Maueropfer Marienettas verschollene Bilder
Lehrling im Reifenkombinat: Marienetta Jirkowsky hatte an ihrer Ausbildung im Reifenkombinat Fürstenwalde, RKF, nicht viel Freude. Nachdem sie sich im Frühjahr 1980 häufig mit ihrem neuen Freund Peter traf, erhielt Marienetta Besuch von der Spreenhagener Volkspolizei. Man teilte ihr mit, dass sie, wenn sie weiterhin mit ihrem Freund "abhänge" und die Arbeit im RKF vernachlässige, mit zwei Jahren Gefängnis rechnen müsse.
Flucht in den Westen: Im Jahr 1980 verliebte sich Marienetta Jirkowsky, von ihren Freunden "Micki" genannt, in Peter Wiesner. Ihre Eltern waren mit der Beziehung nicht einverstanden. Als Micki sich trotzdem nicht von Peter trennte, schalteten sie die DDR-Behörden ein, die das Paar mit rigiden Methoden auseinanderzubringen versuchte. Am Ende blieb dem Pärchen nur die Flucht, die für "Micki" tödlich endete.
Tatort an der Mauer: An diesem Abschnitt der Berliner Mauer in Frohnau wurde Marienettas Fluchtversuch entdeckt und das Mädchen unter Feuer genommen. Einer der beteiligten Soldaten aus dem "Grenzregiment 38" wurde 1995 in Neuruppin wegen "Totschlags in einem minderschweren Fall" zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Der besagte Soldat hatte von dem hier abgebildeten Wachturm aus geschossen. Die Aufnahme entstand am 28. Januar 1981.
Falko Vogt: Anfang Februar 1981 nahm Falko Vogt an der Aufstellung eines Gedenkkreuzes für seine Freundin Marienetta Jirkowsky in Berlin-Frohnau teil. Etwa zur selben Zeit reichte er bei der Staatsanwaltschaft in Salzgitter eine Strafanzeige gegen den ostdeutschen Armeegeneral Heinz Hoffmann, Mitglied des Politbüros der SED, wegen Mordes ein. Vogt geriet durch diese Aktivitäten massiv ins Visier der Staatssicherheit.
Marienetta Jirkowsky: Dieses ausgeschnittene Porträfoto von seiner Freundin "Micki" von 1979 beschlagnahmte der Staatssicherheitsdienst der DDR an Peter Wiesners Arbeitsplatz. Das Bild wurde wenige Tage nach Marienettas Tod beschlagnahmt, da das MfS verhindern wollte, dass es in westlichen Medien veröffentlicht wird. Jetzt tauchte die Aufnahme in der Stasi-Unterlagenbehörde auf und wird hier erstmals veröffentlicht.
Erste-Hilfe-Ausbildung: Auch eine Bescheinigung des "Deutschen Roten Kreuzes der DDR" über die erfolgreiche Teilnahme Marienetta Jirkowskys an der "Bevölkerungsausbildung Erste Hilfe" vom 13. Oktober 1977 wurde kurz nach ihrem gewaltsamen Tod von der Staatssicherheit beschlagnahmt. Das Dokument wird hier erstmals veröffentlicht.
Marienettas Ausweis: Auch der Personalausweis des jugendlichen Mauer-Opfers wurde von der Staatssicherheit beschlagnahmt. Er tauchte erst jetzt in einem versteckten Bestand der Stasi-Unterlagenbehörde BStU wieder auf und wird hier erstmals gezeigt. Der Ausweis stammt circa von 1976.
Zum Gedenken: Dieses Kreuz wurde Anfang Februar 1981 zur Erinnerung an Marienetta Jirkowsky unweit der Stelle errichtet, an dem das junge Mädchen beim Fluchtversuch eine tödliche Schussverletzung erlitt. Bereits einen Monat später wurde es von einem Agenten der Staatssicherheit, "IMB Brunnen", gestohlen und in die DDR transportiert.
Dokumentenfund: Marienetta Jirkowsky beantragte bei ihrer Betriebsberufsschule des VEB Reifenkombinats Fürstenwalde einen Fahrausweis, eine sogenannte Sicht-Wochenkarte. Der Antrag wurde am 7. März 1980 bestätigt. Auch dieses Dokument wurde von der Staatssicherheit beschlagnahmt. Das junge Mädchen wohnte zuletzt mit seinen Eltern und Hund "Rüpel" in einem Bungalow im Spreenhagener Birkenweg.
Peter Wiesner: Peter Wiesner (1956 bis 1992) war Mickis große Liebe. Ihm gelang im November 1980 die Flucht nach West-Berlin. Als man im Herbst 1995 zwei der Grenzsoldaten in Neuruppin vor Gericht stellte, die auf Marienetta geschossen hatten, lebte er schon nicht mehr. Das Foto wurde circa 1980 in Bad Saarow aufgenommen.
Passbild: 1979 begann Marienetta Jirkowsky ihre Lehre in einem Reifenwerk in Fürstenwalde. Sie wohnte während der Woche im dortigen Lehrlingswohnheim. Der Ausweis des Wohnheims zeigt ein Passfoto von Marienetta, das schon zu DDR-Zeiten in den Westen geschmuggelt wurde und bisher als das einziges bekanntes Foto der jungen Frau galt.
"Marinettas" Gedenkkreuz: Marienetta Jirkowsky starb im Novenber 1980 als 18-Jährige bei dem Versuch, die Mauer bei Hohen Neuendorf zu überwinden, an Schüssen in den Unterbauch. Auf dem Gedenkkreuz beim Reichstag hat sich ein Schreibfehler in ihren Vornamen eingeschlichen.
Hauptstraße in Spreenhagen: In dem Örtchen Spreenhagen im Südosten Berlins wuchs Marienetta Jirkowsky auf. Bis heute glauben dort viele, dass die junge Frau an ihrem tragischen Schicksal selbst schuld war.
Rückkehr an den Tatort: Ende Januar 1981 kehrte Falko Vogt noch einmal an den Ort an der Mauer in Berlin-Frohnau zurück, an dem DDR-Grenzer seine Freundin Marienetta Jirkowsky bei ihrem Fluchtversuch erschossen.
Vogt in Spreenhagen: Falko Vogt lebt heute wieder in Fürstenwalde. Er traf sich im März 2010 in Spreenhagen mit der Kommunalpolitikerin Inka Gossmann-Reetz, die sich für das Schicksal des Maueropfers Marienetta Jirkowsky interessierte und schließlich in Hohen Neuendorf die Benennung eines Platzes nach der jungen Frau durchsetzte.