Top 5, Flop 5 der Chefs Überwiegend heiße Luft
Telekom-Boss René Obermann pflegt unter den Vorstandschefs der größten Dax-Konzerne die verständlichste Sprache. Kommunikationswissenschaftler der Uni Hohenheim haben die Redetexte der 30 Konzernchefs auf die Qualität der Sprache hin untersucht. mehr .
Die Autoren haben die Verständlichkeit mit Punkten bewertet. Zehn Punkte sind demnach so leicht zu verstehen wie eine Radiomoderation, 0 Punkte so komplex wie eine Doktorarbeit. BMW-Chef Norbert Reithofer kommt als Zweitplatzierter auf 6,5 Punkte. Sein Telekom-Kollege Obermann bringt es auf 7,2.
Es folgen fast gleichauf Infineon-Vorstand Peter Bauer (5,9),...
...Daimler-Mann Dieter Zetsche (5,8) und...
...Siemens-Chef Peter Löscher (5,7).
Besondere Aufmerksamkeit dagegen erfordern die Ansprachen von Michael Diekmann, dem Vorstandsvorsitzenden des Allianz-Konzerns. Er bringt es nur auf 1,9 Punkte.
Ebenso schwer fällt es, den Reden von Post-Chef Frank Appel (1,8) zu folgen.
Olaf Koch war bis vor kurzem nur für die Finanzen des Metro-Konzerns zuständig, seit dem Jahreswechsel sitzt er dem Vorstand vor. Seine Antrittsrede vor den Aktionären bewerteten die Kommunikationswissenschaftler der Uni Hohenheim mit 1,3 Punkten von 10.
Knapp dahinter liegt Ulf Schneider vom Medizinkonzern Fresenius (1,1).
Am schlechtesten schneidet Wolfgang Reitzle vom Gashersteller Linde ab: Er bekommt 1,0 Punkte. Die Studienautoren befinden, dass er ebenso gut eine Doktorarbeit verlesen könnte.
Ein Beispiel seiner Formulierkunst: "Unter Punkt 8 der heutigen Tagesordnung legen wir Ihnen die Schaffung eines Bedingten Kapitals zur Ausgabe von Bezugsrechten an Mitglieder des Vorstands, an Mitglieder von Geschäftsleitungsorganen verbundener Unternehmen im In- und Ausland sowie an ausgewählte Führungskräfte unseres Konzerns im Rahmen eines sogenannten Long Term Incentive Plans 2012 vor."
Was er damit ungefähr gemeint haben könnte: "Wir wollen unseren Führungskräften mehr Geld zahlen."
Deutsche-Börse-Boss Reto Francioni kam auf 2,6 Punkte. Zudem wartete er mit dem längsten Bandwurmsatz auf, 68 Wörter und rund 500 Zeichen.
Im Wortlaut: "Hätten wir die Chance, die sich aus der industriellen Logik und den vielen Vorteilen für die Kapitalmärkte ergeben hätten und die von Ihnen nachvollzogen wurden und zu einer überragenden Akzeptanz des Zusammenschlussvorhabens von über 97 Prozent geführt haben, nicht zu nutzen versucht, hätten wir eine großartige Gelegenheit in Ihrem Interesse und im besten Interesse der Gesellschaft zur - in der Verantwortung des Vorstands liegenden - Fortentwicklung unseres Unternehmens verstreichen lassen."
Was er damit ungefähr gemeint haben könnte: "Der Zusammenschluss der beiden Firmen war die richtige Entscheidung."