Managerstürze Abservierte Machertypen
Chef von zwei Autokonzernen, zwei unschöne Karriereenden: 1999 trat Bernd Pischetsrieder nach einer öffentlich ausgetragenen Führungskrise bei BMW zurück, ihm wurde unter anderem die Krise mit Rover angelastet. Im Dezember 2001 wird er Nachfolger von Ferdinand Piëch als Volkswagen-Chef. Am 7. November 2006 teilt der Wolfsburger Konzern überraschend dessen Ablösung an der Spitze mit. Der Aufsichtsrat hatte erst im Mai seinen Vertrag bis 2012 verlängert. Grund für den Abtritt: Unstimmigkeiten mit Aufsichtsratschef Piëch.
Mit 45 wurde Thomas Middelhoff 1998 Vorstandschef der Bertelsmann AG. Nur vier Jahre später war Schluss; er überwarf sich mit dem Mehrheitsgesellschafter Mohn über die Firmenstrategie. Seit 2005 führt der Manager den Handelskonzern KarstadtQuelle.
Wolfgang Reitzle galt lange als Favorit für den BMW-Chefsessel - sowohl als Nachfolger für Eberhard von Kuenheim als auch von Bernd Pischetsrieder. Doch als Pischetsrieder 1999 über das Rover-Debakel stolperte, ging auch Reitzle. Er sah keine Chance für eine Berufung auf den Chefsessel. Reitzle wechselte im März 1999 zum Autobauer Ford, im Frühjahr 2002 wurde bekannt, dass er Chef des Mischkonzerns Linde wird.
Helmut Panke (im Bild) folgte Joachim Milberg im Mai 2002 als BMW-Chef; der hatte im Dezember 2001 überraschend aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angekündigt. Ähnlich überraschend kam Pankes Karriereende: BMW gab im Juli 2006 bekannt, dass der Manager vor Ende seines im Mai 2007 auslaufenden Vertrags zum 1. September 2006 ausscheiden muss. Grund war eine BMW-Regel, wonach Spitzenmanager mit 60 Jahren ausscheiden. Panke erreichte diese Altersgrenze Ende August 2006. Er wäre nach eigener Auskunft gerne länger geblieben.
Die Entscheidung des RWE-Aufsichtsrats, den Vertrag von Konzernchef Harry Roels nicht zu verlängern, stieß im April 2007 bei Aktionären auf Unverständnis. Die waren mit den Leistungen des Niederländers zufrieden. Der Aufsichtsrat begründete seine Entscheidung mit der Regel, dass es eine Altersgrenze für Topmanager im Konzern gebe: 60 Jahre. Da Roels diese Grenze noch nicht erreicht hat, bleibt er bis Ende Januar 2008 auf dem Chefsessel. Er wurde im Mai 2002 dorthin berufen.
Wolfgang Bernhard wurde im September 2002 Vorstandsmitglied bei DaimlerChrysler. Im Februar 2004 wurde er an die Spitze der Mercedes Car Group berufen - doch überraschend entschied der Aufsichtsrat dagegen. Ende Juli 2004 verließ er den Konzern. Im Oktober gab Volkswagen bekannt, Bernhard zum 1. Februar 2005 in den Vorstand zu berufen. Hier wurde er Chef der Markengruppe Volkswagen. Doch mit der Ablösung Pischetsrieders zerplatzten auch die Hoffnungen, die auf Bernhard lagen: Auch er musste Anfang 2007 gehen.
Jürgen Schrempp wurde 1995 Chef der Daimler-Benz AG. Sein Ziel war, aus dem Stuttgarter Autobauer eine "Welt AG" zu formen. Schrempp fädelte die Fusion mit dem defizitären US-Autokonzern Chrysler ein - ein Vorhaben, das jetzt als gescheitert gilt; DaimlerChrysler verhandelt über einen Verkauf der US-Tochter. Die Kritik der Aktionäre am "Welt AG"-Kurs nahm zu, im Juli 2005 gab Schrempp seinen Rücktritt zum Jahresende bekannt. Sein Befinden kommentierte er mit den Worten: "I am a very happy man."
Werner Seifert, Jazz-Fan und selbst Hobbymusiker, trat 1993 seinen Posten als Vorstandschef der Deutschen Börse an. Er brachte sie im Januar 2001 selbst an die Börse und erlöste rund eine Milliarde Euro. Fusionspläne mit der London Stock Exchange (LSE) misslangen 1998 und 2000, dagegen fusionierten die Börsen von Paris, Amsterdam, Brüssel und später Lissabon zur Euronext. Ein dritter Versuch, die LSE zu übernehmen, scheiterte 2004 - Deutsche-Börse-Anteilseigner kritisierten Seiferts Vorgehen scharf. Im Mai 2005 trat er zurück.
Die Deutsche Telekom war unter der Führung Ron Sommers an die Börse gegangen, das Papier sollte eine Volksaktie werden. Und tatsächlich, viele Tausend Menschen stiegen ein. Doch im September 2001 sackte die T-Aktie unter ihren Ausgabekurs. Gerüchte über einen Rücktritt Sommers machten die Runde. Im März 2002 musste Sommer ein tiefrotes Ergebnis präsentieren. Nach massivem Druck, unter anderem aus dem Bundeskanzleramt, gab Sommer im Juli 2002 seinen Rücktritt bekannt. Er war im Mai 1995 an die Konzernspitze gekommen.
Wenig Glück an der Telekom-Spitze hatte auch Kai-Uwe Ricke. Er kam im November 2002, als Nachfolger von Interims-Chef Helmut Sihler. Vier Jahre später, im November 2006, trat er zurück. Als Grund für seinen Abgang nannte die Telekom den rasanten Kundenrückgang in der Festnetzsparte T-Com. Auch schaffte Ricke es nicht, den Aktienkurs nachhaltig zu steigern. Dabei hatte er im März 2006 mit einem Gewinn von 4,66 Milliarden Euro das beste Ergebnis in der Konzerngeschichte vorgelegt.