Legendäre Skateboardhelden - DER SPIEGEL
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Helden gegen Schwerkraft Wie im Flug

Sprünge, Tricks und Knochenbrüche: Seit jeher war das Skateboardfahren der Sport der Draufgänger und Anarchisten. Dabei prägte niemand den Sport dramatischer als ein schüchterner Junge aus Florida, der allein in seiner Garage fuhr - und dabei die Grenzen des Möglichen sprengte.
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Visionär des Skateboards: Rodney Mullen erfand im Laufe seiner Jahrzehnte umspannenden Profikarriere hunderte von wegweisenden Tricks. Als seine folgenreichste Erfindung gilt der 1982 von ihm erstmals auf einem Wettbewerb vorgestellte "Ollie" auf ebener Erde, bei dem der Skateboarder ohne Hilfe der Hände und ohne einen Fuß auf den Boden zu stellen mit seinem Brett in die Luft springt. Der Trick wurde zur Grundlage praktisch aller modernen Skateboardtricks auf der Straße. Kurz nachdem er den "Ollie" erstmals zeigte, bildete das US-Skateboardmagazin "Thrasher" den damals 16-jährigen Skater auf seinem Cover ab.

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Physiotherapeut des Grauens: Um 2004 wurde es still um den Skateboardkünstler Rodney Mullen. 2009 erklärte er shredordie.com, seine Ärzte hätten ihm damals erklärt, durch Stürze entstandenes Narbengewebe in seinem Hüftgelenk werde unvermeidbar den Oberschenkelknochen mit seinem Becken zusammenwachsen lassen. Weil die Ärzte ratlos waren, überlegte Mullen sich eine eigene Therapie: Zwei Jahre lang habe er jede Nacht Stunden damit verbracht, sein Bein im Lenkrad seines Autos einzuklemmen und sich selbst das Narbengewebe aus dem Gelenk zu reißen, in dem er sich aus dem Auto bog. Oft habe er Polizisten abwimmeln müssen, die, von seinen Schmerzensschreien angelockt, vermuteten, jemand werde zusammengeschlagen. Das Unglaubliche: Die bizarre Methode funktionierte. Mittlerweile fährt Mullen wieder.

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Erfindergeist: Bis heute hat Rodney Mullen hunderte von Tricks erfunden und gilt als größter Innovator des Sports. Diese Anzeige der Skateboardfirma "Plan B" aus dem Jahr 1993 zeigte lediglich ein kleines Bild von Mullen - und eine lange Liste mit von ihm erfundenen Tricks. Die Aufzählung war bereits damals unvollständig, und Mullen erfand in den folgenden Jahren noch zahlreiche weitere Skateboardtricks.

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Skateboard-Exzentriker: Der Skateboardprofi Simon Woodstock gilt als größter Exzentriker der Skateboardgeschichte. Woodstock, ein brillanter Skateboarder, fuhr fast immer in Verkleidung - etwa als Clown, Surfer im Neoprenanzug, Chirurg oder Hippie-Rocker mit Perücke. Zugleich bastelte er sich Skateboards aus den abstrusesten Materialien: So besaß er unter anderem ein Surfbrett mit Skateboardachsen, ein riesiges, zielscheibenförmiges Brett, auf das seine Zuschauer während seiner Sprünge mit Dartpfeilen warfen - oder das hier auf der Rückseite des "Big Brother"-Skateboardmagazins Nr. 14 abgelichtete Skateboard-Aquarium.

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Fingerfertig: Der brasilianische Skateboardprofi Og de Souza ist eine Ausnahmeerscheinung der Skateboardszene. Obwohl seine Beine infolge einer Polio-Erkrankung bereits in sehr jungem Alter zu wachsen aufhörten, lernte er das Skateboardfahren - indem er sich im Schneidersitz auf das Brett setzte und mit den Händen Schwung gab. Anfänglich nutzte er das Brett nur als Fortbewegungsmittel, nach einiger Zeit lernte er jedoch, mit Hilfe seiner Hände Tricks zu machen. Das Bild zeigt de Souza am 7. Juli 2000 während einer Jugendmesse in München bei einem 360 Flip, bei dem sich das Brett in der Luft gleichzeitig um Quer- und Längsachse dreht.

Foto: ddp
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Trockensurfer: Skateboardprofi Stacy Peralta - hier auf einer Anzeige für seine eigene Skateboardfirma Powell Peralta von 1979 - war einer der legendären "Z-Boys", wie das Wettkampfteam des Zephyr-Surfshops in Santa Monica sich nannte. Die Z-Boys veränderten Mitte der siebziger Jahre dramatisch den Stil des Skateboardfahrens, indem sie immer stärker versuchten, Bewegungsabläufe aus dem Surfen auf die Straße zu übertragen und einen aggressiveren Fahrstil propagierten.

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Vom Profiskater zum Regisseur: Heute ist Stacy Peralta - hier auf einem Foto von 2004 in Venice, Los Angeles - vor allem als Regisseur tätig. Neben Werbespots für Burger King und einem Dokumentarfilm über Gangs in Los Angeles wurde er vor allem durch "Dogtown and Z-Boys" aus dem Jahr 2001, einem Film über die Anfänge des Skateboardsports, bekannt.

