Mauerkunst "Privatkampf mit der DDR"
Militärische Dauerpräsenz: Peter Unsicker erlebte vor dem Schaufenster der Wall Street Gallery jeden Tag die militärische Dauerpräsenz der Alliierten. Obwohl die Zimmerstraße vollständig zum sowjetischen Sektor gehörte, patroullierten regelmäßig Soldaten der drei westlichen Schutzmächte vor seinem Fenster. Zudem waren oft auch bewaffnete DDR-Beamte vor seiner Werkstatt anzutreffen. Vermutlich gab es keinen anderen Bereich der Sektorengrenze, wo Zivilisten so direkt mit den militärischen Mächten konfrontiert wurden.
Wall Street Gallery: Außenansicht der Wall Street Gallery in der Zimmerstraße in Berlin. Die Galerie wurde von Peter Unsicker im November 1986 eröffnet und setzt sich seitdem mit der Teilung Deutschlands und der Berliner Mauer künstlerisch auseinander.
"Ich kann die Mauer nicht mehr sehen": Protest-Performance des Berliner Fotografen Stefan Andradi gegen die Mauer. Aufgenommen vor der Wall Street Gallery, unweit des Checkpoint Charlie.
Bewachte Kunst: Patrouillierende US-Soldaten vor der Wall Street Gallery. Im Hintergrund die "Arbeit am Verdorbenen", die erste wichtige Installation von Peter Unsicker an der Berliner Mauer.
Im Spiegel der Mauer: DDR-Grenzer vor der Installation "Spiegelzimmerstraße", Peter Unsickers Antwort auf Gorbatschows Glasnost (Transparenz).
Humvee vor der Berliner Mauer: Eine Patrouille der Alliierten vor der Wall Street Gallery. Zwischen dem Schaufenster der Galerie und der Berliner Mauer lagen noch nicht einmal fünf Meter.
Mauerbesucher: Touristen vor der Installation "Spiegelzimmerstraße" vor der Wall Street Gallery. Nach und nach hatte Peter Unsicker das Stück Mauer vor seiner Galerie mit Spiegel-Bruchstücken verziert - am Ende waren fast die gesamten 36 Quadratmeter Fläche vor der Wall Street Gallery bedeckt und vermittelten so die Illusion von Transparenz in der sonst so undurchdringlichen Mauer.
"Der Rote Preuße": Installation von Peter Unsicker anläßlich der 750-Jahr-Feier Berlins.
Bandfoto: Musiker vor der Installation "Arbeit am Verdorbenen" von Peter Unsicker.
Knochenschau im Niemandsland: Die Aktion "Transplantation" im Niemandsland vor der Wall Street Gallery. Die Mauer befand sich 4,50 Meter zurückversetzt von der Demarkationslinie auf DDR-Gebiet. Die eigentliche Grenze zwischen Ost und West verlief dagegen genau auf Höhe der Häuserfassade in der Zimmerstraße - also über die Türschwelle der Galerie.
Deutschstunde: Diese Installation wurde exakt am 25 Jahrestags der Errichtung der Berliner Mauer entdeckt und fotografiert. Erst später nach Vergrößerung des Bildes fiel mir die Hand unten links auf, die aus dem Osten durchzugreifen schien. Die "Deutschstunde" bezieht sich offensichtlich auf den Roman von Siegfried Lenz und könnte auch auf Nachhilfe(unterrichts)stunde für Politiker, Bürger und Touristen, über Mauern, Grenzen, Machtblöcke und den Status Quo hinweisen.
Dieses Abbild wurde häufig als Motiv für meine Ausstellungs-Einladungen gewählt.
Berliner Mauer Kunst - Foto-Dokumentation 1982-90 viersprachig - 9.Aufl., mit einem Text von Michael Nungesser
Junge Grenzposten aus dem Wachturm gegenüber: Am Tag nach der Maueröffnung am 10.11.89 war ich mit einem Bekannten von der DW aus Köln an der Mauer unterwegs und wir genossen die euphorische Stimmung der neuen Deutschen Geschichte an den verschiedenen Grenzübergängen und besuchten meinen alten Freund, Peter Unsicker, in seinem direkt an der Mauer gelegenen Atelier - WALL STREET Gallery - geöffnet nach Osten und Westen und nach Vereinbarung. Wie so oft davor, schenkte der Gastgeber Tee und vor allem wegen der unmittelbaren zeitgeschichtlichen Bedeutung auch Wein ein. Die beiden jungen Männer auf dem Foto erschienen plötzlich als Besucher der Galerie und erzählten uns, dass sie noch am Vortage auf dem Wachturm Dienst hatten und sich schon immer gewünscht hatten, diese Galerie irgendwann einmal zu sehen, sich das aber aus bekanntem Hintergrund ja nie hätten vorstellen können! Diese Wiedersehensfreude wurde entsprechend würdig gefeiert!
Stasi-Perspektive: Dieses Foto der Wall Street Gallery, aufgenommen vom Dach eines Gebäudes auf der Ostseite der Stadt fand Peter Unsicker nach der Wende im Stasi-Archiv.