Liebesbriefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wenn Schriftsteller Liebesbriefe schreiben "Herz! o komm laß Dich küssen!"

Von schwulstigen Schwüren zu kryptischen SMS-Codes: "HDGDL - Hab Dich Ganz Doll Lieb" versichern sich heute Verknallte per Handy. Stilsichere Liebesbriefe sind eine echte Kunst. Oscar Wilde griff daneben, Lady Di sowieso. Philipp Kohlhöfer versammelt die wildesten Botschaften.
1 / 22

Begnadeter Liebesbriefschreiber: Cyrano de Bergerac zeigte sich in seinen Briefen als geschulter Verbalerotiker.

"Also kann ich annehmen, Madame, dass ich anfing zu sterben, als ich begann, Sie zu lieben, weil der Tod eine Trennung von Geist und Körper ist und weil ich von dem Augenblick an, als ich Sie sah, meinen Verstand verlor."

Auf dem Bild sind Vincent Perez und Gerard Depardieu in dem französischen Film "Cyrano de Bergerac" von 1990.

Foto: ddp images
2 / 22

Liebesbrief: "Du bist der Star meiner Tage", schrieb Falco verliebt an seine Isabella - ein Zitat aus dem Song "The Star of Moon and Sun".

Foto: Katharina Vitkovic
3 / 22

Hingebungsvoller Schreiber: Ebenso stürmisch wie seine Frisur, sind die Zeilen von Ludwig van Beethoven.

"Schon im Bette drängen sich die Ideen zu Dir, meine unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig vom Schicksale abwartend, ob es uns erhört. - Leben kann ich entweder nur ganz mit dir oder gar nicht."

Auf dem Gemälde von 1819 schreibt Ludwig van Beethoven keinen Liebesbrief, sondern komponiert die Messe "Missa solemnis", D-Dur, op.123.

Foto: dpa
4 / 22

Dramatischer Dramatiker: Der deutsche Dramatiker Bertholt Brecht, der an seine Geliebte Paula Banholzer folgende heiße Liebesbekundungen schrieb.

"Geliebte Paula! Angebetete! Erlaube Deiner Majestät unterthänigster Kreatur, Dir seine ehrfurchtsvollsten Unterwürfigkeiten vor die zarten Füßchen zu legen. Er hat sonst wenig zu tun."

Foto: Keystone/ Getty Images
5 / 22

Else Lasker-Schüler: Die im Februar 1869 geborene deutsche Schriftstellerin Else Lasker-Schüler auf einem Bild von 1933. An ihren Geliebten, den Maler Franz Marc schrieb die Dichterin Briefe, so düster wie ihre Verse.

"Meine Spelunke ist ein langer, banger Sarg, ich habe jeden Abend ein Grauen, mich in den langen, bangen Sarg niederzulegen. Ich nehme schon seit Wochen Opium, dann werden Ratten Rosen..."

Foto: ullstein bild
6 / 22

Zurückhaltende Zeilen: Die zeitgenössische Darstellung zeigt Annette von Droste-Hülshoff. An Levin Schücking schreibt die deutsche Dichterin Zeilen zwischen Sehnsucht und Zurückhaltung.

"Guten morgen, Levin! Ich habe schon zwei Stunden wachend gelegen und in einem fort an Dich gedacht; ach, ich denke immer an dich, immer. Doch punctum davon, ich darf und will Dich nicht weich stimmen, muß mir auch selbst Courage machen und fühle wohl, daß ich mit den ewigen Tränenweidensäuseln sowohl meine Bestimmung verfehle als auch deine Teilnahme am Ende verlieren würde; denn Du bist ein hochmütiges Tier und hast einen doch nur lieb, wenn man was tüchtiges ist und leistet."

Foto: dpa
7 / 22

Benn am Schreibtisch: Ebenso sachlich wie in seinen Gedichten gibt sich der Schriftsteller Gottfried Benn auch in seinem Liebesbrief an die Schauspielerin Tilly Wedekind.

"Liebste Tilly, seien Sie mir nicht böse, aber wir werden uns heute u. morgen nicht sehn. Ich bin so sehr gestimmt, allein zu sein. Und obschon er natürlich ein Wendepunkt, ein einschneidendes Ereignis ist dieser letzte Sonntag in Tillydorf, muß ich arbeiten u. meinen Abnormitäten (Einsamkeitsdrang etc.) frönen."

