Luftfahrtpionierin Amy Johnson - DER SPIEGEL
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Luftfahrtpionierin Amy Johnson Die fliegende Sekretärin

Jung, blond, schön - Pilotin! Als Amy Johnson 1930 zu ihrem Rekordflug nach Australien aufbrach, wurde sie belächelt und von der Presse ignoriert. Als sie landete, war sie ein Superstar. Doch die Frau, die in die Luft gegangen war, um eine Männerdomäne aufzumischen, wurde am Boden nicht glücklich.
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Propeller- statt Schreibmaschine: Ihren Job als Sekretärin hatte Amy Johnson 1929 an den Nagel gehängt und stattdessen Flugunterricht genommen. "Ich war entschlossen, der Welt zu zeigen, dass eine Frau eine gute Pilotin sein konnte", erklärte sie damals ihre Entscheidung. Im Mai 1930 meisterte die Engländerin mit ihrer giftgrünen Propellermaschine (Foto) als erste Frau die Strecke England-Australien - sie war erst 27 Jahre alt.

Foto: Fox Photos/ Getty Images
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Sponsored by Daddy: Ohne die finanzielle Unterstützung ihres gutsituierten Vaters hätte Amy Johnsons Traum vom Fliegen nicht wahr werden können. Er bezahlte die Flugstunden und beteiligte sich auch an der Finanzierung von Amys erster Maschine - einer gebrauchten Gypsy Moth von de Havilland (G-AAAH), die sie einem Ölmagnaten abkaufte. Amy, auch gelernte Flugzeugmechanikerin, machte den Doppeldecker mit dem offenen Cockpit wieder fit, verpasste ihm einen grünen Anstrich und benannte ihn zum Dank an ihren Vater nach dem Familienbetrieb, einem Fischgeschäft, "Jason".

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Abenteuer mit "Jason": Auf ihrem 18.000 Kilometer langen Flug von England nach Australien war Amy Johnson einige Male in bedrohliche Situationen geraten. Ein Sandsturm zwang sie zur Notlandung in der Wüste, sie geriet zudem in einen schweren Monsunregen, der ihr einen ungeplanten Zwischenstopp im Dschungel bescherte. Dennoch kam die unerfahrene Pilotin, die bis dato nur bei schönem Wetter geflogen war, unversehrt in Australien an. Das Foto zeigt sie 1930 in ihrem Einsitzer "Jason" im Flug über Hawthorne, einem Vorort von Brisbane.

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Heil gelandet: Die britische Pilotin Amy Johnson setzt nach ihrem abenteuerlichen Soloflug auf einem Flugplatz in der Hafenstadt Darwin auf. "Obwohl ich nicht religiös bin", schrieb sie später, "glaube ich doch, dass ich einen Schutzengel hatte."

Foto: Getty Images
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Umjubelt: In Brisbane war Amy Johnson (im zweiten Wagen stehend) bei ihrer Ankunft am 29. Mai 1930 wie ein Star frenetisch begrüßt worden. Zwar hatte die junge Engländerin ihr ehrgeiziges Ziel, den Rekord des australischen Piloten Bert Hinkler zu brechen, der die Strecke in 15 Tagen geschafft hatte, nicht erreicht. Doch war sie die erste Frau, die diese Route allein geflogen war.

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Künstliches Lächeln: Ihr wohlhabender Vater hatte nicht nur ihren Flugunterricht gezahlt, sondern auch ihr Gebiss. Als 14-Jährige hatte seine sportbegeisterte Tochter bei einem Cricket-Spiel die Vorderzähne verloren. Amy Johnson soll sich ihr Leben lang entstellt gefühlt haben, auch die neuen Zähne gaben ihr die Selbstsicherheit nicht zurück.

Amy Johnson während einer Feier ihr zu Ehren im Rathaus von Brisbane, Juni 1930

Foto: AP
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Im Siegesrausch: Während bei ihrem Abflug am 5. Mai 1930 in Crayton nur ihr Vater, eine Freundin und eine Handvoll Fliegerkollegen dabei waren, wurde sie 19 Tage später in Brisbane von Tausenden Fans in Empfang genommen. Und die Presse, die vorher kaum Notiz von der unbekannten Pilotin und ihrem waghalsigen Projekt genommen hatte, feierte sie nun als "Königin der Lüfte". Auch...

