Martin Landau: Der Wandelbare - DER SPIEGEL
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Martin Landau Der Wandelbare

Er war einer der großen Darsteller Hollywoods - auch wenn Martin Landau oft in Nebenrollen zu sehen war. Seine Karriere nahm mit "Kobra, übernehmen Sie" Fahrt auf - aber seine größten Rollen spielte Landau mit über 60.
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Als Alfred Hitchcock ihm 1959 eine Nebenrolle in seinem Klassiker "Der unsichtbare Dritte" anbot, hatte Martin Landau schon am Theater am Broadway gespielt und war über 300 Mal in verschiedenen TV-Serien aufgetreten. Für Hitchcock gab er den Handlanger des von James Mason gespielten Schurken Vandamm. Er legte ihn subtil als Homosexuellen an - für die Zeit gewagt, Freunde rieten ihm davon ab.

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Ab den späten Fünfzigerjahren erlebte das Fernsehen in den USA einen ersten kreativen Höhenflug. Landau war einer der vielseitigsten Darsteller dieser Zeit, er spielte unter anderem in den Serien "Lawman", "Maverick", "Bonanza" und "Solo für O.N.C.E.L.". 1966 übernahm er die Rolle, die seine frühe Karriere prägen sollte: Die des Geheimagenten Rollin Hand. In "Kobra, übernehmen Sie" konnte Landau eine breite Palette von Charakteren spielen, denn Hand war ein Verwandlungskünstler und schlüpfte mit der Hilfe von Gesichtsmasken in die Haut von Diktatoren und Verbrechern.

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Bei "Kobra, übernehmen Sie" und auch bei der ebenfalls erfolgreichen Serie "Mondbasis Alpha 1" spielte Landau gemeinsam mit seiner Frau Barbara Bain. Sie gewann als erste Frau drei Emmys nacheinander. 1969 kam es zum Eklat: Landau stellte zu hohe Gagenforderungen und wurde aus "Kobra, übernehmen Sie" gestrichen. Bain verließ die Serie mit ihm - obwohl sie damit Vertragsbruch beging und für mehrere Jahre gesperrt wurde. Die Ehe der beiden brachte zwei Töchter hervor. Sie wurde 1993 geschieden.

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Nach dem Rauswurf bei "Kobra, übernehmen Sie" brach für Landau die schwierigste Phase seiner Karriere an. In seiner Rolle als Rollin Hand war er bekannt geworden, und es gelang ihm nicht, mit anderen Figuren im Gedächtnis der Zuschauer zu bleiben. Der Fall war tief: Landau verdingte sich in Billig- und Dutzendware, darunter Trash wie der Horrorfilm "The Being". Erst 1989 begann sein Wiederaufstieg mit einer Nebenrolle in Francis Ford Coppolas "Tucker".

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Endgültig zurück als respektabler Schauspieler war Landau mit einem der besten Filme von Woody Allen: "Verbrechen und andere Kleinigkeiten", ebenfalls von 1989. Der Film ist keine typische Allen-Komödie, sondern ein düsteres Drama und spielt mit Motiven von Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne". Das Drehbuch ist geprägt von einer dramaturgisch komplizierten Parallelstruktur.

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Landau spielt den verheirateten Augenarzt Judah, der eine Affäre mit der Stewardess Dolores beginnt. Die wächst ihm bald über den Kopf: Dolores verlangt, dass Judah sich von seiner Frau trennt und erpresst ihn. Judah fragt seinen Bruder, einen Kriminellen, um Hilfe. Der lässt Dolores von einem Auftragskiller umbringen. Judah wird von seinen Schuldgefühlen beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht.

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Aber eben nur beinahe: Am Ende des Films überwindet Judah seine Lebenskrise und lebt weiter, als wäre nichts geschehen. Die große Kunst in Landaus Darstellung des Judah besteht darin, dass er das Publikum an den Nöten seiner Figur teilhaben lässt, obwohl Allens Drehbuch ihm seine gerechte Strafe vorenthält und das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers absichtlich verletzt. Landau spielt gewissermaßen einen Mörder mit dem größtmöglichen Maß an Humanität. Er wurde für seine Leistung zum ersten Mal für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

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Für seinen nächsten Film bekam Landau die Trophäe dann endlich: "Ed Wood" von Tim Burton. In dem Biopic über den von Johnny Depp gespielten Regisseur war Landau als Bela Lugosi zu sehen. Die Geschichte dreht sich um die Dreharbeiten zu Ed Woods Horrorfilm "Die Rache des Würgers" (US-Titel: "Bride of the Monster", 1955), in dem der damals schon kranke und drogensüchtige Lugosi die Hauptrolle spielte.

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Tim Burtons Film wurde ein großer Erfolg und als Hommage an den Trashfilme gefeiert, in denen Landau selbst hatte einige Jahre lang auftreten müssen, um sich über Wasser zu halten. Wieder spielte er eine zwielichtige Figur - die er aber nie der Lächerlichkeit preisgab.

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Seine letzte Rolle spielte Martin Landau 2015 in dem Drama "Remember" von Atom Egoyan. Er spielte darin einen ehemaligen KZ-Häftling, der einen Freund davon überzeugt, in hohem Alter noch auf die Suche nach dem Blockführer zu gehen, der für den Tod ihrer Familien verantwortlich ist.

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Landau, der am legendären Actor's Studio in New York ausgebildet wurde, wusste immer sehr genau, was er wollte. Von seinen Regisseuren wünschte er sich vor allem, dass sie ihn in Ruhe ließen. In einem Interview sagte er: "Alles, was ich brauche, ist ein Spielplatz, auf dem ich mich entfalten kann. Ich mache mein Ding und ich denke mir: Wenn es nicht gefällt, dann wird es mir jemand schon sagen. Wenn mir niemand was sagt, dann mache ich es weiter." Am 15. Juli 2017 starb er in einem Krankenhaus in Los Angeles. Martin Landau wurde 89 Jahre alt.

Foto: Andy Rain/ dpa
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