Terror gegen Kinder Zur Schule in Begleitung der Armee
Abgeschirmt: Soldaten der 101. Luftlandedivision bewachen am 25. September 1957 die Central Highschool von Little Rock. Bis in den Dezember hinein mussten die Truppen in der Stadt bleiben, die wegen der Aufhebung der Rassentrennung immer wieder von Unruhen erschüttert wurde.
Geschützte Schule: Schüler der Little Rock Central High verlassen das Gelände. 1900 weiße Schüler lernten hier, bis sich im September 1957 die ersten afroamerikanischen Teenager einschrieben. Eine mutige Entscheidung für eine Zeit, in der in Arkansas noch die Segregation galt. Dass diese für die Highschools aufgehoben wurde, war einer Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 1954 zu verdanken. Auf dieses Urteil beriefen sich die "Little Rock Nine" - und doch war erst die Unterstützung von Soldaten nötig, um dieses Urteil auch durchzusetzen.
Mit aller Macht: Angehörige der 101. Luftlandedivision eskortieren die neuen Schüler in Little Rock. Zuvor hatten Nationalgardisten für Ordnung gesorgt - sie standen jedoch unter dem Befehl des Gouverneurs Orval Eugene Faubus, einem erklärten Gegner der Integration Farbiger. Präsident Eisenhower sah sich ob der Passivität der Truppen schließlich genötigt, sie unter sein Kommando zu stellen und gleichzeitig die "Screaming Eagles" nach Arkansas zu entsenden.
Lachen trotz der Qualen: Druck, Repression, Beleidigungen, Prügel - das ist der Schulalltag für die "Little Rock Nine". Und doch gibt es Momente, in denen die Teenager fröhlich sind. Acht der neun Schüler scherzen hier auf dem Weg zu dem für sie bereitstehenden Militärfahrzeug.
Blutiger Aufruhr: Dieser Mann, der als C.E. Blake identifiziert wurde, wurde am Kopf getroffen, als er am 25. September 1957 versuchte, einem der Soldaten vor der Highschool von Little Rock seine Waffe abzunehmen.
Überstanden und bestanden: Der 17-jährige Ernest Green posiert in der Kleidung, die er einige Tage später zur Abschlussfeier tragen wird. Er war der erste Afroamerikaner, der an der Little Rock High School seinen Schulabschluss machte. Bei den Feierlichkeiten war auch Bürgerrechtler Martin Luther King anwesend. Green studierte später in Michigan und machte 1964 seinen Master in Soziologie.
Aufgehängt: Weiße Schüler der Highschool von Little Rock haben sich am 3. Oktober 1957 an einem Baum versammelt. Einer von ihnen schlägt eine Puppe, die an einem Baum aufgeknüpft wurde - und einen dunkelhäutigen Schüler darstellt. Das Militär löste die Demonstration auf. Der Frust der Weißen über die Integration Schwarzer an ihrer Schule brach sich aber nicht nur an Puppen Bahn: Little Rock war im Herbst 1957 eine Stadt voller realer Gewalt. Immer wieder wurden Schwarze auf den Straßen attackiert, zusammengeschlagen oder beleidigt.
Zustimmung: Eine Gruppe weißer Schüler schwänzt die Schule, um vor dem Anwesen des Gouverneurs Faubus für dessen Ausgrenzungspolitik zu demonstrieren. Faubus' harter Kurs erfreute sich unter der weißen Bevölkerung großer Zustimmung. 130.000 Wähler aus Little Rock stimmten ein Jahr nach dem Versuch der Neun gegen die Integration der Farbigen.
Gewalttätiger Mob: Alex Wilson, ein Reporter des "Tri-State Defender", wird von wütenden weißen Männern angegriffen. Neben Tritten und Schlägen wurde ihm schließlich sogar ein Ziegelstein gegen den Kopf geschleudert. Der Journalist Wilson hatte zuvor betont, dass er lediglich seinen Job machen wolle und nicht gewillt sei, sich daran hindern zu lassen.
Rechtsberater: Thurgood Marshall war der führende Rechtsbeistand der NAACP. Hier sitzt er vor dem Obersten Gerichtshof der USA in Washington, umringt von Schülerinnen und Schülern aus Little Rock, sowie Daisy Bates. Er setzte als Bürgerrechtsanwalt durch, dass die Rassentrennung an öffentlichen Schulen aufgehoben wurde. Marshall wurde 1967 der erste afroamerikanische Richter am Obersten Gerichtshof der USA.
Bürgerrechtlerin Daisy Bates: Die Verlegerin und Journalistin war zusammen mit ihrem Ehemann einer der größten Unterstützer der schwarzen Schülerinnen und Schüler, die die Central Highschool besuchen wollten. Doch Bates zahlte für ihr Engagement im Fall der "Little Rock Nine" einen hohen Preis. Ihre Zeitung "Arkansas State Press" verlor ab 1957 die meisten Anzeigenkunden und musste 1959 schließen.
Im Haus der Helfer: Die Schüler bedanken sich mit einem vorverlegten Thanksgiving Dinner bei Daisy Bates und ihrem Mann L.C. Bates. Beide saßen damals der National Association for the Advancement of Colored People, NAACP, vor - einer der einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen der USA. Die Bates berieten im Fall von Little Rock die Schüler und berichteten über sie in ihrer Zeitung "Arkansas State Press".
Kleine Zeugen: Drei Tage nach dem ersten Versuch der neun, ihre neue Schule zu besuchen, müssen Dorothy Frazier, Minnie Brown und Thelma Mothershed für eine Zeugenaussage vor Gericht erscheinen. Minnie und Thelma sind zwei der Schülerinnen, die von der Nationalgarde am Betreten der Schule gehindert worden waren.
Der Preis für den Mut: Der "Arkansas Democrat" spielte eine nicht unbedeutende Rolle während der Krise um die Central Highschool. Der "Democrat", der in Little Rock gedruckt wurde, bezog als eine der wenigen Zeitungen klar Stellung gegen den Boykottkurs von Gouverneur Faubus - und wurde für seine kritische Berichterstattung 1958 sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Auch Chefredakteur Harry Ashmore gewann den Preis für seine Kommentare. Doch die Anzeigenkunden honorierten den Kurs nicht, im Gegenteil: Die Zeitung erholte sich erst wieder, nachdem Ashmore den "Arkansas Democrat" verlassen hatte.
Ehre, wem Ehre gebührt: Die "Little Rock Nine" werden am 30. August 2005 in der Stadt bejubelt, die sie 48 Jahre zuvor berühmt gemacht hatten - und die doch so unbarmherzig zu ihnen gewesen war. An diesem Tag wurde ein Denkmal für die mutigen Schüler von 1957 enthüllt. Von links: Elizabeth Eckford, Dr. Terrence Roberts, Melba Pattillo Beals, Jefferson Thomas, Carlotta Walls LaNier, Minnijean Brown Trickey, Ernest Green, Gloria Ray Karlmark und Thelma Mothershed Wair.
Ausgezeichnete Schüler: Die "Little Rock Nine" stehen am 29. September 1997 auf den Stufen der Highschool von Little Rock, wo sie 40 Jahre zuvor als die ersten afroamerikanischen Schüler eine bis dahin weiße Schule besucht hatten. Der damalige US-Präsident Bill Clinton, rechts, verleiht den Tabubrechern die höchste zivile Auszeichnung der USA, die Congressional Gold Medal.