Mail Art Underground im Dachgeschoss
20 Jahre Mauerfall: Der Kölner Horst Tress, ein altgedienter Mailartist, setzt die innere Spaltung der Deutschen auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall bildhaft in Szene.
Die Post ist da: Der Italiener Antonio Amato zeigt nicht nur, dass die Kunstpost die Mauer überwinden konnte, sondern auch, dass sie zu ihrem Einsturz beigetragen hat.
Diktatur der Postkarten: Eine Zusammenstellung von Postkarten aus der Mail Art-Ausstellung im Prenzlauer Berg-Museum, die das ebenfalls dort ausgestellte Projekt "Poesie des Untergrunds. Die Literaten- und Künstlerszene in Ostberlin" begleitet. Darunter befinden sich oben rechts die zwei umstrittenen Postkarten von Jonathan Meese.
Postkartenzusammenstellung: Eine weitere Postkartenwand aus der Ausstellung zeigt unter anderem unten rechts die Karte von Jürgen Kierspel aus Stuttgart, der sich heute noch gern an das "Tock, tock" der Mauerspechte erinnert.
Sie verlassen Ihr Gedächtnis: Mit der Verfremdung des Westberliner Grenzschildes "Sie verlassen den Amerikanischen Sektor" in "Sie verlassen Ihr Gedächtnis" prangert Gerd Börner die Verklärung der SED-Diktatur an.
Die Mauer wird durchsichtig: Der Italiener Lamberto Caravita hat eine der vielen Mauer-Postkarten, die Antonio Moreno Garrido von Spanien aus in die Welt gesandt hat, bearbeitet und nach Berlin geschickt - "Keine Mauern mehr für niemand", lautet wohl seine Utopie.
A Simulacrum of History: Der australische Konzeptkünstler David Dellafiora erklärt die Mauer zu einem Beweisstück von historischer Bedeutung.
Nur gut in der DDR: Der Thüringer Birger Jesch provoziert gern. Er bezieht sich hier auf eine Postkarte von Joseph Beuys, der 1984 behauptet hat, dass es Leute gibt, die nur in der DDR gut sind. Mail Art hatte für ihn damals einen sehr hohen Stellenwert, als er noch Betriebshandwerker bei der Reichsbahn war. Die Tapete hat der Konzeptkünstler selbst schabloniert, was in der Mail Art geschieht, erscheint ihm heute eher beliebig.
New Walls Coming Soon: Dede van der Roove aus Polen, weist darauf hin, dass neue Mauern an der Grenze der USA zu Mexiko, in Jerusalem und im Gazastreifen entstanden sind und weitere Mauern folgen werden.
Berlin Mur: Der Däne Mogens Otto Nielsen schickte ein Objekt, das die Mauerreste, die er einst aus Berlin mitnahm, enthält.
This is Dada: Der Italiener Claudio Romeo hat aus einem Mauerstück ein Readymade gemacht und es mit der Aufschrift "R. Mutt" versehen, mit der Duchamp einst sein legendäres Pissoir signierte.
Miethaie im Untergrund: Jörg Seifert aus Annaberg-Buchholz zeigt sich mit seiner schönen Arbeit sozialkritisch. Die Wende brachte auch eine Menge Probleme mit sich, wie die hohen Lebenshaltungskosten, unter denen gerade Künstler leiden, denen es in der DDR relativ gut ging. Für ihn sind Grundstücksspekulanten dafür verantwortlich und so sieht er Miethaie im Berliner Untergrund und anderswo in der ehemaligen DDR.
Diktatur der Kunst: Jonathan Meeses "Diktatur der Kunst" zielt auf eine Erweiterung des Kunstbegriffs ab, die noch radikaler ist, als die einst von Beuys geforderte.
9. November: Judy Skolnick hat mit einer schönen bunten Zeichnung die Stimmung der Maueröffnung von 1989 eingefangen.
Frips und Maggi: Der Belgier Frips schickte den kleinsten Beitrag, den Entwurf für einen Stempel, und Ruggero Maggi aus Italien gestaltete ein Verkehrsschild um, das nun auf die erdrutschartigen Veränderungen der Welt seit 1989 hinweist und, wie es scheint, vor Problemen wie der Globalisierung und dem Klimawandel warnen will.
The Wall: Blick in die Ausstellung und auf die große Installation von Steen Krarup aus Dänemark mit den Maßen von 290 x 434 cm.
Blick in die Aula: Viele der eingesandten Postkarten sind in der Fenster der ehemaligen Aula zu sehen. Links im Hintergrund ist der Schaukasten zu sehen, der u.a. Arbeiten von Dede van der Roove und Mogens Otto Nielsen enthält.
Schaukasten: Hier sind unter anderem die Arbeiten von Keith A. Buchholz, Dede van der Roove und Mogens Otto Nielsen zu sehen. Die komplette Ausstellung steht ab Februar 2010 nicht nur leihweise anderen Institutionen zur Verfügung, sondern daraus wird auch ein Bewerber für ihren ständigen Verbleib gesucht.