Leichtathletik-WM Expressionisten in Paris
Durchgebissen hat sich Geher Andreas Erm. Von Schmerzen geplagt absolvierte der Berliner das Rennen über 50 Kilometer und kämpfte sich nach 3:37,46 Stunden ins Ziel. Belohnt wurden seine Anstrengungen mit der Bronzemedaille und einem neuen deutschen Rekord, den bis dato sein Trainer Ronald Weigel innehatte.
Sturz ins Ziel: Die Hürden gemeistert, doch auf der Ziellinie stürzt Brigitte Foster und zieht sich mehrere Verletzungen im Gesicht zu. Die Silbermedaille wird die Jamaikanerin aber sicher über die Schmerzen hinweggetröstet haben.
Rekordfieber: Es war ihr 23. Sieg in Folge, doch erstmals seit 1996 blieb die Mexikanerin Ana Guevara im 400-Meter-Finale mit ihrer Siegerzeit von 48,89 unter der 49-Sekunden-Barriere. Damit gewann die Läuferin als erste Leichtathletin eine WM-Goldmedaille für Mexiko. Doch die 26-Jährige ist das Siegen durchaus gewohnt. Guevara ist seit ihrem Bronzelauf bei der WM in Edmonton 2001 ungeschlagen.
König der Athleten: Tom Pappas wartet auf den Start über die 110-Meter-Hürden-Distanz. Der US-Athlet gewann mit dem Zehnkampf die "Königsdisziplin" der Leichtathletik. Mit einem fulminanten Endspurt ließ er mit 8750 Punkten dem Tschechen Sebrle (8634) keine Chance. Bronze ging an den Kasachen Dimitri Karpow (8374).
Aus der Bahn geworfen: Dieter Baumann ist mit den Kräften am Ende. Der Altmeister konnte das hohe Tempo des 10.000-Meter-Rennens nicht mitgehen und stieg nach knapp sechs Kilometern aus. Ans Aufhören denkt der 38-Jährige aber dennoch nicht. Im Herbst will er beim New-York-Marathon an den Start gehen und "wenn's mich im nächsten April wieder juckt, dann laufe ich auch wieder auf der Bahn", kündigte Baumann nach der Pleite von Paris an.
Volle Konzentration: Annika Becker hat ihr Ziel im Blick. 4,70 Meter übersprang sie im Finale der Stabhochspringer und holte Silber. Die 21-Jährige aus Erfurt sorgte damit am dritten Wettkampftag der WM für die erste deutsche Medaille. Gold holte die Russin Swetlana Feofanowa (4,75 Meter), Bronze ging an deren Landsfrau und Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa (4,65 Meter).
Äthiopische Meisterschaften: Das Rennen über 10.000 Meter machten Haile Gebreselassi, Kenenisa Bekele und Sileshi Sihine wie erwartet unter sich aus. Einzig die Reihenfolge des Zieleinlaufs der drei Äthiopier sorgte für eine kleine Überraschung. Kurz vor der Zielgeraden musste der vierfache Weltmeister Gebreselassi den erst 21-jährigen Bekele ziehen lassen und holte "nur" Silber vor Sihine.
Windhund neben Muskelbergen: Kim Collins (St. Kitts & Nevis) ist 1,75 Meter groß und wiegt nur 64 Kilo. Als "rasender Schiedsrichter" wurde er wegen seines schwarzen Rennanzugs und den dazu passenden Kniestrümpfen verspottet. Zeitungen schrieben von sieben Pittbulls und einem Kerlchen in den Startblöcken. Collins wird der Hohn wenig interessieren, denn er hat es allen gezeigt. Im Finale stürmte der 27-Jährige in 10,07 Sekunden zur Goldmedaille und deklassierte die muskelbepackten Favoriten aus den USA und Großbritannien.
