Mauerfall Nach dem Taumel
Ost-Arbeitsplatz: Matthias Matussek am Schreibtisch seines Zimmers im Ost-Berliner Palasthotel, in dem sich der Reporter gleich nach dem Mauerfall einquartierte.
Mauerspecht Matussek: Der Autor meißelt 1990 Souvenire aus der bemalten Westseite der Berliner Mauer.
Gast vor Hotel: Das 1979 eröffnete Palasthotel war in Ost-Berlin das erste Haus am Platze. Der 600-Betten-Komplex verfügte über drei Bars, sieben Restaurants und ein Café. 2001 wurde das Hotel abtgerissen.
Sehenswürdigkeiten in Ostberlin: Das Palasthotel in Ost-Berlin am Alexanderplatz, aufgenommen 1986. Als Reporter Matthias Matussek hier im November 1989 eincheckte, zeigten ihm die Empfangsdamen deutlich, dass Besucher wie er aus dem Westen nicht erwünscht waren.
Fingerzeig von Matussek: Der SPIEGEL-Journalist im Gespräch mit Gregor Gysi während des Wahlkampfes für die ersten freien DDR-Wahlen im März 1990. Gysi war damals Frontmann der gerade in "Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) umbenannten, alten Honecker-SED.
"Wir sind das Volk!": Hunderttausende DDR-Bürger demonstrieren am 4. November 1989 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz - für West-Reporter Matthias Matussek ein "Bastille-Moment" der DDR-Bürgerrechtsbewegung.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-1104-437
Verliebt in Ost-Berlin: Während seines Aufenthaltes im Palasthotel lernte Matthias Matussek seine künftige Ost-Berliner Frau Ulrike kennen. 1991 heiratete das Paar und zog kurz darauf in die USA.
Ehepaar Matussek: Nach der Hochzeit 1991 blieben die Matusseks noch ein Jahr in Deutschland, bevor sie 1992 auf "neutralen Boden" in die USA zogen. Dort wurde zwei Jahre später ihr Sohn geboren. "Er ist also weder West- noch Ostdeutscher, sondern Amerikaner", sagt Matussek.
Sonntagsspaziergang in Eisenach: Bei seinen Reisen durch den deutschen Osten erlebte Autor Matthias Matussek die Noch-DDR - hier Eisenach 1990 - wie "die Kulissen einer elenden, erledigten Inszenierung".
Der Osten verglüht: Matthias Matussek neben Jakob Hein (mit Fahne), Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, bei einer Demonstration 1990. "Der Schlachtruf lautete: 'Osten verglüht, China ist jung, Rote Sonne grüßt Mao Zedong'", erinnert sich der SPIEGEL-Reporter.
D-Mark für DDR-Bürger: Zwei DDR-Bürger zeigen am 1. Juli 1990, dem Tag der deutsch-deutschen Währungsunion, begeistert ihre D-Mark-Scheine. In der Nacht zuvor hatte viele Ostdeutsche in die neue Ära hineingefeiert.
Paar im Palasthotel: Autor Matthias Matussek mit seiner künftigen Frau Ulrike 1990 im Ost-Berliner Palasthotel. "Für den typischen Westler war die DDR bis dahin nur die Nation, die im olympischen Medaillenspiegel regelmäßig über uns stand", notierte der Reporter. "Anders gesagt: Die DDR starrte häufig zu uns, aber der Westen starrte selten zurück."
Völkerkundler Matussek: "Wir West-Reporter waren damals Ethnologen", erinnert sich Autor Matthias Matussek, hier mit Freundin Ulrike 1990. "Aber es war eine Zeit des Abwartens, keiner wusste, wohin es geht."
Eine ehrliche Haut: Der SPD-Politiker Thomas Krüger erregte im Berliner Wahlkampf 1994 mit einem Nacktbild für Aufsehen. Vor dem Mauerfall hatte Krüger als Vikar in Eisenach und Berlin gearbeitet und sich in der oppositionellen "Kirche von Unten" engagiert.
Matussek und Modell: SPIEGEL-Reporter Matthias Matussek vor einem Modell des Todesstreifens an der Berliner Mauer 1990. "Man war verblüfft, wie schnell es mit dem Schreckenssystem zu Ende gegangen war", resümiert der Journalist.
Reporter und Politiker: Journalist Matussek mit Hans Modrow, der vormals SED-Bezirkschef von Dresden gewesen war, dann zum DDR-Ministerpräsidenten avancierte. Modrow war zwar belastet durch die manipulierten Kommunalwahlen von Mai 1989, galt aber als Reformer.