Mein Führerschein - DER SPIEGEL
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Mein Führerschein Das Grauen der Lappen

Was für Haare! So jung! Wie wir damals aussahen! Der Führerschein: Das einzige amtliche Dokument, das man mit 18 fürs Leben bekommt. Das bizarrste Relikt der eigenen Jugend. einestages zeigt wunderbare Exemplare - und ihre Besitzer heute.
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Viva Las Vegas: "Mein geliebter Führerschein, Klasse IV (später erweitert auf I + III) eröffnete mir mit 16 Jahren den freien Zugang in die motorisierte Welt. Mein erstes Moped: Eine Kreidler RS, 50 ccm, 6 PS, über 80 KM Spitze. Ständig habe ich mit meinen Freunden an dem Bike gebastelt, es 'frisiert', größere Düsen in den Vergaser eingebaut, den Auspuff aufgebohrt, coolere Lenker montiert etc. Mehr als drei Jahrzehnte steckte der graue Lappen in meiner Brieftasche - er hat mich länger durch mein Leben begleitet als meine ehemalige Frau und meine drei Kinder. Erst vor wenigen Monaten bin ich auf einen dieser gesichtslosen Plastikkarten-Führerscheine umgestiegen, aber nur weil ich das neumodische Teil brauchte, um mir in Las Vegas ein Motorrad zu mieten. Ich habe es aber dennoch nicht über das Herz gebracht, mich von meinem grauen Lappen zu trennen: Er steckt weiterhin wohlbehütet in meinem Portemonnaie."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...fährt dieser Mann keine Kreidler RS mehr, sondern ist auf größere Maschinen umgestiegen.

Foto: Redaktion einestages
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Ersatz mit Folgen: "Die Leichtigkeit eines studentischen Sommerabends endete 1978 schlagartig, als ich den Verlust meines Führerscheins bemerkte. Er war aus der Hosentasche gerutscht. Das hatte drei unangenehme Folgen: den Behördenmarathon im weit entfernte Heimatort und die dumpfe Angst, dass bei einer der damals üblichen Rasterfahndungen nach Terroristen das Papier mit anderem Passfoto wieder auftauchen könnte. Beides heilte die Zeit. Nicht los wurde ich bei jeder Fahrzeugkontrolle die gehobene Augenbraue und inquisitorische Fragen der kontrollierenden Beamten. Denn die Überschrift 'Ersatzführerschein' schien auch der Hinweis auf zurückliegende, massive Verkehrsvergehen zu sein. Dabei war er nur aus der Tasche gerutscht, wirklich, ich schwörs..."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...muss sich dieser Mann vor Terroristen-Fahndungen nicht mehr fürchten. Dafür litt er lange genug unter dem Stigma "Ersatzführerschein".

Foto: Redaktion einestages
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Amtlich erwachsen: "Das Wichtigste war, den schönen, blassrosa Schein pünktlich am Tag des 18. Geburtstages in den Händen zu halten. Bei mir hat es damals leider nicht ganz geklappt. Ich musste noch ganze 17 Tage länger warten. 17 Tage! Eine Ewigkeit! Nicht, dass ich damals ein eigenes Auto gehabt hätte, mit dem ich sofort hätte losfahren können. Ich durfte lediglich manchmal das meiner Eltern benutzen, wobei die Sache mit dem Rückwärts-aus-der-Garage-Fahren nicht immer ganz reibungslos klappte... Tatsächlich ging es aber um viel mehr: Das Gefühl, endlich wirklich, rundherum und sozusagen amtlich anerkannt Erwachsen zu sein. Unbeschreiblich."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...hat diese Frau keinerlei Probleme mehr, rückwärts aus der Garage rauszufahren