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Vielflieger: Profiskater Bob Burnquist aus Brasilien am 23. November 2008 bei einem Sprung während des "Oi MegaRamp Contest" in Sao Paulo. Er selbst gilt als Erfinder der Skateboard-Disziplin "Mega-Ramp", einer Art Skiflugschanze für Skateboardfahrer, die gewaltige Sprünge ermöglicht. Als Burnquists spektakulärste Aktion gilt ein Sprung von einer Mega-Ramp über ein riesiges Geländer in den Grand Canyon hinab - mit einem Fallschirm auf dem Rücken.

Foto: REUTERS
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Stilbildend: Skateboardprofi Steve Caballero leidet seit Geburt an einer starken Rückgratsverkrümmung, durch die sein Kopf stets schräg nach rechts geneigt ist. Es gelang ihm jedoch, gerade durch diese ungewöhnliche Körperhaltung einen besonders eleganten Fahrstil zu kreieren. Bis heute gilt Caballero als einer der "stylishsten" Fahrer aller Zeiten. Das Bild zeigt den damals gerade 15-jährigen Caballero bei einem Backside Air aus einem Pool in einer Anzeige für Tracker-Skateboardachsen vom März 1980.

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Der Ausdauerndste: Noch heute fährt der mittlerweile 45-jährige Steve Caballero auf Wettkämpfen mit und wird für seinen einzigartigen Fahrstil gefeiert. Hier fährt Caballero am 9. Dezember 2001 auf einem Wettbewerb der "Planet X Extreme Games" in Sydney.

Foto: Getty Images
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Legendärer Sturz: Bei den X-Games im August 2007 in Los Angeles erlebte der australische Skateboardprofi Jake Brown einen Sturz, der ihn zur Legende machen sollte. Bei einem Sprung aus einer Halfpipe hinaus stieß er sich zu weit von der Rampe ab und stürzte aus über zwölf Metern höhe senkrecht auf flachen Boden. Einige Minuten lag Brown, umringt von Sanitätern, reglos am Boden, stand dann jedoch auf und ging aus eigener Kraft aus der Rampe hinaus. Indem er die Wucht des Aufpralls gleichmäßig auf alle Gliedmaßen verteilt hatte, hatte er nicht nur den sicheren Tod, sondern sogar schwerere Verletzungen vermieden: Bereits nach wenigen Tagen wurde er aus dem Krankenhaus entlassen.

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Mauersegler: Der amerikanische Profiskater Danny Way springt am 9. Juli 2005 über die Chinesische Mauer in Peking. Damit ist er der Erste, der die Mauer erfolgreich ohne Motorisierung übersprungen hat. Danny Way ist bekannt für seine spektakulären Stunts: So sprang er etwa 1997 aus einem Helikopter in eine Halfpipe hinein und brach noch am selben Tag den Weltrekord für den höchsten Sprung aus einer Halfpipe. Mit seinen spektakulären Stunts riskierte er oft seine Gesundheit: So war er 1995 nach einer schweren Wirbelsäulenverletzung am gesamten Oberkörper gelähmt und musste acht Monate völlig bewegungslos fixiert verbringen. Zwei Monate nach seiner Entlassung fur er bereits seinen nächsten Wettbewerb - und gewann.

Foto: REUTERS
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Turmbau zu Peking: Um den Sprung über die Chinesische Mauer zu ermöglichen, ließ Danny Way in der Nähe von Peking die mit 36 Metern Höhe größte Skateboard-Sprungschanze der Welt bauen.

Foto: Getty Images
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Immer auf die Kleinen: In dieser Anzeige aus dem Jahr 1991 mit den Skateboardprofis Lance Mountain, Tony Hawk und Ray Barbee (von links) machte sich Powell-Peralta, die damals größte Skateboardfirma der Welt, über die vermehrte Neugründung kleiner do-it-yourself-Firmen lustig. Und zettelte damit einen Anzeigen-Kleinkrieg an ...

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Werbestreit: Anfang der neunziger Jahre entstanden kleine do-it-yourself-Skateboardunternehmen wie die von Streetskater-Legende Mark Gonzales gegründete Firma Blind. Schon der Name der Firma war ein Seitenhieb auf Gonzales' früheren Sponsor Vision Skateboards. Nachdem Powell-Peralta, die mit Abstand größte Firma, angefangen hatte, kleine Firmen zu persiflieren, veröffentlichte Blind 1991 diese Anzeige mit einem Hassbrief an George Powell, den Chef von Powell Peralta. Die Grafiken auf den Brettern, die die Skater Rudy Johnson, Jason Lee und Mark Gonzales (von links) hier hochhalten, waren Persiflagen auf Powell-Boarddesigns. Und wurden zu den bestverkauften Modellen der Firma.

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Allein in der Männerdomäne: Cara-Beth Burnside ist eine der ganz wenigen Frauen, die es im Skateboardsport zu Bekanntheit bringen konnten. Seit den achtziger Jahren fährt sie vor allem Halfpipes und nimmt auch heute noch an Wettbewerben teil - wie hier am 30.Juli 2009 bei einem Frontside Air im Halfpipe-Wettbewerb der Frauen bei den X-Games in Kalifornien.

