Machtspiele Der Fall Strauss-Kahn
Dominique Strauss-Kahn nach seiner Stimmabgabe in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl: Strauss-Kahn galt lange als gefährlichster Herausforderer von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.
Doch nach einem - inzwischen eingestellten - Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung ist Strauss-Kahn, hier noch in seiner Rolle als IWF-Chef im Februar 2011 in Paris, politisch erledigt. Wegen der Affäre gab er seinen IWF-Posten ab.
Der amerikanische Journalist Edward Epstein schildert in seinem neuen Buch "Drei Tage im Mai - Sex, Überwachung und DSK", welche Folgen die Affäre für Strauss-Kahn und die französische Politik hatte. Epstein hatte bereits in einem Artikel für die Zeitschrift "New York Review of Books" die Frage erörtert, ob Strauss-Kahn Opfer einer Abhöraktion von Sarkozys Partei UMP war oder gar in eine Falle gelockt wurde, um ihn durch den Vorfall im Sofitel als potentiellen Gegenkandidaten auszuschalten. Die UMP dementierte heftig.
Hintergrund der Geschichte: Am 14. Mai 2011, so der Vorwurf des Zimmermädchens Nafissatou Diallo, habe Strauss-Kahn sie in einer Suite des Sofitel-Hotels in New York vergewaltigt. Die Anklage wurde fallengelassen.
Strauss-Kahn, der schon im Flugzeug saß, das ihn nach Frankreich bringen sollte, wurde festgenommen.
Eine Polizistin betritt das Luxushotel: Die Behörden in den USA nahmen Ermittlungen auf.
Später veröffentlichte Überwachungsbilder zeigen, wie Strauss-Kahn aus dem Hotel auscheckte und...
...in ein Taxi stieg.
Der Fall war international das beherrschende Thema jener Tage.
Gegen eine Kaution von einer Million Dollar kam Strauss-Kahn aus der Untersuchungshaft frei, wurde aber unter Hausarrest gestellt.
Seinen Hausarrest verbrachte Strauss-Kahn zunächst im Haus seiner Frau Anne Sinclair in New York. Das Medieninteresse war riesig.
Später zog Strauss-Kahn in dieses Gebäude in Manhattan um.
Strauss-Kahn mit seiner Frau am 23. August 2011 vor dem Gericht in New York: An diesem Tag wurde die Anklage gegen ihn fallengelassen.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor den Richter gebeten, die Anklage fallen zu lassen, weil die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin Nafissatou Diallo stark beschädigt war. Sie hatte sich wiederholt in Widersprüche verwickelt und gelogen.
Diallo hat gegen Strauss-Kahn auch eine Zivilklage eingereicht - das Verfahren läuft weiterhin.
Strauss-Kahn im Oktober 2011: Wenige Wochen später erschien ein Artikel des Journalisten Edward Epstein, der die Theorie aufstellte, Strauss-Kahn sei von politischen Konkurrenten überwacht worden, und die Vergewaltigungsvorwürfe seien Teil eines Komplotts, um Strauss-Kahn als politischen Rivalen auszuschalten.
Das Ansehen Strauss-Kahns dürfte sich so schnell nicht erholen: Bei einem Auftritt Strauss-Kahns im englischen Cambridge gab es Proteste von Frauenrechtlerinnen. Zudem läuft in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Strauss-Kahns mutmaßlicher Verwicklung in Sexpartys mit Prostituierten. Strauss-Kahn weist alle Anschuldigungen zurück.