Luftfahrt Der Absturz des roten Adlers
"Hallenfertiger" Prototyp: Auf Wunsch der SED-Spitze wurde der erste Prototyp der 152 rechtzeitig zum "Tag der Arbeit" am 1. Mai 1958 der Öffentlichkeit präsentiert. Kaum jemand wusste bei der symbolischen Übergabe an SED-Chef Walter Ulbricht, dass die Maschine überhaupt nicht flugtauglich war - die Triebwerke waren nur Attrappen. Um den Termin zu halten, erfanden die Konstrukteure eigens den Bauzustand "hallenfertig".
Startvorbereitung: Am 4. März 1959 sollte die 152 vor den Augen des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow in Leipzig einschweben und den Gast gebührend beeindrucken. Das Flugzeug hob planmäßig in Dresden-Klotzsche ab, stürzte aber fünf Kilometer entfernt auf ein Feld. Alle vier Besatzungsmitglieder starben.
Prototyp mit Konstrukteuren: Der ehemalige Junkers-Chefkonstrukteur Brunolf Baade (l.) mit seinem Mitarbeiter Fritz Freytag (r.) vor einer 152 in der Halle des Dresdner Flugzeugwerks. Die Maschine war das erste vierstrahlige Düsenverkehrsflugzeug der Welt und sollte der ganze Stolz der DDR werden.
Hoher Besuch: SED-Chef Walter Ulbricht bei einem Besuch in den Flugzeugwerken Dresden. Ulbricht war sehr am Erfolg des Strahlverkehrsflugzeugs 152 gelegen - im März 1959 ließ er den Zweitflug des Prototyps eigens um ein paar Wochen vorverlegen, um KPdSU-Chef Nikita Chruschtschow bei dessen Besuch auf der Leipziger Messe zu beeindrucken.
Testpilot Güttel: Im August 1960 saß Testpilot Gerhard Güttel am Steuerknüppel eines zweiten Prototyps der 152 bei deren erstem Flug nach dem katastrophalen Absturz bei Dresden vom 4. März 1959, verständlicherweise "mit äußerst mulmigem Gefühl". Heute sieht sich der ehemalige Flugzeugingenieur die letzte verbliebene, liebevoll restaurierte 152 lieber am Boden im Dresdner Verkehrsmuseum an.
Die letzte 152: Nachdem das Prestigeprojekt "Strahlverkehrsflugzeug 152" vom SED-Politbüro im Sommer 1960 eingestellt wurde, geriet dieses Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte in Vergessenheit. Erst nach dem Ende der DDR machten sich Flugzeugenthusiasten auf Spurensuche und fanden schließlich einen letzten Rumpf der 152. Der Flugzeugrest wurde nach Dresden gebracht, dort restauriert und ist heute im Verkehrsmuseum der Elbmetropole zu besichtigen.
Montage der Triebwerksgondel: Die DDR-Führung scheute bei Entwicklung und Bau des "Strahlverkehrsflugzeugs 152" zunächst weder Kosten noch Mühen. Die besten Luftfahrtspezialisten wurden zusammengezogen, um ein modernes Düsen-Verkehrsflugzeug zu bauen. Es sollte die DDR mit einem Schlag an die Spitze der Luftfahrtnationen katapultieren - hier die Montage einer 152 im Dresdner Werk.
Flugzeug-Montagehalle: Während Dresden Mitte der Fünfzigerjahre noch zu einem großen Teil in Trümmern lag, wurde auf dem Gelände der ehemaligen Luftkriegsschule im Stadtteil Klotzsche ein modernes Zentrum für Flugzeugbau errichtet.
Fertigung einer 152: Das "Strahlverkehrsflugzeug 152" während der Montage in Dresden. Auch im Westen löste das Projekt Interesse aus. "Die Zone will Düsenflugzeuge bauen", titelte etwa die "FAZ".
"Roll out": Am 30. April 1958 wurde der DDR-Jet 152 auf dem Rollfeld des Flughafens Dresden-Klotzsche einem staunenden Publikum vorgeführt. Mit dem Passagierflugzeug wollte die DDR im internationalen Luftfahrtgeschäft aus dem Nichts direkt an die Spitze - und scheiterte.
Start zum letzten Flug: Der erste Prototyp des "Strahlverkehrsflugzeugs 152" bei seinem letzten Start am 4. März 1959. Eigentlich sollte das Flugzeug kurze Zeit später für Filmaufnahmen in geringer Höhe über die Startbahn des Dresdner Flughafens fliegen, doch die DEFA-Filmcrew wartete vergeblich - die 152 war abgestürzt.
Werbung für die "152": Die DDR-Funktionäre waren vom Erfolg der 152 fest überzeugt. Bereits vor dem Erstflug wurden Werbeprospekte gedruckt, die die den DDR-Jet als modernes Mittelstreckenverkehrsflugzeug für bis zu 72 Passagiere präsentierten.