Marken-Exodus: Nur noch Etikett - DER SPIEGEL
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Marken-Exodus Nur noch Etikett

Mit der Handysparte von Siemens wechselt eine Traditionsmarke in den Besitz von ausländischen Investoren. Doch der Fall ist nur der jüngste einer ganzen Reihe - auf vielen Markenklassikern haftet lediglich noch das Etikett. SPIEGEL ONINE hat ein paar Beispiele zusammengetragen.
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Agfa
Agfa war über Jahrzehnte hinweg einer der größten europäischen Hersteller von Filmen und Laborausrüstungen. 1963 schlossen sich Agfa mit der Belgischen Gevaert zur Agfa-Gevaert-Gruppe zusammen. Auf den rasanten Markterfolg der Digitaltechnik wusste der Filmspezialist jedoch ebenso wenig eine Antwort wie seine Konkurrenten. Mitte 2004 verkaufte der Konzern den gesamten Geschäftsbereich Fotografie, der nun unter AgfaPhoto selbständig ist.

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Becks
Seit 1873 braut die Kaiserbrauerei Beck & May OHG Bier in Bremen. Gründer waren der Braumeister Heinrich Beck und der Kaufmann Thomas May. Nach dem zweiten Weltkrieg wird Beck's-Bier schnell zur Kultmarke in der ganzen Welt. Im Zuge der Konsolidierung macht die Belgische Brauerei InBev 2002 ein Angebot über 1,8 Milliarden Euro - ein Preis, zu dem die damaligen Besitzer nicht nein sagen können. Seitdem ist Beck's belgisch.

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Aral
Aral war immer die deutsche Marke unter den Kraftstoffen. Der Ursprung des Ölkonzerns geht bis ins Jahr 1898 zurück. Ab Ende der sechziger Jahre erwirbt Veba Oel Aral-Anteile und wird 2000 schließlich Alleineigentümer. Ein Jahr später verkauft E.on 51 Prozent der Veba an die britische BP. Seit 2002 wird die Aral von der Deutschen BP Aktiengesellschaft geführt. Insgesamt 2646 Aral Straßentankstellen und 91 Stationen an den Autobahnen verkaufen seitdem BP-Kraftstoff.

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Kümmerling
1938 hatte Hugo Kümmerling das Rezept für den bekannten Likör kreiert. Bei der Konzernmutter Allied Domecq, derzeit Zielscheibe eines Milliarden schweren Bieterwettstreits in der Spirituosenindustrie, kann man kaum den Namen aussprechen. "Kummerling", sagt der Unternehmenssprecher.

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Odol
Odol ist heute das Synonym für guten Atem schlechthin. 1893 von Karl August Lingner auf den Markt gebracht findet das Mundwasser schnell Verbreitung. Ende der dreißiger Jahre wird Odol in mehr als zwanzig Ländern hergestellt. 1945 werden die Dresdner Lingner-Werke völlig zerstört. 1949 sichert sich ein Düsseldorfer Betrieb die alleinigen Markenrechte. Inzwischen gehört die Marke dem US-Multi GlaxoSmithKline.

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Contax
Der Markenname Contax bürgt für Qualität im Bereich der Fotografie. Bereits 1932 brachte die Zeiss Ikon eine Kleinbild-Messsucherkamera mit diesem Namen auf den Markt, welche bereits über ein Objektivbajonett verfügte. In den siebziger Jahren begann eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Kamerahersteller Yashica. Yashica fusionierte 1979 mit Kyocera.

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Siemens
1847 legte Werner von Siemens den Grundstein für einen Weltkonzern. Kommunikation - damals noch Telegraphen-Bauanstalt genannt - war einer der wichtigsten Pfeiler, auf denen das Unternehmen seinen Erfolg gründete. Mit Handys hat der Konzern weniger Fortune, die großen Versprechungen bleiben unerfüllt. Seit Anfang dieser Woche ist klar, dass fortan die taiwanesische Firma BenQ die Regie führen wird.

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Grohe
Friedrich Grohe kauft im Jahre 1911 eine Installationsfirma und nennt sie einige Jahre später Friedrich Grohe Armaturenfabrik. In den Jahren darauf baut der Unternehmer mit großer Energie Europaweit Standorte auf. 1991 - acht Jahre nach dem Tod des Firmengründers - wagen seine Erben den Gang an die Börse. Nach weiteren Expansionen unter anderem nach China erwirbt 2004 ein Investorenkonsortium alle Grohe-Anteile. Sie wollen selbst gewinnbringende Werke in Deutschland schließen.

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Erasco
Erasco ist das Kürzel für die 1886 in Lübeck gegründete Konservenfabrik Paul Erasmi & Co. GmbH. Der Markenname wurde 1950 rechtlich geschützt. Heute gehört das Unternehmen zu Campbell's Germany und dieser zur weltweit operierenden Campbell Soup Company mit Hauptsitz in Camden, New Jersey in den USA.

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AEG
Von einer kleinen Glühlampenfirma stieg AEG schnell zu einem international bekannten Elektrokonzern auf. In den ersten Jahrzehnten besaß die Gesellschaft zahlreiche Fabriken in und um Berlin. In den siebziger Jahren begann der allmähliche Niedergang. 1996 schließlich wurde die AEG in mehrere selbständige Unternehmen aufgespaltet und hört damit praktisch auf zu existieren. 2004 erwirbt die Electrolux-Gruppe der globalen Markenrechte vom Vorbesitzer DaimlerChrysler.

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Grundig
Grundig galt lange Zeit als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Der Verkauf an den niederländischen Elektrokonzern Philips 1984 läutet den langsamen Abstieg ein. Die Holländer verkauften Grundig 1998, wegen der schlechten Erträge. Nach verlustreichen Jahren musste der Konzern schließlich im April 2003 Insolvenz . Kurz zuvor hatte der türkische Elektronikhersteller Beko Electronic die Fernsehsparte gekauft - für rund 80 Millionen Euro.

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Wella
Die Anfänge von Wella reichen bis 1880 zurück. Der damals 26-jährige Friseur Franz Ströher gründete den Betrieb. Erster Verkaufsschlager ist ein 1900 erfundener, wasserdichter Haartüll. Den Markennamen 'Wella' ließen sich die Söhne von Ströher 1927 für ihre Dauerwellapparate und dazugehörige Kosmetikartikel registrieren. 2003 übernahm der Konsumgütergigant Procter & Gamble für rund sechs Milliarden Euro 81 Prozent der Anteile.

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Opel
1862 begann Adam Opel in Rüsselsheim mit dem Bau von Nähmaschinen. Den Bau von Automobilen lehnte er strikt ab. Erst seine Söhne Wilhelm und Fritz von Opel legten den ersten Kraftwagen auf Kiel. Doch bereits wenige Jahre später verkauften die Brüder den Großteil der Aktien an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors. Der Verkaufspreis betrug für damalige Verhältnisse die horrende Summe von 120 Millionen Reichsmark. GM verpflichtete sich, den Namen "Opel" zu erhalten.

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Holsten
Die ersten 25 Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1879 findet Holsten-Bier seine Kunden hauptsächlich in Hamburg. Doch schnell beginnt die Brauerei zu wachsen, nicht zuletzt durch die Übernahme von Konkurrenten. Eine Strategie, die Holsten nach dem Krieg fortsetzt. Bald gehören Marken wie Feldschlösschen, Duckstein oder Licher zum Bier-Imperium. Doch durch die Konkurrenz im eigenen Hause gerät Holsten in die Krise. Schließlich übernimmt 2004 die Carlsberg-Brauerei das Ruder.

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