Das Foto zeigt den Schriftsteller und Arzt Gottfried Benn im November 1955 an seinem Schreibtisch.

Foto: ullstein bild
8 / 22

Der große Goethe: Johann Wolfgang von Goethe in einer Ölgemälde-Darstellung von Joseph Stieler und Friedrich Dürck aus dem Besitz der Stiftung Weimarer Klassik. Goethe war ein großer Liebesbrief-Schreiber, der bis heute gern zitiert wird.

"Die süßen Worte, mit denen du mich verwöhnst - ach! Mehr wollt' ich nicht, sogar Dein Lispeln würde mitlesen, mit dem Du mir leise das Lieblichste in die Seele ergossen hast."

9 / 22

Kafka in der Krise: Ein Porträt des österreichischen Schriftstellers Franz Kafka. Seine Liebe zu Felice Bauer, trieb das schüchterne Genie mitunter fast in den Wahnsinn.

"Schreiben Sie mir nur einmal in der Woche und so, daß ich Ihren Brief Sonntag bekomme. Ich ertrage nämlich Ihre täglichen Briefe nicht, ich bin nicht imstnade, sie zu ertragen. Ich antworte z. B. auf Ihren Brief und liege dann scheinbar still im Bett, aber ein Herzklopfen geht mir durch den Leib und weiß von nichts als von Ihnen."

Foto: dpa
10 / 22

Henry Miller: Henry Miller auf einem Portrait aus den fünfziger Jahren. Mit seiner Geliebten Anais Nin schrieb sich der amerikanische Schriftsteller schlüpfrige Liebesbriefe. Hier einige Zeilen der französischen Autorin.

"Allein schon die Berührung des Briefes war, als hättest du mich in deine Arme genommen. Du weißt jetzt, was ich beim Lesen empfand. Du hast alles geschrieben, was mich rühren und für dich gewinnen konnte, und ich war feucht und bin so ungeduldig, daß ich alles tue, um einen Tag zu gewinnen."

Foto: Getty Images
11 / 22

In Gedanken bei der Liebsten: Der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler um 1908 in Deutschland. An die Schauspielerin Adele Sandrock, die ihn mit Liebesbriefen umgarnte, richtete er zurückhaltende Zeilen wie diese.

"Beim Nachhausekommen find ich, mein verehrtes Fräulein, Ihren Brief, der zu Mittag gekommen sein soll - verlangt er eigentlich nach einer Antwort? Sie kennen meine Scheu vor Worten, die 'alle sagen, und die man allen sagt'..."

12 / 22

Einstein mit seiner ersten Frau: Der Physiker Albert Einstein erhielt viele Liebesbriefe von seiner ersten Frau Mileva Maric.

"Mei liebs Johonesl! Da ich dich so gern hob und du so weit bist, daß ich dir kein Putzerl kann geben, schreib ich dir jetzt dieses Brieferl und frag dich, ob du mich auch so gern host, wie ich Dich? Antworte mir sofort. Tausend Küßerline von deins D"

Foto: AP
13 / 22

Virginia Woolf: Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf schrieb regelrechte Wortkaskaden an ihre Geliebte, die englische Schriftstellerin Vita Sackville-West.

"Ja, Du bist ein flinkes Tier - zweifelsohne, was allerdings Deine Luftsprünge zu Ergötzung betrifft, immer, in der Ebury Street zum Beispiel um 4 Uhr früh, da bin ich nicht so sicher. Böses, gottloses Biest! Mit Austern Sport treiben zu wollen - lethargischen süßen lippenförmigen Austern, seßhaften kalten Austern, unzüchtigen lasziven Austern, das zu wollen, sag ich."

Foto: Getty Images
14 / 22

Sigmund Freud: Der berühmte Psychoanalytiker neben seiner ebenso berühmten Couch im Jahr 1932 in Wien. An seine spätere Frau Martha Bernays schreibt er einen hoffnungsvollen Brief.

"Aber, Marthchen, es hängt ja nur von uns ab, wie schön die Tage werden sollen und nicht vom Wetter, von der Stimmung anderer, von guten oder schlechten Nachrichten, die unterdessen kommen können."

Foto: AP
15 / 22

Für Minna: Der Komponist Richard Wagner auf einem Bild von 1877. An seine erste Geliebte Minna Planer schrieb er Sätze, so rhythmisch wie Musik.

