Nellie Bly auf "Welfare Island" Verschimmeltes Brot, Misshandlungen und katastrophale hygienische Zustände
Nellie Bly, Star-Reporterin: 1864 unter dem Namen Elizabeth Jane Cochran in Pennsylvania geboren, hatte sie in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts begonnen bei einer Zeitung zu arbeiten.
Die Stelle wurde ihr angeboten, nachdem sie wegen einer sexistischen Kolumne einen aufgebrachten Leserbrief an den "Pittsburgh Dispatch" geschrieben hatte. Der Chefredakteur war so beeindruckt von dem Brief, dass er die Verfasserin, die ihre Tirade unter den Pseudonym "Lonely Orphan Girl" an die Zeitung geschickt hatte, mit einer Anzeige aufforderte, sich in der Redaktion zu melden.
Ihr späteres Pseudonym Nellie Bly borgte sie sich aus einem bekannten Song von Stephen Foster, einem der damals bekanntesten Songschreiber Amerikas.
Insel der Ausgestoßenen: Im New Yorker East River, zwischen den Stadtteilen Manhattan und Queens liegt Blackwell's Island, das 1921 in Welfare Island und schließlich 1973 in Roosevelt Island umbenannt wurde. Hier befanden sich im 19. Jahrhundert, neben dem Irrenhaus, auch ein Gefängnis und ein Hospital für Pockenkranke.
Erinnerung aus Stein: Der Großteil der Gebäude auf der ehemaligen Anstaltsinsel, die heute Roosevelt Island heißt, wurde über die Jahrzehnte abgerissen und die Insel in ein Wohngebiet verwandelt.
Der Octagon-Tower, das ehemalige Hauptgebäude der psychiatrischen Anstalt ist eines der letzten Gebäude, die erhalten geblieben sind. Heute ist es allerdings der Mittelpunkt einer Luxuswohnanlage mit Pool und Tennisplätzen.
Harmlos bebildert: Im Gegensatz zu ihrem Artikel wirkten die Illustrationen zu Nellie Blys Irrenhaus-Reportage seltsam harmlos. Diese zeigt, wie die Reporterin vor dem Spiegel versucht, verrückt zu spielen. Eine andere...
...zeigt die Insassinnen bei einem Spaziergang auf der Insel. Auch dieses Bild ist stark idealisiert und hält sich kaum an die Fakten in Blys Bericht. In ihm schildert sie, dass die Frauen nur einmal im Monat neue Sachen zum Anziehen bekamen. Nur wenn eine von ihnen Besuch bekam, wurde ihr von den Aufseherinnen vorher noch schnell ein anderes Kleid angezogen, damit sie einen gepflegten Eindruck machte.
Wendeltreppe im Wahnsinnshaus: Das Innere des Octagon-Towers wurde von einer Wendeltreppe beherrscht, die zu den verschiedenen Stationen in den beiden Flügeln des Irrenhauses führten.
Die Anstalt hatte einen berühmten Architekten. Alexander Jackson Davis entwarf auch die Federal Hall in Manhattan, das erste Kapitolgebäude der Vereinigten Staaten. Zwar blieb sie dies nur ein Jahr. Dennoch wurde dort George Washington als erster Präsident vereidigt und die Bill of Rights verabschiedet.
New York City Lunatic Asylum: Eine Zeichnung der Frauenpsychiatrie auf Blackwell's Island.
Stunt Girl: Als Nellie Bly ihre Zeitungskarriere begann, waren nur rund drei Prozent der amerikanischen Journalisten Frauen. Mit ihrem Undercover-Bericht aus der Psychiatrie begründete sie das Phänomen der "Stunt Girl Reporter", jungen Frauen, die oft verdeckt in Gefängnisse, Fabriken oder Armenhäuser recherchierten, um über die dortigen Missstände zu berichten.
In dem hier gezeigten Artikel schrieb Nellie Bly allerdings über ein weniger brisantes Thema: Für das Sonntagsmagazin der Zeitung "The World" vom 23. Februar 1896 hatte sie sich als Elefanten-Dompteurin versucht.
Schneller als Jules Verne geglaubt: Inspiriert von dem 1873 erschienenen Roman "In 80 Tagen um die Welt", unternahm Nellie Bly für die "New York World" 1888 eine eigene Weltumrundung.
Blys Trip wurde zu einem gigantischen Medienereignis: Während die "New York World" die Leser aufforderte, zu schätzen, wie lange Bly brauchen würde, schickte die "Cosmopolitan" eine eigene Reporterin los, um Blys Zeit zu schlagen.
Auf ihrer Reise kaufte die Reporterin einen Affen in Singapur, besuchte eine Leprakolonie in China und traf Jules Verne in Frankreich. Ihre kürzeren Berichte telegafierte sie, die längeren Artikel brauchten einige Wochen, um mit der Post im Verlag anzukommen.
Am Ende schaffte Nellie Bly die gesamte Reise in 72 Tagen, 6 Stunden und 11 Minuten, ein Weltrekord, den die "Cosmopolitan"-Reporterin nicht unterbieten konnte.
Hoch hinaus: 1890 wurde das New York World Building, das Verlagsgebäude von Joseph Pulitzers Tageszeitung, eingeweiht. Mit 26 Stockwerken war es das höchste Gebäude der Welt.
Pulitzer hatte die marode Zeitung "New York World" 1883 aufgekauft und mit Erlebnisberichten und investigativen Reportagen wie denen von Nellie Bly aber auch Neuerungen wie der weltweit ersten farbig gedruckten Beilage zum Erfolg geführt.
Kriegsreporterin: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs berichtete Nellie Bly auch von der Front in Europa. Auf diesem Bild, das etwa 1914 in Polen aufgenommen wurde, spricht sie gerade mit einem Offizier der österreichischen Armee.