Margot Käßmann Starker Abgang
Margot Käßmann stand von Oktober 2009 bis Februar 2010 als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands vor.
Käßmann hatte sich am 20. Februar 2010 betrunken ans Steuer ihres Dienstwagens gesetzt und in Hannover bei Rot eine Kreuzung überquert.
Ein schwerer Gang: Nach ihrem Promillevergehen gab Margot Käßmann am 24. Februar 2010 den Rücktritt vom Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Bischofsamt bekannt.
Die 51-Jährige trat damals in Hannover vor die Presse und sagte zur Konsequenz aus ihrem Fehler: "Auch wenn ich ihn bereue und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinwegsehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind."
Käßmann wurde am 3. Juni 1958 in Marburg an der Lahn geboren. Sie promovierte über "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche" und wurde 1985 ins Pfarramt eingesetzt. Sie ist Mutter von vier Töchtern.
Seit 1999 stand die Theologin als Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover vor. Im Oktober 2009 war Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden und damit zur höchsten Repräsentantin von 25 Millionen evangelischen Christen gewählt worden. Sie war die erste Frau in diesem Amt.
Die 51-Jährige gilt als unprätentiös, bürgernah, bodenständig. Gerade ihre Fehlbarkeit machte sie zum Vorbild. Sie wurde zum Popstar des Protestantismus.
Der redegewandten und streitbaren Theologin ist ihre eigene Wahrhaftigkeit sehr wichtig - auch wenn ihr Gegenwind entgegenbläst.
Käßmann galt nicht nur als bekannteste Bischöfin Deutschlands, sondern auch als beliebteste.
Käßmann, der gern die Attribute "klein" und "zäh", bisweilen sogar "charmant" zugeschrieben wurden, hat sich in ihren Ämtern stets exponiert. Sie suchte die Öffentlichkeit, um ihre Botschaft zu propagieren. So trug sie als niedersächsischen Landesbischöfin im Sommer 2002 die Fackel der Special Olympics durch die Innenstadt von Hannover.
Seit ihrem Amtsantritt als EKD-Ratsvorsitzende hatte Käßmann mit Widerständen zu kämpfen. In ihrer Neujahrspredigt resümierte sie: "Nichts ist gut in Afghanistan" - und musste sich umgehend gegen harsche Kritik zur Wehr setzen.
Als problematisch für Käßmanns Ambitionen auf das höchste evangelische Kirchenamt galt lange auch der Umstand, dass die 51-Jährige sich von ihrem Ehemann Eckard - hier ein Foto aus dem Jahr 1999 - scheiden ließ.
Außerdem hatte sie als erste - zudem geschiedene - Frau an der Spitze von rund 25 Millionen Protestanten mit Vorurteilen zu kämpfen. So drohten Funktionäre der russisch-orthodoxe Kirche, den Dialog mit den Lutheranern aufzukündigen. Patriarch Kirill I. kritisierte die Wahl von Käßmanns und warf der EKD eine Mitschuld am Werteverfall in der Gesellschaft vor.
Käßmann mit ihrem hannoverschen Amtsvorgänger Horst Hirschler
In der Erklärung zu ihrem Rücktritt sagte Käßmann, ein Ratgeber habe ihr ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Weg gegeben: Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät. "Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", so die Theologin.