Legendäre Verbrechen Die Erfindung des Getaway-Cars
Raubmord in Chantilly: Ihre spektakulärste Tat beging die Bonnot-Bande am 25. März 1912, als sie die Bankfiliale der Société Générale in Chantilly bei Paris überfiel. Die Anarchisten erbeuteten 50.000 Franc und hinterließen drei Tote.
Beliebter Fluchtwagen: Ein Delaunay Belleville von 1908. Modelle wie diesen Wagen verwendete die Bonnot-Bande immer wieder für ihre Verbrechen. Die häufig aus Garagen gestohlenen Limousinen verschafften den Gangstern einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Polizei - denn die verfügte 1912 über gerade einmal vier Automobile in ganz Frankreich.
Jules Bonnot: Karteikarte von Jules Bonnot aus den Archiven des Erkennungsdienstes der französischen Polizei.
"Le Petit Journal": Die missglückte Verhaftung des gefürchteten Anarchisten Jules Bonnet am 24. April 1912 in Ivry war Gesprächsthema in ganz Frankreich - und Titelgeschichte der populären Zeitschrift "Le Petit Journal".
Eingekesselt: Polizisten, Soldaten und bewaffnete Zivilisten belagern am 27./28. April 1912 das Haus in Choisy-le-Roi bei Paris, in dem sich Jules Bonnot versteckt hält.
In der Falle: Örtliche Gendarmen beschießen das Versteck des Gangsters Bonnot.
Gefährliche Neugier: Bewaffnete Polizisten haben sich hinter Bäumen verschanzt und legen auf das Versteck des Bandenchefs Bonnot an - dazwischen stehen neugierige Zivilisten herum.
Gangster im Visier: Auch bewaffnete Zivilisten beteiligten sich an der Belagerung von Jules Bonnet, etwa Jäger und Mitglieder eines örtlichen Schützenvereins. "Ende des Schreckens - die Tragödie von Choisy-le-Roi" lautet die Unterzeile dieser Postkarte.
Gefährlicher Plan: Leutnant Fontan mit dem Dynamit und der Zündschnur kurz vor der Aktion zur Ausräucherung des Banditen Bonnot.
Tierische Deckung: Im Schutz eines strohbeladenen Pferdefuhrwerks schlich sich der Leutnant Fontan (2.v.l.) mit einer Ladung Dynamit an das Haus, in dem sich der Anarchist, Bankräuber und mehrfache Mörder Jules Bonnet verbarrikadiert hatte.
Der Angriff: Das Fuhrwerk mit der Strohladung hat sich dem Versteck Bonnots bis auf wenige Meter genähert - und in seinem Schutz Leutnant Fontan mit einem Sprengsatz Dynamit.
Die Explosion: Das Dynamit geht hoch ...
Chaos nach dem Knall: ... das Versteck Bonnots ist vom Qualm der Explosion eingehüllt.
Polizei geht in Stellung: Als sich der Explosionsdampf verzieht, nähern sich Agenten der Sûreté dem Schlupfwinkel. Einige tragen dicke Matratzen vor sich her, um Kugeln Bonnots abzufangen.
Loch in der Wand: Das Dynamit hat eine Bresche in die Mauer gesprengt, Leutnant Fontan und einige Sicherheitsbeamte dringen in das Haus ein, um Bonnot zu stellen.
Gesprengter Unterschlupf: Ansicht der Garage nach der Explosion.
Blutiges Detail: Nahaufnahme des gesprengten Verstecks. In der Unterzeile und mit einem kleinen, weißen Kreuz weist der Verleger dieser Postkarte auf den großen Blutfleck an der Wand hin, der von Bonnot stammt. Die Schießerei von Choisy-le-Roi war eines der ersten echten Medienereignisse - jedes Detail wurde von Fotografen festgehalten und mittels Zeitungen und Postkarten verbreitet.
Das Ende: Eine zeitgenössische Illustration zeigt das Ende von Jules Bonnot - eingerollt in eine Matratze, die ihn vor Polizeikugeln schützen soll, erwidert er bis zuletzt das Feuer der Beamten, bevor ihn eine Kugel in den Kopf trifft. Diese soll, so lautet eine Version, vom Pariser Polizeipräfekten Lépines persönlich auf ihn abfeuert worden sein.
Auf zum Showdown: Nach der Sprengung des Verstecks begibt sich der Pariser Polizeipräfekt Lépine (M.) zu den Sicherheitskräften, um ihnen den Angriff zu befehlen.
Ende eines Dramas: Sicherheitskräfte schleifen den von einer Kugel in den Kopf getroffenen Bonnot aus seinem Versteck, in "beklagenswertem Zustand", wie es im Text der Postkarte heißt. Wenig später stirbt Bonnot im Krankenhaus Hôtel-Dieu.
Sensationshungrige: Nach der Gefangennahme Bonnets drängen sich Schaulustige um das Taxi, in dem der schwerverletzte Gangster abtransportiert wird.
Gesammelte Missetaten: Aufstellung der Jules Bonnot zur Last gelegten Taten aus seiner Polizeiakte. Die Übersicht wurde nach seinem Tod angefertigt. Unter seinem Namen heißt es "Getötet durch einen Feuerstoß. Operation Choisy le Roi".
Der zweite Showdown: Keine zwei Wochen nach dem Drama von Choisy-le-Roi stellte die Polizei in dem östlich von Paris gelegenen Vorort Nogent-sur-Marne auch die beiden letzten flüchtigen Mitglieder der Bonnot-Bande, Octave Garnier und René Valet. Wieder kam es zur Belagerung und zu einem blutigen Gefecht, das mit dem Tod der Banditen endete. Die Postkarte zeigt das Haus nach der Erstürmung, im Vordergrund das Turngerüst mit den Ringen, an denen sich Garnier laut Postkartenunterschrift fit hielt.
Entscheidung: Nach der Sprengung drängen Soldaten in den Unterschlupf, in dem Octave Garnier und René Valet sechs Stunden gegen eine erdrückende Übermacht von Sicherheitskräften ausgehalten hatten.
Matratzenlager: Das Innere des Verstecks von Octave Garnier und René Valet in Nugent-sur-Marne nach der Erstürmung durch die Polizei am 14./15. Mai 1912.
Tote Bankräuber: Die Leichen von René Valet und Octave Garnier nach der Erstürmung ihres Verstecks in Nogent-sur-Marne am 14./15. Mai 1912. Nach einigen Angaben wurden die beiden Anarchisten und Mörder bei der Sprengung nur bewusstlos und dann von Polizisten erschossen.
Der Prozess: Die bereits vor dem doppelten Showdown in Choisy-le-Roi und Nogent-sur-Marne verhafteteten Mitglieder der Bonnet-Bande wurden im Februar 1913 vor Gericht gestellt und abgeurteilt. Vier von ihnen wurden zum Tode und zwei zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt, ein Helfershelfer zu fünf Jahren Zuchthaus. Von den zum Tode Verurteilten wurde einer zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt, die anderen drei guillotiniert.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir den Pariser Vorort Nogent-sur-Marne irrtümlich in den Westen der Metropole verortet. Tatsächlich liegt Nogent-sur-Marne östlich von Paris. Wir haben den Fehler korrigiert.