Nischen-Oldtimer Marcos Es muss nicht immer Jaguar sein
Oldtimer der britischen Firma Marcos sind Exoten. Vor allem die Frontpartie hat etwas fischiges und ist nicht jedermanns Sache.
Gegen die geschwungenen hinteren Kotflügel dürften dagegen die wenigsten Ästheten etwas einzuwenden haben. Das Heck reißt abrupt ab wie beim berühmten Kamm-Wagen des Aerodynamik-Forschers Wunibald Kamm.
Eine technische Besonderheit des 3 liter-Modells verbirgt sich hinter dem medaillengroßen Drehknopf links vom Lenkrad.
Dabei handelt es sich um die Bedieneinheit der justierbaren Pedale. Denn diese - nicht der fest verschraubte Fahrersitz - lassen sich in der Position verstellen.
Typisch Marcos ist auch das nahezu senkrechte, verkleidete Holzarmaturenbrett, wobei das kleine Sportlenkrad in Bruns' Exemplar nicht original ist.
An den Rundinstrumenten lassen sich Öltemperatur, Tankstand oder Batterieladezustand ablesen. Das Licht wird per Kippschalter angeknipst. Ins Auge sticht der rote Knopf in der Mitte des Armaturenbretts. Leuchtet er nach Betätigung auf, stimmt auch der Bremsdruck.
Gefertigt wurden vom 3 litre mit Volvo-Reihensechszylinder-Motor nach Angaben des Swiss Marcos Club 172 Exemplare.
Das Sonnendach war ein aufpreispflichtiges Extra. Ungewöhnlich für die Zeit: die serienmäßigen elektrischen Fensterheber.
Nicht mehr ganz im Originalzustand ist der Motor unter der abschließbaren GFK-Haube, die sich - typisch für englische Sportwagen dieser Zeit - nach vorn öffnet und den Reihensechszylinder freilegt
Eingetragen ist der 4,27 Meter lange Zweisitzer mit 130 PS, Werksangaben für den Originalmotor belaufen sich auf 147 PS. Bruns' Exemplar ist mit neuen Stromberg-Vergasern versehen.
Wenn Bruns Gas gibt, röhrt der Volvo-Motor so laut, dass "man kein Radio mehr braucht".
Dafür hat der Rentner stets einen Werkzeugkasten im Kofferraum, denn passieren kann immer was. An Vergaser oder Elektrik zu schrauben - für Bruns kein Problem, schließlich kennt er sein Auto schon seit über 30 Jahren.
Bruns besitzt noch einen zweiten Marcos, einen seltenen 1800 GT mit Vierzylindermotor, der noch auf einem Holzchassis sitzt.
Wie es sich für einen richtigen Fan gehört, hat sich im Laufe der Zeit auch eine beachtliche Sammlung an Memorabilien, wie Marcos-Uhren, ein getöpferter Marcos und eine ganzer Fuhrpark an Marcos-Spielzeugautos in Bruns Wohnzimmer angesammelt
Ein Slot Car eines Marcos für eine Carrera-Bahn hat sich Bruns sogar individuell anfertigen lassen.
Eines der Spielzeugautos ist mit 125 Euro sogar richtig was wert. Von den normalen Spielzeugautos hat die Marke Corgi weit mehr als 800.000 Exemplare produziert.
Die Zahl echter Marcos liegt mit rund 2500 produzierten Einheiten bis zum Jahr 2007 dagegen sehr niedrig.
Darunter sind auch die 142 Mini Marcos der ersten Serie, dem Auto, das 1965 bei Le Mans zumindest ins Ziel fuhr. Hier ein Exemplar bei der Drivers Parade im Vorfeld des Le-Mans-Rennens 2018.
Ersatzteile besorgt sich Bruns in England. Die Versorgung mit Ersatzteilen ist angesichts des kleinen Marktes erstaunlich gut.