Polit-Roman "Keine Experimente" mit der Kanzlerin
SPIEGEL-Autor Markus Feldenkirchen beschreibt in seinem neuen Roman "Keine Experimente" die Verirrungen des jungen Konservativen Frederik Kallenberg aus dem Sauerland in der bedrohlichen Hauptstadt Berlin.
Kallenberg ist Bundestagsabgeordneter - und trifft in dieser Funktion auf die Bundeskanzlerin, die zugleich seine Parteifreundin ist. Sie bestellt ihn zu sich ins Büro, offenbar gibt es Wichtiges zu besprechen - doch Kallenberg hat keine Ahnung was.
"Ich trinke jeden Tag meinen Eierlikör", sagte die Kanzlerin. "Genau einen, nie mehr, aber auch nicht weniger. Ein paar kleine Freuden muss man sich auch in diesem Amt erhalten." Sie lächelte ihn freundlich an.
"Was ich Sie fragen wollte, Herr Kallenberg: Haben Sie eigentlich ein Problem damit, von einer Frau regiert zu werden?"
Sie schaute auf ihren Notizzettel. "Die Emanzipationsbewegung hat die Menschheit unglücklicher gemacht." Sie hob den Blick wieder vom Blatt und sah ihn an. "So etwas können Sie doch heutzutage nicht im Fernsehen sagen. Dafür sind Sie doch viel zu intelligent. Ein solcher Satz kostet uns tausende Wählerstimmen, ganz unabhängig davon, dass ich die Aussage für falsch halte."
"Wissen Sie was, Herr Kallenberg? Ihr ewiges Lamentieren von wegen 'Früher war alles besser' und 'Wir müssen unsere Wurzeln besser pflegen' geht mir, verzeihen Sie den Ausdruck, das geht mir ziemlich auf den Zeiger."
"Ich will, dass Sie Ihren Antrag für das Müttergeld zurückziehen. Und ich möchte, dass Sie bis zur Wahl keine Interviews zur Familienpolitik geben. Ich habe bereits zwei Wahlen gewonnen. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Beitrag zu Erfolg Nummer drei leisten würden."
Ob sich (der wohlgemerkt fiktive) Abgeordnete Kallenberg tatsächlich an den Befehl seiner (insbesondere fiktiven) Parteichefin hält, erfahren Sie in dem Roman "Keine Experimente" von Markus Feldenkirchen.