Maybach-Ende Der Schickimicki-Flop
Maybach-Abschied: Auf der Motor Show in Tokio war die Marke Maybach noch einmal vertreten, doch es war womöglich der letzte große Messeauftritt für das Luxusautomobil. Denn unmittelbar zuvor hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärt, die Marke Maybach werde eingestellt,...
...es ist bereits das zweite Aus in der Geschichte der Marke, die der Automobilkonstrukteur August Wilhelm Maybach gemeinsam mit seinem Sohn Karl 1909 gegründet hatte. Die Firma wurde 1960 von Daimler-Benz übernommen, die Automobilproduktion war bereits seit 1941 eingestellt. Während des Zweiten Weltkriegs baute Maybach Panzermotoren, danach Großdiesel für Schiffe und Eisenbahnen.
Premiere 1997: Es war ebenfalls auf der Tokio Motor Show, als der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp vor 14 Jahren erstmals einen Maybach enthüllte. Damals trug das kommende Luxusauto des Konzerns noch einen Mercedes-Stern als Markenemblem auf der Kühlernase.
Maybach-Markteinführung: In einem Glascontainer auf dem Deck des Luxusdampfers Queen Elizabeth 2 erreichte das erste Maybach-Serienmodell im Sommer 2002 New York und wurde vom Schiff per Hubschrauber in die Wallstreet transportiert, um dort einen spektakulären Auftritt vor potentiellen Kunden hinzulegen. Später wurde der Gag...
...mit dem Glascontainer noch einmal wiederholt, nämlich als Maybach für eine PR-Aktion im Hamburger Hafen bei der Deutschlandpremiere des...
...anderen großen Luxusschiffes Queen Mary 2 wiederum ein Auto in einen transparenten Kasten stellte und am Pier positionierte.
Hauptsache Publicity: Technisch gab es seit Jahren von Maybach nichts Neues mehr. Dafür versuchte die Marke durch andere Aktionen in Erscheinung zu treten - etwa am Rande der Biennale in Venedig, als ein von Projektilen durchlöcherter und vom Künstler Julian Schnabel bemalter Maybach auf einem Ponton in der Lagunenstadt dümpelte.
Maybach Exelero: Das Einzelstück diente vor allem der Reifenfirma Fulda als PR-Mobil. Der 2,7 Tonnen schwere Luxusrenner erreichte auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im italienischen Nardo eine Geschwindigkeit von mehr als 350 km/h. Unter der Haube des Autos steckt ein V12-Biturbo-Motor mit 700 PS Leistung.
Schickimicki im Fond: Erst im vergangenen Jahr zeigte Maybach in China eine überarbeitete Variante des Luxusschlittens Maybach 62. Der Blick in den Fond zeigt Sitze, die sich in Liegeposition bringen lassen, große Flachbildschirme, Anzeigen im Dach für die hinteren Passagiere und eine Art künstliches Oberlicht für eine möglichst großzügige und freundliche Atmosphäre - die übrigens...
...lässt sich in einem Maybach auch olfaktorisch beeinflussen. Für das besonders üppig ausgestattete Modell Zeppelin entwickelte Maybach diesen Parfumspender, in dem exklusiv für die Marke...
...angemischte Duftwässerchen der Innenraumluft zugeführt werden konnten. Die Parfums wurden natürlich in pompös gestalteten Flacons dargeboten, denn schließlich...
...sollte der Gesamteindruck zum monumentalen Auto passen. Rund 5000 Euro Aufpreis kostete übrigens der Parfumspender, der fortan für weitere Maybach-Modelle als Extra angeboten wurde.
Große Geste: Der Maybach war von Anfang an ein Auto, dem es an Eleganz ebenso fehlte wie an einer durchgängigen Tradition. Wer erinnerte sich schon an die Prunkwagen aus den zwanziger und dreißiger Jahren, von denen heute weltweit nur noch rund 200 erhalten sind?