Schmerz lass nach: Jonathan Edwards merkt nach seinem zweiten Versuch im Finale der Dreispringer, dass sein Fußgelenk nicht mehr mitmachte und stieg aus dem Wettkampf aus. Es sollte der letzte Sprung in der Karriere des 37-Jährigen sein, denn im Vorfeld hatte er angekündigt, dass er nach der WM nicht mehr springen wird. Der Brite hatte bei der WM in Göteborg 1995 für eine Sensation gesorgt, als er seinen eigenen Weltrekord zweimal verbesserte. Die Weite von 18,29 wurde bis heute nicht übertroffen.
Seltener Anblick: In Ägypten ist Marwa Hussein ein Star. In Paris fiel die Hammerwerferin vor allem durch ihr Outfit auf. Die Muslimin kam in langen Hosen und Kopftuch. Mit 64,53 Meter verpasste Marwa aber knapp die Qualifikation für das Finale der besten Zwölf.
Golden Girl: Nicht zappeln, nicht klatschen, nicht hüpfen, sondern stillstehen für die Kameras. Wer den Siebenkampf der Damen verfolgt hat, weiß, dass dies eine Übung ist, die der quirligen Schwedin Carolina Klüft nicht leicht fällt. Die 20-Jährige ist immer in Bewegung und das ist offenbar ihr Erfolgsgeheimnis. Klüft gewann mit 7001 Punkten die Goldmedaille und ist nach der US-Weltrekordlerin Jackie Joyner-Kersee (7291) und der Russin Larisa Nikitina (7007) erst die dritte Athletin, die die magische 7000-er Barriere durchbrach.
Gelungene Premiere: Der deutsche Zehnkämpfer André Niklaus landet beim Weitsprung nach 7,21 Metern in der Sandgrube. Der erst 21-jährige Berliner war als einziger deutscher Athlet an den Start gegangen. Bei seiner WM-Premiere landete der Außenseiter mit 8020 Punkten auf einem guten achten Platz, obwohl er zur Halbzeit (nach fünf Disziplinen) nur auf dem 14. Rang lag.
Hop, step and jump: Eine erstklassige Demonstration dieser englischen Begriffe, die für die Teilsprüngen beim Dreisprung stehen, lieferte der Schwede Christian Olsson. Der 23-Jährige sprang gleich im ersten Versuch 17,72 Meter. Ein Goldsprung, denn seine Konkurrenten bissen sich an dieser Weite vergeblich die Zähne aus. Olsson gewann die Goldmedaille vor Yoandri Botanzos aus Kuba (17,28 Meter) und Leevan Sands von den Bahamas (17,26 Meter).
Zitterpartie: Ingo Schultz blickt nach seinem 400-Meter-Vorlauf auf die Anzeigentafel, wo hinter seinem Namen eine Vier erscheint. Nur die ersten drei Läufer qualifizierten sich direkt für die nächste Runde und so musste der 27-Jährige alle Vorläufe abwarten, bis er als Schnellster der "Loser" feststand und so doch noch das Halbfinale erreichte. Dort ging Schultz dann aber als Siebter sang- und klanglos unter und verpasste mit 46,02 Sekunden das Finale.
Ich bin die Schnellste: Kelli White freut sich über ihren Sieg im 100-Meter-Finale. Die US-Sprinterin gewann in 10,85 Sekunden vor ihrer Teamkollegin Torri Edwards und Zhanna Block aus der Ukraine. Ihren zweiten Titel will White über die 200-Meter-Distanz holen. Dann wird auch ihr Freund, der deutsche Speerwerfer Boris Henry, im Stadion sein, der erst am Mittwoch anreiste.
Vorhang auf: 200-Meter-Läuferin Allyson Felix wird in den USA schon als Nachfolgerin von Marion Jones gehandelt. Die 17 Jahre junge Schülerin aus Los Angeles hält mit 22,11 Sekunden die Jahresbestleistung in ihrer Disziplin und macht ihren Konkurrentinnen auch bei der WM in Paris das Sprinter-Leben schwer.