Luxusparfüms Der animalische Duft der Krise
"Der goldene Duft der Krise": Das edle Parfüm "Joy" in einem Baccarat-Kristallfläschchen - für einen Flakon des 1930 kreierten Duftes benötigte man 336 Rosen und mehr als 10.000 Jasminblüten. Sein Schöpfer Henri Alméras arbeitete von 1925 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs für Jean Patou. Nach dem Krieg versuchte er sich unter anderem an einer eigenen Parfümlinie - erfolglos.
Hotel Waldorf-Astoria: Das New Yorker Hotel an der Park Avenue und 49. Straße wurde 1931 fertiggestellt. In den dreißiger Jahren wurden hier für die High-Society rauschende Feste gegeben - trotz Weltwirtschaftskrise.
Herrin des Glamours: Die Königin der New Yorker Partyszene in den Dreißigern war Elsa Maxwell (M., hier 1954 mit zwei Tänzerinnen der Show "The Frog"). Sie selbst hatte kein Geld und lies sich von reichen Gönnern aushalten - dafür organisierte sie die schrägsten Partys der Metropole.
Prête-A-Porter: Ein Modell präsentiert 1977 in Paris ein seidenes Konfektionskleid von Jean Patou. Mit seinem Duft "Joy" wollte der Modemacher zur Zeit der Weltwirtschaftskrise reichen Amerikanerinnen ein "Trostgeschenk" machen - dafür, dass diese es sich nun nicht mehr leisten konnten, zum Shoppen nach Paris zu kommen.
Joy: Der Parfümeur Henri Alméras kreierte 1930 das bis dahin in der Herstellung teuerste Parfüm. "Joy" enthält mehr als 15 Prozent Rosen- und Jasmin-Anteile, eine Note Hyacinth, verschiedene Aldehyde sowie einige heute kaum mehr verwendete Duftstoffe.
Suppenküche: Die High Society New Yorks traf sich auch in den Jahren der Weltwirtschaftskrise zu exklusiven Partys mit Kaviar und Champagner - zur selben Zeit, als in den Straßen die Suppenküchen für Bedürftige öffneten.
Jean Patou mit Mannequins: Der 1897 in der Normandie geborene Designer eröffnete 1914 sein Modehaus in Paris. 1925 entwickelte Henri Alméras mit "Amour Amour", "Que sais-je?" und "Adieu sagesse" die ersten Parfüms für Patou.
Schlangestehen für Kohle: Während die High-Society von New York exklusive Partys feierte, ging es für die meisten Amerikaner um die nackte Existenz - zum Beispiel beim Schlangestehen, um kostenlos Kohle zu erhalten.
"Amour Amour": Parfüm von Jean Patou. Mit seinen Düften versuchte der französische Modemacher, Parfüms allgemein alltagstauglicher zu machen. Die moderne Frau sollte sie auch beim Sport oder bei der Arbeit tragen können und nicht mehr nur zu Abendveranstaltungen. Eine Ausnahme bildete einzig der exklusive Duft "Joy".
Josephine Baker: Die Tänzerin und Schauspielerin in einem Kleid von Modeschöpfer Jean Patou.
Der Schick der Vierziger: Eine junge Frau präsentiert ein Ski-Outfit des französischen Designers Jean Patou.
Skizze von Jean Patou: Als Jean Patou das exklusive Parfüm "Joy" nach einigen Jahren auch auf dem freien Markt anbot, wurde es unverzüglich zum Verkaufsschlager. Patou verdiente an dem Duft bald mehr als mit seiner Mode.
Der Modemacher: Jean Patou, hier in einer Aufnahme von 1926, setzte mit seinem Duft "Joy" auf gesellschaftliche Abgrenzung. Das Parfüm war ausschließlich in Kreisen verbreitet, die sich auch mitten in der Weltwirtschaftskrise jeden Luxus lesiten konnten - und die sich gerade aufgrund des sie umgebenden Elends noch deutlicher von den Mittellosen absetzen wollten.
"Amour Amour"-Plakat: Die Herstellungskosten des Parfüms "Joy" übertrafen die aller vorangegangenen Kreationen des Franzosen Jean Patou, etwa seiens Klassikers "Amour Amour". Durch die geschickte Vermarktung machte sich der Aufwand jedoch mehr als bezahlt.
Die Mode Patous: Eine Frau posiert 1923 in einem knöchellangen Mantel des Modeschöpfers Jean Patou.
Arbeitssuchend: Eine Gruppe arbeitsloser Männer steht 1931 im Regen vor einer Arbeitsagentur in der Sixth Avenue in New York. Der Börsencrash und die sich anschließende Weltwirtschaftskrise hatte viele Amerikaner ins Elend gestürzt.
Elsa und Wallis: Noch bis ins hohe Alter war Elsa Maxwell von keiner Feier in New York wegzudenken. Hier unterhält sie sich mit der Herzogin von Windsor, Wallis Simpson, auf einem Ball 1959 im Hotel Waldorf-Astoria.
Dufte Innovationen von Jean Patou: "Le Sien" von Jean Patou kam 1929 auf den Markt und gilt als das erste Unisex-Parfum. Der Produktname bedeutet übersetzt "Seines" - wird in diesem Inserat jedoch für Sportdamen angepriesen. Der knappe Text erklärt, dass es sich um ein "Freiluftparfum sportlicher Kameradschaft" handelt - ein Schelm, wer dabei an nicht olympische Sportarten denkt.
HUILE DE CHALDÉE, das duftende Öl mit Sonnenschutzfunktion, wurde bereits 1927 eingeführt und war das erste Sonnen-Öl. Dass es tatsächlich auch "bronzierte", also einen Selbstbräunungszweck erfüllte, darf bezweifelt werden.