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...in ihrer Heimat England wurde Amy Johnson nach ihrer Rückkehr auf dem Croydon-Flugplatz wie eine Heldin gefeiert und von Hunderten Menschen begrüßt. Auch vom Königshaus bekam sie Anerkennung: King George V. machte sie zum "Commander of the Order of the British Empire" (CBE) und erhob Johnson damit in den Ritterstand.

Foto: Getty Images
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Prominentes Piloten-Paar: Amy Johnson und ihr Mann James Allan Mollison, den sie 1932 geheiratet hatte. Ein Jahr nach der Hochzeit gelang den beiden...

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...der erste Nonstop-Flug in dem Doppeldecker "Seafarer" über den Atlantik von Pendine Sands, Südwales, in die USA.

Foto: Getty Images
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Piloten-Ferien: Im Sommer 1933 besuchten Amy Johnson-Mollison (zweite von rechts) und ihr Mann (rechts) den Autor George Palmer Putnam und seine berühmte Gattin, die Pilotin Amelia Earhart, in den USA. Gemeinsam mit den Putnams feierten die Mollisons dort ihren ersten Hochzeitstag. Amy hatte ihre Kollegin Earhart - die erste Frau, die allein über den Atlantik und Pazifik flog - während einer Vortragsreise kennengelernt.

Foto: AP
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Liebesaus nach sechs Ehejahren: Jim Mollison blieb Amy Johnson nicht lange treu, der Pilot wurde zum Trinker. Seine Frauengeschichten und Alkoholexzesse führten 1938 schließlich zur Scheidung. Das Foto zeigt die Mollisons im Februar 1933, erst ein halbes Jahr verheiratet, beim Abschied am Lympne-Flugplatz in der englischen Grafschaft Kent, von wo aus Amy ihren Soloflug nach Südafrika startete.

Foto: Getty Images
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Abermals Bestleistung: Amys Mutter, links, begrüßt im September 1931 ihre Tochter, die gerade von ihrem Flug London-Tokio zurückgekehrt ist. Für die etwa 16.000 Kilometer lange Strecke hatte die junge Fliegerin nur zehn Tage gebraucht - und damit den bestehenden Rekord unterboten.

Foto: AP
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Flieger-Fashion: Die italienische Designerin Elsa Schiaparelli versuchte in den dreißiger Jahren, bequeme und zugleich elegante Mode für die "reisende Frau" auf dem Markt zu etablieren. Hier präsentiert Amy Johnson, die meist praktische Knickerbocker auf ihren strapaziösen Flügen getragen hatte, Schiaparellis neueste Kreation: ein dunkelblaues, tailliertes Baumwollkostüm.

Foto: Getty Images
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Liebling der Nation: Tausende Engländer waren im Dezember 1932 zum Redaktionsgebäude des "Daily Express" in London gekommen, um ihre fliegende Landsmännin nach ihrem Rekord-Soloflug nach Kapstadt zu begrüßen. Das Bonbon für die depressive und launische Amy: Mit dem Südafrika-Flug hatte sie ihrem Gatten Jim, dem bisherigen Rekordhalter auf der Strecke, die Bestmarke abgenommen.

Foto: Getty Images
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Für immer eine Luftfahrtlegende: Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Amy Johnson - hier mit ihrem ersten Flugzeug, einer de Havilland Gypsy Moth - als Pilotin bei der Air Transport Auxiliary. Am 5. Januar 1941 stürzte sie bei einem Routineflug mit ihrer Maschine in die Themse. Ihre sterblichen Überreste wurden nie gefunden.

Foto: Getty Images
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Zu Ehren von Amy: Ein Jahr nach ihrem Todestag kam der Propaganda- und Kriegsfilm "They Flew Alone" heraus, der auf dem Leben der britischen Pilotin basierte. Anna Neagle spielte Johnson, Robert Newton ihren Mann.

Foto: Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?