Lörrach Die Taschen voller Munition
Mit dieser Walther GSP Long Rifle .22 hat Sabine R. um sich geschossen. Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer zufolge besaß sie die Waffe legal ...
... Bei ihrer Tat habe sie 300 Schuss Munition mit sich geführt. Die Ermittler hatten zunächst keine Erkenntnisse über eine psychiatrische Erkrankung. Nach Befragung von Zeugen habe sie aber zuletzt psychisch angespannt gewirkt, sagte Inhofer
Die Obduktion der Leichen nach dem Amoklauf von Lörrach ergab, dass die Anwältin Sabine R. ihren Mann mit zwei Schüssen in Kopf und Hals tötete. Ihren fünfjährigen Sohn schlug die Amokschützin demnach zuerst bewusstlos und erstickte ihn dann mit einer Plastiktüte.
Trauernde stellen Kerzen in der Nähe des Tatorts in Lörrach auf und gedachten der Opfer des Amoklaufs.
Ein Polizist legt eine Sonnenblume vor das Haus, in dem Sabine R. ihren Ehemann und ihren Sohn tötete und von dem aus sie sich auf den Weg ins nahe gelegene Krankenhaus machte.
Nach dem Amoklauf mir vier Toten rätseln die Ermittler über das Motiv der 41-jährigen Täterin. Polizeiangaben zufolge handelt es sich um die Rechtsanwältin Sabine R.
Suche nach den Spuren: Sabine R. war ausgebildete Sportschützin. Mit einer kleinkalibrigen Pistole und einem Messer bewaffnet, stürmte sie in das St. Elisabethen-Krankenhaus.
Ausgangsort des Amoklaufs war der Polizei zufolge eine Wohnung in der Nähe des St. Elisabethen-Krankenhauses. Dort kam es gegen 18 Uhr zu einer Explosion und einem anschließenden Brand, außerdem fielen mehrere Schüsse.
Die Detonation in der Wohnung war so heftig, dass eine Wand herausgerissen wurde. Die Täterin soll die Explosion mit Brandbeschleuniger ausgelöst haben, so die Polizei. Es seien Kanister gefunden worden.
Die alarmierte Feuerwehr entdeckte in der Wohnung den toten Noch-Ehemann sowie den toten fünfjährigen Sohn der Täterin. Sabine R. hatte die beiden vor der Explosion getötet. Die Leiche des Mannes wies Schussverletzungen auf, die Todesursache des Kindes war zunächst unklar.
Aus dem brennenden Wohnhaus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. 15 Bewohner mussten mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Es dauerte knapp zwei Stunden, bis das Feuer in dem Wohnhaus unter Kontrolle war.
Sabine R. war erst vor wenigen Wochen in eine Erdgeschosswohnung in der Markus-Pflüger-Straße gezogen, hatte an der Außenwand das Büroschild für ihre Kanzlei anbringen lassen. Den Behörden zufolge lebte die Frau ohne ihren Mann und das Kind in der Wohnung.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sahen laut Polizei die Amokläuferin mit einer Waffe aus der Wohnung laufen.
Die Frau rannte demnach in das benachbarte katholische Elisabethen-Krankenhaus. Vor der Klinik schoss sie um sich und traf zwei Passanten. "Eine Person wurde durch einen Kopfstreifschuss, eine weitere im Rücken getroffen und schwer verletzt", sagte ein Polizeisprecher.
Ernst Barth zeigt den Fotografen seine Kopfwunde: Der 69-Jährige wurde vor dem St. Elisabethen-Krankenhaus mit einem Streifschuss von Sabine R. verletzt.
In der gynäkologischen Abteilung im ersten Stock des Krankenhauses ist sie laut Polizeiangaben auf einen Pfleger losgegangen, der gerade die Tabletts vom Abendessen in einen Wagen schob. Ihn habe sie mit einem Messer attackiert und mehrmals in den Kopf geschossen, der 56-Jährige starb. Laut Staatsanwaltschaft kannte Sabine R. ihr Opfer nicht.
Bei einem Schusswechsel zwischen Sabine R. und Polizisten wird einer der Beamten schwer am Knie verletzt. Die 41-Jährige wird von den Beamten tödlich getroffen, sie stirbt nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf dem Klinikflur im ersten Stock.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste lösten Großalarm aus. Hunderte Helfer aus ganz Südbaden eilten nach Lörrach.
Ein Sprecher des Rettungsdienstes sagte, Patienten sowie Feuerwehrleute müssten psychologisch betreut werden. Sie seien nach dem Amoklauf traumatisiert.
Erst Stunden nach den ersten Schüssen beruhigte sich die Lage.
Das katholische Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach verfügt unter anderem über ein Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, ein Zentrum für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie ein Säuglingszentrum mit Kinder-Intensivstation. Außerdem gibt es dort seit März ein Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Der Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech, bei einer Pressekonferenz: Erst vor eineinhalb Jahren hatte er sich zum Amoklauf von Winnenden äußern müssen. "Wenn ich ganz ehrlich sein darf - auch wenn es sich nicht für eine Überschrift eignet - ich habe gedacht: Nicht schon wieder."
Lörrachs Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm gab auf offener Straße ein Interview.
Die Trauer in dem 48.000-Einwohner-Städtchen Lörrach ist groß: Nachbarn zeigten sich schockiert über die Tat. "Und gleichzeitig überlegen wir, was noch alles hätte passieren können. Hier spielen so viele Kinder, hier leben so viele Menschen", sagte Nachbarin Gerlinde S.
Das Unverständnis für die Tat ist umso größer, weil Sabine R. in kein Raster zu passen scheint: eine Frau als Amokschütze, noch dazu eine Rechtsanwältin. R. sei eine "aufgeschlossene, sympathische Frau" gewesen, sagen Nachbarn.
Laut Inhofer hatte die Frau im Jahr 2004 in dem St. Elisabethen-Krankenhaus eine Fehlgeburt. Dies könne eventuell der Grund gewesen sein, dass sie in die Klinik gegangen sei, sagte der Oberstaatsanwalt. Eine Verbindung zwischen der Frau und dem Pfleger habe zunächst jedoch nicht ermittelt werden können.
Spurensicherung vor dem Elisabethen-Krankenhaus: Noch Stunden nach der Tat war offen, was die Täterin dazu brachte, drei Menschen zu töten und weitere zu verletzen.
Der Tatort, speziell die gynäkologische Abteilung sowie die Wohnung und Kanzlei der Juristin, blieben auch am Montag abgesperrt.