"Wenn mir nur mein Herz nicht bricht - ich will ja gern standhaft sein - ich will mir ja alle Mühe geben - ich will mit Dir nicht mehr so weich zeigen -, wenn es aber nun doch nicht geht?"

Foto: dpa
16 / 22

Prominenter Gast: Thomas Mann und Gattin Katja 1929 vor dem Hotel Adlon. Ganz Schriftsteller umwarb Mann seine spätere Frau, Katja Pringsheim 1904.

"...Ich hatte nämlich gedacht, daß Sie mir gewisse voreilige Possessiv-Pronomina und -Nomina, die ich mir in meinem letzten Brief hatte entschlüpfen lassen, verübelt hätten..."

17 / 22

Ja - Nein - Vielleicht? Statt schwülstige Liebesbriefe zu schreiben wie ihre Vorfahren kommen Kids heute schnell auf den Punkt: "Willst Du mit mir gehen?" Der oder die Gefragte kann sich auch beim Antworten kurz fassen.

Foto: Redaktion SPIEGEL ONLINE, einestages.de
18 / 22

Geschenk von Honey: Udo Lindenberg mit einer Schalmei, die ihm Erich Honecker schenkte - gemeinsam mit einem Brief, zwar keinem Liebesbrief, aber immerhin mit halbwegs warmen Worten. Zuvor hatte der Rocker dem DDR-Staatschef als Aufforderung zu mehr Toleranz eine Lederjacke geschenkt.

Foto: ALI PACZENSKY/ AP
19 / 22

Offene Beziehung: Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre und seine Lebensgefährtin, die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir 1950 in Dakar (Senegal). Die beiden lernten sich an der Sorbonne kennen und führten zeitlebens eine offene Beziehung mit getrennten Wohnungen und jeweiligen Affären. Trotzdem verband die beiden eine innige Liebe, wie diese Zeilen von Simone de Beauvoir an Sartre zeigen.

"Wäre es nicht so unbequem zum Schreiben eingerichtet, würde ich die Seiten füllen, um dir zu sagen, wie glücklich ich bin und wie sehr ich dich liebe. Aber mich tröstet die Tatsache, daß Du das selbst klar gefühlt hast, nicht wahr, kleiner Mann. Hier sind hundert Küsse, jeder enthält dieselbe Botschaft."

Foto: dpa
20 / 22

Schriftsteller Ernest Hemingway: Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway sitzt an seiner Schreibmaschine auf der Terrasse seines Hauses in Sun Valley, Idaho und arbeitet an seinem Roman "For Whom the Bell Tolls" (Wem die Stunde schlägt). Später pflegte Hemingway eine enge Freundschaft mit der Schauspielerin Marlene Dietrich. Im März 2007 tauchten etliche Briefe auf, die die beiden einander zwischen 1949 und 1959 geschrieben hatten.

Foto: AP
21 / 22

Hemingway-Ausstellung: Persönliche Briefe, Fotos und Zeitungsartikel sind in einer Ausstellung als Teil der Ernest Hemingway Collection in der John Fitzgerald Kennedy Library in Boston zu sehen. Darunter auch bislang unbekannte Liebesbriefe des Schrifstellers an Marlene Dietrich.

Foto: AP
22 / 22

Expressiver Liebesbrief: Anton aus München schreibt 1860 überraschend offenherzig an seine Mathilde.

"Herz! o komm laß Dich küssen! Bei dem Gedanken "Du mein Weibchen" schwellen mir die Adern, pocht hörbar der Puls. Ist die Zeit auch nicht dem Tage nach bestimmt, so ist doch der Augenblick des Endes unserer Trennung und der Anfang unserer Wonne gewiß und das macht mich muthig. Vielleicht näher als ich in meinen pessimistischen Anschauungen glaube, ist der Zeitpunkt, - Herz - mein Alles - welche Wonne durchglüht meine Brust. O komm, Herz! An meine Seite! laß meinen Arm um Dich schlagen - Herz, o rück' näher - noch mehr - o mich zieht es unwiderstehlich an Deinen Busen - o - fühlst Du meiner Lippen Gluth - meines Armes Zittern - o laß mir Deine Lippen - o nicht weg von mir - Herz - o wenn Du mich jetzt sehen könntest! - o mein Alles - so - so - noch - noch fester - Herz - mein Alles - jetzt - o nicht weg - jetzt - o Wonne. Du hast recht viel ausgestanden bei dem letzten Sturme."

Foto: Theo Schmidt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?