf einen Meilenstein der Musikgeschichte mit unveröffentlichten Konzertfotos.
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Mit Hut und Gitarre: Bob Dylan auf seinem Album "Nashville Skyline" aus dem Jahre 1969. Als er im Sommer 1978 nach Deutschland kam, erwarteten viele deutsche Fans wohl noch den Dylan der sechziger Jahre - doch statt Protestliedern und Gitarre präsentierte dieser eine durchchoreografierte Show und Bigband-Sound.

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Verliebte Kollegen: Der US-amerikanische Rock- und Folksänger Bob Dylan am 27. April 1965 mit Singer-Songwriterin Joan Baez in den Embarkment Gardens in London. Dylan hatte im August 1963 seine erste große Tournee durch die USA als Gastsänger von Joan Baez gestartet, mit der er kurz darauf auch eine Liebesbeziehung einging.

Foto: Getty Images
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Live in Concert: Zum Tourneeauftakt Bob Dylans in Dortmund am 26. Juni 1978 berichtete das Fernsehen damals knapp: "Der Künstler verblüfft das deutsche Publikum. Dylan präsentiert seine Musik in völlig neuem Bigband-Gewand. Er selbst kleidet sich wie ein Entertainer aus Las Vegas."
Diese undatierte Aufnahme zeigt Bob Dylan bei einer Show neueren Datums in den USA - ganz ohne aufwändige Bühnengewänder.

Foto: AP
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Berühmter Fan: Im Publikum des Bob-Dylan-Konzerts in der Dortmunder Westfalenhalle im Juni 1978 saß auch Günther Netzer (v.l.).

Foto: Johannes Erasmus
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Programm: Ein Ausriss aus dem Programmheft der Deutschland-Tournee von Bob Dylan 1978.

Foto: Johannes Erasmus
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"The Freewheelin' Bob Dylan": Das zweite Album des Rock- und Folkmusikers (1963) enthielt bis auf zwei Lieder ausschließlich Eigenkompositionen Bob Dylans - unter anderem "Blowin' in the Wind", welches sein meist gespielter Song werden sollte.

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Entertainment statt Protest: Im Juni 1978, zehn Jahre nach "68" trat Bob Dylan endlich in Deutschland auf. Das Publikum hatte offenbar eigene Sehnsüchte und Enttäuschungen auf das lange erwartet Erscheinen des Sängers projiziert. Als er dann mit Lidschatten geschminkt und in Bühnenklamotten vor sein Publikum trat, war das für viele geradezu ein Schock.

Foto: Johannes Erasmus
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Der junge Bob Dylan: Eine frühe, undatierte Aufnahme des US-amerikanischen Musikers in New York. Leben und Werk Bob Dylans sind geprägt von zahlreichen Brüchen und Wendungen. Von seinem Publikum durchaus auch kritisch betrachtet, boten sie jedoch oft eine Quelle der Erneuerung und Inspiration seines musikalischen Schaffens.

Foto: AP
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Manfred Maurenbrecher: Der Liedermacher über das Konzert Bob Dylans in Nürnberg im Sommer 1978: "Alle hatten diesen Typ mit Gitarre erwartet, der immer noch schick aussieht und Anfang 20 ist und gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten protestiert." Gekommen sei aber ein ebenfalls schick aussehender Enddreißiger mit sehr eleganten Klamotten, mit einem Frauenchor und mit einer "ganz alerten" Band. "Die Fans", so Maurenbrecher weiter, "waren tödlich beleidigt, dass er nicht ihren Idealvorstellungen des protestierenden Arbeitslosen entsprach."
Die Aufnahme zeigt Manfred Maurenbrecher am 21. August 1998 in Baden-Baden.

Foto: obs
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"Blonde on Blonde": Die Doppel-LP aus dem Jahre 1966 war das siebte Studioalbum Bob Dylans. Es enthielt fast ausschließlich elektrisch verstärkte Folksongs, die den Übergang vom Folk zum Rock vollzogen.

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Mr. Tambourine Man: Bob Dylan - der die Entwicklung der Popmusik seit den sechziger Jahren wie kaum ein anderer Musiker beeinflusste - während eines Auftritts bei den 44. Grammy Awards in Los Angeles am 27. Februar 2002.

Foto: dpa
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"Desire": Das 1976 erschienene Album Bob Dylans, welches sich in den USA 35 Wochen auf Platz 1 der Charts hielt, behandelt mystisch-religiöse Themen sowie politische Einzelschicksale. Als Dylan 1978 in Deutschland auftrat und Bigband-Sound sowie Song-Klassiker in Walzertakt oder Reggae-Rhythmus präsentierte, verblüffte er das deutsche Publikum und zwang es, sich von verfestigten Erwartungen zu lösen.

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Mit Band und Chor: Für seine Konzerte in Deutschland 1978 hatte Bob Dylan seine Songs neu arrangiert. Mit ihm trat ein Frauenchor und eine Band in Bühnenklamotten auf, es gab Reggae-Rythmen und Schubidu im Hintergrund. Das war nicht der Protestsong-singende Anfang 20-Jährige, den viele Fans erwartet hatten.

Foto: Johannes Erasmus
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Das Publikum: Fans des Sängers Bob Dylan bei dessen Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle im Juni 1978.

Foto: Johannes Erasmus
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Baby Blue: Die Erinnerungen an Bob Dylans Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle im Juni 1978 sind sehr unterschiedlich. Hat er nun "It's all over now, Baby Blue" gespielt oder nicht?

Foto: Johannes Erasmus
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Aus dem Dunkel: Bob Dylan während seiner ersten Deutschland-Tournee bei einem Auftritt in der Dortmunder Westfalenhalle im Juni 1978.

Foto: Johannes Erasmus
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Live auf der Bühne: Bob Dylan, der Mann, für den sie mehr als zehn Jahre lang geschwärmt hatten, im Juni 1978 leibhaftig auf einer deutschen Bühne. Für viele Zuschauer war das ein überwältigendes Gefühl.

Foto: Johannes Erasmus
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Gitarrenvirtuose: Als Bob Dylan 1978 auf Deutschland-Tournee ging, erwarteten seine Fans den Protestsänger der Sechziger. Stattdessen präsentierte sich ihnen ein neuer Dylan, der seine Musik wie ein Entertainer aus Las Vegas präsentierte. Viele nahmen ihm das übel.

Foto: Johannes Erasmus
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Durch seine Augen: Das Original-Programmheft von Bob Dylans Deutschland-Tournee 1978.

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Eintrittskarte für Dylan-Konzert: 30 Mark kostete im Juni 1978 eine Sitzplatzkarte für das erste Konzert des Folksängers in Deutschland.

Foto: Klaus Kucklick
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Bob Dylan goes Gospel: Dieses Foto wurde während Bob Dylans Konzert auf der Loreley am 17. Juli 1981 gemacht. Es war das zweite Mal, dass Dylan nach Deutschland kam. Nach seinen umstrittenen Konzerten im Jahr 1978 kam er wieder und spielte diesmal neben alten auch seine christlichen Songs. Musikalisch waren die Konzerte ein Hochgenuss. Durch seine neuerliche musikalische Veränderung und vor allem mit seinen religiösen Texten irritierte Dylan sein Publikum auf ein Neues.

Eingereicht von einestages-Leser Jürgen Rosch.

Foto: Jürgen Rosch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?