Luftfahrt Wer am meisten leidet
Riese mit Verspätung: Als erstes Passagierflugzeug mit durchgehend zwei Decks brachte Airbus den A380 auf den Markt. Werden nur Economy-Sitze eingebaut, passen mehr als 850 Passagiere hinein. Die Auslieferung des Riesenfliegers begann im Oktober 2007 - mehr als ein Jahr später als angekündigt.
Deshalb muss Airbus auf Millionen verzichten, die Kunden nun weniger für die Flugzeuge zahlen. Doch die Kinderkrankheiten scheinen längst nicht ausgemerzt. Emirates, größter A380-Besteller, klagte im Frühjahr über Qualitätsmängel, wegen denen mehrfach Maschinen nicht starten konnten.
Nun droht neues Unheil, denn ...
... 200 Maschinen sind bislang bestellt, doch mehrere Fluggesellschaften wollen den teuren Kauf wegen akuter Probleme hinauszögern. Auf der Jahresversammlung des internationalen Luftfahrtverbands IATA in Kuala Lumpur wurde zudem spekuliert, dass die Leasing-Gesellschaft ILFC und Thai Airways erwägen, insgesamt 16 Bestellungen zu stornieren.
ILFC betonte, dass noch nichts entschieden sei. Doch ILFC-Chef Steven Udvar-Hazy ist überzeugt: Es gibt weit weniger Strecken, auf denen sich der Einsatz des A380 lohnt, als früher gedacht. Viele Fluglinien hielten den Einsatz der Riesenmaschinen für zu riskant, zumal jetzt in der Krise, sagte Udvar-Hazy der "Süddeutschen Zeitung".
Ungeliebter Frachter: Für den A380F fehlt schlicht die Nachfrage, Airbus nennt auf seiner Internet-Seite keine Bestellzahlen mehr. Das Logistikunternehmen FedEx hatte seine Order storniert, Emirates nimmt lieber Passagiermaschinen, auch UPS bekommt nach einer Einigung mit Airbus vorerst keinen A380F.
Der Luftfahrtkonzern hat das Projekt ausgesetzt, bevor es richtig anlief. Berichten zufolge erwägt Airbus zwar, den Riesenfrachter im Jahr 2015 wieder auf den Markt zu bringen. Mancher Branchenprophet hält ein Aufleben der Frachtversion aber für ausgeschlossen. "Der Frachter ist tot", sagte ILFC-Chef Steven Udvar-Hazy Anfang Juni der "Süddeutschen Zeitung".
Militärvogel am Boden: Vorgestellt wurde der A400M am 26. Juni 2008 - bislang ist er allerdings noch nicht geflogen. Airbus hinkt dem Zeitplan etwa drei Jahre hinterher. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat das Unternehmen deshalb aufgefordert, bis Ende Juni einen klaren Zeitplan vorzulegen, ...
... dann will Jung mit seinen Ministerkollegen der sieben europäischen Kundenstaaten entscheiden, ob sie an dem Militärprojekt festhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy haben am Donnerstag eine Verlängerung der Frist um sechs Monate erwogen. Bei Airbus geht man vom einem Erstflug im November aus - vorausgesetzt, dass bis dahin einsatzfähige Triebwerke geliefert werden. Geht alles glatt, will Airbus Ende 2012 oder Anfang 2013 den ersten A400M übergeben.
Wegen der Verzögerungen haben die Kundenstaaten das Recht, ihre Order zu stornieren. Sie würden dann aber ohne modernes Transportflugzeug dastehen. Und Airbus müsste Anzahlungen in Höhe von rund fünf Milliarden Euro erstatten.
Teurer Verkaufsschlager: Als Airbus mehrfach die Auslieferung des A380 verschieben musste, fühlte sich Boeing noch auf der Siegerseite. Doch dann bekam auch der Luftfahrtkonzern aus Seattle Probleme mit seinem neuen Langstreckenmodell 787, das im Juni 2007 vorgestellt wurde.
Zwei Jahre später steht nun nach zahlreichen Verzögerungen der Erstflug an. Bis der "Dreamliner" Boeing Gewinne beschert, wird es aber noch dauern, denn ...
... mehrfache Nachbesserungen an der Konstruktion kommen den Konzern teuer zu stehen. Boeing räumte bereits ein, dass der Flugzeugbauer zunächst mit der 787 kein Geld verdienen wird.
Ein Trost für den Konzern: Fluggesellschaften haben schon mehr als 800 Exemplare bestellt, so dass die Gewinnschwelle zwar später als erhofft, aber wohl doch sicher erreicht wird.
Flugzeugvermieter im Angebot: In der Rezession reisen weniger Passagiere, die Fluggesellschaften benötigen weniger Maschinen - und ein Anbieter, der Flugzeuge vermietet, findet weniger Abnehmer. Ein Szenario, das auch dem Leasing-Unternehmen ILFC - mit rund tausend Flugzeugen weltgrößter Vermieter - droht. Doch das ist nicht das einzige Problem von ILFC-Chef Steven Udvar-Hazy, ...
... hinzu kommt, dass die ILFC-Mutter, der verstaatlichte US-Versicherer AIG, die Leasing-Tochter verkaufen will. Zwar arbeitet ILFC profitabel. Für den Kauf neuer Flugzeuge benötigt das Unternehmen aber Kapital, das sich in der aktuellen Lage der Finanzbranche und wegen der Krise der Mutter AIG sehr viel schwerer beschaffen lässt als früher.
Derzeit sieht es so aus, als würde ein Konsortium unter der Führung des kanadischen Finanzivestors Onex Corporation die ILFC übernehmen.
Glücklicher Hubschrauberhersteller: Für Helikopter scheinen andere Marktgesetze zu gelten als für Flugzeuge. Während in der Luftfahrtbranche insgesamt die Bestellzahlen sinken, meldet der weltgrößte Hubschrauberhersteller - die EADS-Tochter Eurocopter - volle Werkshallen. 2009 könne trotz Krise "ein gutes Jahr werden", sagte Eurocopter-Chef Lutz Bertling der Tageszeitung "Die Welt". Und das, obwohl ...
... es einige Stornierungen gegeben habe. Der Auftragsbestand liege leicht höher als Ende 2008. Dass das Unternehmen bislang keinen dramatischen Einbruch bei den Bestellungen erlebt hat, führt Eurocopter auf die unverändert hohe Nachfrage von Sicherheitsbehörden und aus dem militärischen Bereich zurück. Allerdings könne es schon 2010 deutlich schlechter aussehen, wenn nicht mehr leichte Hubschrauber bestellt werden.