Foto: Getty Images
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Erneuerer: Der Profiskater Jason Lee in einer Anzeige von World Industries, seinem Sponsor Anfang der neunziger Jahre. Jason Lee gilt als Wegbereiter der "New School" des Streetskatens, des Fahrens auf der Straße. Er popularisierte unter anderem den "360 Flip", einen Sprung, bei dem sich das Brett in der Luft zugleich einmal um seine Quer- und seine Längsachse dreht.

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Neue Rollen: Anfang der neunziger Jahre stieg Jason Lee auf der Höhe seiner Karriere als Profiskateboarder vom Rollbrett - und wurde Schauspieler. Nach ersten Auftritten in Musikvideos spielte er unter anderem 2001 neben Tom Cruise in "Vanilla Sky", 2003 in der Stephen-King-Verfilmung "Dreamcatcher" - oder, wie auf diesem Plakat zu sehen, 2007 in der Komödie "Alvin and the Chipmunks".

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Skateboardprofi hinter Gittern: Im Juli 1987 ist der erfolgreiche Skater Mark "Gator" Rogowski noch auf dem Titel des amerikanischen Skateboard-Magazins "Thrasher". Anfang der neunziger Jahre setzte er seiner Karriere ein grausames Ende: Er überfiel, vergewaltigte und ermordete 1991 eine junge Frau. Das Gericht verurteilte ihn zu einer 31-jährigen Haftstrafe.

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Profiskater Mike Vallely gehört zu den Pionieren des Streetskating, die in den Achtzigern das Fahren an Hindernissen auf der Straße populär machten. In den letzten Jahren machte Vallely allerdings immer wieder durch Schlagzeilen von Schlägereien als Bad Boy der Szene auf sich aufmerksam. Neben seinem Skateboardfahren war Vallely zeitweise als Wrestler tätig - und startet gerade eine Karriere als Profi-Eishockeyspieler. Das Foto zeigt ihn am 23. Februar 2010 bei einem Bertleman Slide.

Foto: Sean Cronan
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Die Wände hochfahren: Nachdem Rodney Mullen 1982 den Ollie auf ebener Erde erfunden hatte, war der aus Litauen stammende Natas Kaupas einer der ersten, die vielfältige Variationen des Tricks nutzten, um das heutige Streetskating, das Fahren an Elementen urbaner Architektur, zu erfinden. Bekannt wurde Kaupas unter anderem durch seinen "Natas Spin", eine 720-Grad-Drehung auf einem Hydranten - und, wie auf diesem Cover des US-Magazins "Thrasher" von 1984 zu sehen, durch seine "Wallrides", die Fahrt mit dem Skateboard an einer Wand entlang. Heute ist Kaupas Designer bei dem Modeunternehmen Quiksilver.

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Drehwurm: Russ Howell gilt als einer der ersten großen Helden des Skateboardsports - bereits 1958 begann er, zu skaten. Er hält nicht nur den Weltrekord für den längsten Handstand auf einem Skateboard - wie hier auf dem Cover seines Skateboard-Ratgebers, sondern auch den für "360s" - Pirouetten auf einem Skateboard. Mit Hilfe spezieller Metallrollen erreichte Howell 163 Umdrehungen.

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Ist es ein Vogel? Mitte der Achtziger Jahre galt Tony Hawk bereits als bester Halfpipe-Fahrer der Welt und Superstar der Szene - wie dieses Bild vom Cover des Thrasher Magazins im August 1987 verdeutlicht, das Hawk bei einem riesigen Frontside Ollie aus einer Halfpipe zeigt. Wegen seiner riesigen Sprünge und seines Nachnamens erhielt Hawk später den Spitznamen "Birdman".

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Doppelgänger: Den Gipfel seiner Popularität erreichte Tony Hawk allerdings erst um die Jahrtausendwende durch das Videospiel "Tony Hawk's Pro Skater" aus dem Jahr 1999 und seine zahlreichen Fortsetzungen. Das Bild zeigt Hawk bei einem Promotion-Event am 29. Juli 2009 bei Madame Tussaud's in Los Angeles neben seinem Ebenbild aus Wachs.

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Skateboard-Anarcho: Ende der siebziger Jahre war Skateboardprofi Steve Rocco das große Vorbild des kleinen Rodney Mullen. Er war damals selbst ein legendärer Freestyle-Skateboarder, berüchtigt für seinen aggressiven Fahrstil. Ende der Achtziger gründete Rocco schließlich seine eigene Skateboardfirma "World Industries" - gemeinsam mit Rodney Mullen. Die Skatereigene Kleinstfirma veränderte den bisher von wenigen, großen Firmen beherrschten Skateboardmarkt völlig. Das Bild zeigt Rocco in einer Anzeige des Skateboardherstellers Santa Monica Airlines.

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Für manche heilig: Rodney Mullens letztes Freestyle-Board von der Firma World Industries aus dem Jahr 1990.

Foto: Alex Schulz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?