Medizingeschichte - DER SPIEGEL
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Transplantationen Grenzen neu definieren

Hunde mit zwei Köpfen und Menschen mit Schweinenieren: Die Anfänge der Transplantationsmedizin scheinen dem Schauerroman näher als der Wissenschaft. Chirurgen versuchten das Undenkbare - und einige legten dabei eine schockierende Experimentierfreude an den Tag. Von Ariane Stürmer
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Fütterung: Der sowjetische Chirurg Wladimir Demichow wurde vor allem durch seine Experimente an Hunden bekannt. So nähte er mehrmals Hunden einen zweiten Kopf an. Beide Köpfe hätten anschließend noch fressen können, berichtete der Wissenschaftler, der sich hauptsächlich mit Organtransplantationen beschäftigte.

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Geglückte Kopftransplantation: Im Januar 1959 reiste der Russe Wladimir Demichow in die DDR, um seine Transplantationskünste vorzuführen. Der Mediziner, der in der Fachwelt in dieser Zeit auch als "Sputnik der Medizin" bezeichnet wurde, war weltweit bekannt. Er hatte 1960 seine Dissertation zu Organtransplantationen veröffentlicht, die lange Zeit das einzige Fachbuch zu dem Thema war. Auch der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard, der 1967 das erste menschliche Herz verpflanzte, besucht Demichow mehrmals in Moskau und betrachtete ihn als seinen Lehrer. Bei einem dieser Besuche transplantierte er selbst auch einmal einen Hundekopf, wie Barnard im Juli 2001 in einem Interview erzählte.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-61478-0004

Foto: Das Bundesarchiv/Günter Weiß
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Demichows Hund: Das Deutsche Hygiene Museum in Dresden zeigte die Leihgabe des Medizinhistorischen Museums in Riga im Jahr 2000 in einer Sonderausstellung - es handelt sich um einen von Wladimir Demichows ausgestopften Hunden, dem in den fünfziger Jahren der Kopf eines Welpen aufgepflanzt worden war. Das Tier lebte nach der Operation noch 24 Tage.

Foto: Matthias_Hiekel/ dpa
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Ein Ständchen für das Leben: Die beiden eineiigen Zwillinge Richard und Ronald Herrick schrieben im Dezember 1954 Medizingeschichte. Richard brauchte eine neue Niere, sein Bruder Ronald war der Spender. In einer fünfeinhalbstündigen Operation wurde im damaligen Peter Bent Brigham Hospital in Boston nicht nur das Leben des todkranken Richard Herrick um acht Jahre verlängert, sondern auch der Grundstein für viele weitere erfolgreiche Organtransplantationen gelegt.

Foto: AP
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Wegweisende Operation: Dem Chirurg Christiaan Neethling Barnard gelang am 3. Dezember 1967 die erste Herztransplantation von Mensch zu Mensch. Der schwerkranke Kolonialwarenhändler Louis Washkansky bekam im Groote-Schuur-Krankenhaus im südafrikanischen Kapstadt das Herz der 25-jährigen Denise Darvall. Sie war zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

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Die erste Spenderin: Denise Darvall starb am 3. Dezember 1967 nach einem Autounfall. Ihr Herz war das erste, das in den Körper eines anderen Menschen verpflanzt wurde.

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Louis Washkansky: Nachdem ihm das Herz einer jungen Frau transplantiert worden war, schien sich der Kolonialwarenhändler zunächst gut zu erholen. Doch er starb am 21. Dezember 1967, 18 Tage nach der Operation. Der Eingriff gilt dennoch als Meilenstein der Medizingeschichte.

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Ein neues Herz: Auf einer Pressekonferenz am 31. Dezember 1967 in Kapstadt erklärte Christiaan Barnard jene Herztransplantation, die ihn weltberühmt gemacht hatte.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?