Als der Papst sich gegen Hitler stellte "Konfrontation ohne Bruch"
Ansprache des "Führers" zum 1. Mai: Adolf Hitler tobte, nachdem er von der kritischen Enzyklika erfahren hatte - der Gegenschlag folgte prompt. In den folgenden Tagen kam es zu Verhaftungen in den Reihen der Kirche, viele Klöster, Schulen und Druckereien wurden geschlossen. In einer Ansprache am 1. Mai 1937 drohte Hitler mit weiteren Konsequenzen. Die regimekritischen Katholiken, wie auch Protestanten fühlten sich von dem Papier bestätigt und in ihren Positionen gestärkt. Es gab aber auch mehr als 100.000 Austritte aus der katholischen Kirche im Jahr 1937.
Folgenschwere Kritik: Die Enzyklika des Papstes Pius XI. sorgte weltweit für Aufsehen, brachte aber viele Kirchenleute in Bedrängnis. Klöster wurden geschlossen, beteiligte Druckereien wurden enteignet und einzelne Priester und Ordensleute wurden mit Sittlichkeits- und Unterschlagungsprozessen überzogen.
Der Autor: Unter größter Geheimhaltung schrieb der Kardinal und Erzbischof von München und Freising, Michael von Faulhaber (hier 1922), Anfang 1937 die Vorlage für die Enzyklika des Papstes Pius XI. gegen den Nationalsozialismus. Die Schrift wurde später unter dem Titel "Mit brennender Sorge" berühmt.
Ein gefährliches Papier: Die erste Seite der Enzyklika "Mit brennender Sorge" der Ausgabe aus dem Bistum Speyer, mit einem Vorsatz von Bischof Dr. Ludwig Sebastian vom 17. März 1937. Sie wurde in der Jägerschen Druckerei Speyer gedruckt, die dafür wenig später enteignet wurde.
Päpstlicher Diplomat: Der Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli (hier 1927 in Berlin) überreichte dem Botschafter des "Deutschen Reichs" im Vatikan über die Jahre mehr als 50 Protestnoten gegen Übergriffe auf kirchliche Vertreter und Verletzungen gegen einzelne Punkte des Konkordats. Diese blieben jedoch alle ohne Wirkung. Pacelli wurde später als Pius XII. bekannt.
Der Entwurf: Da der Vatikan keinen Stenografen in sein Vorhaben einweihen wollte, schrieb Michael von Faulhaber das Manuskript für die Enzyklika selbst mit der Hand. Papst Pius XI. überarbeitete und verschärfte den Entwurf, bevor das fertige Papier mit Sonderboten und Kurieren zu den deutschen Bischöfen gebracht wurde.
Unterzeichnung des Konkordats: Am 20. Juli 1933 wurde zwischen der Katholischen Kirche und dem "Deutschen Reich" mit dem sogenannten Reichskonkordat ein Vertrag geschlossen, der das Verhältnis zwischen beiden klären sollte. Darin werden unter anderem Rechte wie das auf freie Religionsausübung oder der Schutz des Beichtgeheimnisses festgehalten.
Die hier Anwesenden waren (v.l.): Prälat Ludwig Kaas, Vizekanzler Franz von Papen, Unterstaatssekretär Giuseppe Pizzardo, Staatssekretär Eugenio Pacelli (der spätere Papst Pius XII.), Substitut Alfredo Ottaviani, Ministerialdirektor Rudolf Hermann Buttmann, Substitut Giovanni Battista Montini (ab 1963 Papst Paul VI.) und Botschaftsrat Eugen Klee.
Signal aus Sorge: Papst Pius XI. (hier um 1930 in seinem Büro im Vatikan) veröffentlichte "Mit brennender Sorge" als bis heute einziges Lehrschreiben des Vatikans in deutscher Sprache. Er wollte damit sicherstellen, dass der Inhalt im "Deutschen Reich" auch sofort verstanden wurde.
Zwei Gesichter: Papst Pius XI. (hier am 17. April 1938 im Petersdom) musste sich aufgrund des Reichskonkordats vorwerfen lassen, nicht kritisch genug gegenüber dem Nationalsozialismus gewesen zu sein. Seine Enzyklika "Mit brennender Sorge" hingegen war eine deutliche Anklage gegen das Regime Hitlers.
NS-Priester: Auch der Priester Albanus Schachleitner war ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus. Im September 1934 wurde er sogar als Ehrengast von Adolf Hitler auf dem "Reichsparteitag der Einheit und Stärke" in Nürnberg empfangen.
Vergifteter Wein: Auch wenn die deutschen Bischöfe mit dem Reichskonkordat 1933 eine Art "Waffenstillstand" mit dem nationalsozialistischen Regime geschlossen hatten, blieben die österreichischen Bischöfe weiterhin kritisch gegenüber dessen Politik. Das rechtsgerichtete Satireblatt "Kladderadatsch" macht sich auf seiner Titelseite vom 14. Januar 1934 lustig über diese Haltung.