Mauergeschichten "Ich bin aus Ostberlin. Bitte helfen Sie mir!"
Jungens aus Ost-Berlin: Der Autor (2.v.l.) mit seinen Freunden in Ost-Berlin, Mitte der achtziger Jahre. "Nimand von uns glaubte damals an Zufälle", erinnert er sich an den Tag, als eine Möwe Lars, der sich für 25 Jahre bei der NVA verpflichtet hatte, auf den Kopf schiss.
Dampferfahrt: Auf unseren Dampferfahrten mit der Weißen Flotte von Treptow zum Müggelsee durfte ich (M.) während der Fahrt die Möwen im Fluge füttern. Mein kleiner Bruder Benny (l.) mochte keine Möwen und aß die harten Brotkrumen lieber heimlich selbst.
DDR-Frisur: Ein Teenager hatte es nicht leicht in Ost-Berlin - für diese Dauerwelle musste ich zwei Stunden lang beim Damenfrisör sitzen. Ich schaute die ganze Zeit verschämt aus dem Fenster. Aber ich wollte unbedingt wie Depeche-Mode-Sänger Martin Gore aussehen. Am Ende kam dabei doch nur eine Frisur "Made in GDR" heraus.
Ostsee-Möwe: Wenn Möwen weiß und grazil durch die Luft gleiten, verströmen sie ein unbeschreibliches Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit. Diese Möwe fotografierte ich bei einem Wochenendausflug in Stralsund.
Berlin, Alexanderplatz: Es gab für mich in meiner Ost-Berliner Kindheit keine andere Welt da draußen - wir hatten uns eine eigene, heile Welt geschaffen. Nur den Möwen stand in unseren Augen noch ein anderes Universum offen, in das sie spielerisch gleitend gelangten, einfach über die Mauer hinweg.
DDR-Neubaublocks: Genau vor unserem Wohnzimmerfenster im 9. Stock der Mollstraße schienen sich besonders gerne Möwen aufzuhalten, denen wir aus dem Fenster Krumen zuwarfen - oder sie auch schon mal mit Hilfe einer Angel einfingen. Hier spazieren mein kleiner Bruder Benny und ich mit unseren Urgroßeltern aus Leipzig durch "unser" Berlin. Für sie waren wir sicherlich kleine verzogene Monster.
Leninplatz in Ost-Berlin: Der Leninplatz mit dem schlangenförmigen "S-Block" im Hintergrund. Für mein Gefühl fielen hier fast wöchentlich Leute aus den Fenstern, besonders viele plumpsten aus dem S-Block. Für mich waren dies alles tragische Unfälle von Menschen, die sich aus Versehen beim Fensterputzen zu weit hinaus gelehnt hatten. Selbstmorde gab es in der schönen DDR eben nicht, lediglich zu tief eingebaute Fensterfronten.
Berliner Leninplatz: Das Denkmal auf dem ehemaligen Leninplatz in Ost-Berlin war für die Kinder der umliegenden Wohnhochhäuser ein beliebter Treffpunkt, so auch für Marko Schubert und seine Freunde.
Fliegende Grenzgänger: Möwen waren für mich zu DDR-Zeiten das Symbol für grenzenlose Freiheit - sie konnten einfach so über die Mauer segeln. Diese Möwe fotografierte ich später, als ich selbst reisen konnte, wohin ich wollte, im Abel-Tasman-Nationalpark in Neuseeland.