Foto: Redaktion einestages
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Noch in Gebrauch: "Das Schönste an meinem geliebten Lappen ist das Foto. Dieses hat bemerkenswert wenig Ähnlichkeit mit mir heute. Zuweilen frage ich mich selbst, ob ich es wirklich bin. So schmal und mit Haaren. Aber dann sehe ich die Brille und weiß: Ja, Clemens, du bist es. Denn, auch daran erinnere ich mich, für dieses Gestell habe ich damals viele Sprüche zu hören bekommen. Zu Recht wie ich rückblickend finde. Es war ja ein "Helmut-Kohl-Modell". Und die in den Achtzigern sehr en vogue gewesene ColorMatic-Technik führte in der Tat zu unschönen Ergebnissen. Waren schlimm diese Selbst-Verdunkelungs-Gläser und sind es heute auch noch. Dennoch, Ihr EU-Bürokraten, lasst alle Hoffnung fahren! Meinen grauen Lappen bekommt ihr nicht."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...ist dieser Mann auf kleinflächigere Brillen umgestiegen

Foto: Redaktion einestages
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Drei Generationen: Der gute alte graue Lappen, der 1986 eingeführte rosafarbene EU-Führerschein und der seit 1999 ausgegebene Plastikführerschein im Scheckkartenformat

Foto: dpa
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Mein erstes Motorrad: "Wann immer ich den Führerschein in die Hand nehme, muss ich an mein erstes Motorrad denken: Eine Yamaha XS 400, schwarz mit goldenen Streifen. Das Geld hatte ich mühsam durch Babysitten und Kellnern zusammengespart. Sie stand schon eine Woche bevor ich den Lappen hatte angemeldet im Garten. Ich wollte nichts sehnlicher als endlich losfahren."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...träumt diese Frau noch immer von ihrer Yamaha XS 400

Foto: Redaktion einestages
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Henna-Haare: "Orangefarbene Haare, und nicht einmal mit Spray aus der Autolackdose gefärbt oder zumindest mit Bier und Nivea-Creme verfilzt, wie es sich eigentlich gehörte. Irgendwie erschien mir das halbseidene Hennaorange trotzdem cool und 'dagegen' damals. Die Besitzerin der Tanzschule in der ich Tanzkurse für Kinder gab, fand das übrigens auch."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...trägt dieser Mann einen Bart, der - wie sein Haar - in sanftem Rotblond erstrahlt

Foto: Redaktion einestages
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Ein Morgen im "Café Angst": "Es war ein grauenhafter Tag, der nie hätte so früh beginnen dürfen, weil der Tag zuvor einfach nicht enden wollte. Denn Oktoberzeit ist der Beginn der kurzen Bockbierzeit. Als junger Mensch war ich süchtig nach dieser süßen Brühe - getrunken wurde, was das fragile Körperchen vertrug. Manche dieser Nächte frästen tiefe Gedächtnislücken ins Gehirn, die ersten Stunden der Folgetage erlaubten allenfalls geringfügig qualifizierte Tätigkeiten. Eine Führerscheinprüfung zählt definitiv nicht dazu. Noch heute erinnere ich das Gesicht, das ich nach der süßen Bockbiernacht morgens im Spiegel ansichtig wurde: Eine kalkweiße Maske mit zwei rubinrot-funkelnden Knöpfchen links und rechts der Nase. Es waren die Augen. Die Mutter tat alles, um ihren Erstgeborenen stark zu reden, braute einen Kaffee, der eine Armee tagelang wach gehalten hätte und schickte mich zur Straßenbahn. Darmstädter Führerscheinprüflinge versammelten sich schon damals in einer Bäckerei mit Kaffeeausschank - 'Café Angst' genannt. Es gibt wohl nicht viel Schlimmeres in unserer zivilisierten Welt als diese Minuten vor der Fahrprüfung. 'Gerth, Sie sind der Erste.' Der Prüfer hätte auch sagen können: 'Welche Art der Hinrichtung darfs denn sein?' Ich wählte einen Mitsubishi Colt Diesel. Geboten wurde mir dafür die Tempo-30-Route - was für ein Segen. Jede höhere Geschwindigkeit wäre an diesem Morgen nicht zu kontrollieren gewesen, eine mörderische Autobahnfahrt hätte ich freiwillig abgesagt oder wäre spätestens nach der sicheren Massenkarambolage abgebrochen worden. Also mit 30 (manchmal noch langsamer) durchs Altbauviertel schleichen, rechts vor links beachten, irgendwie die Augen aufhalten. Dass ich beim Rückwärtseinparken nicht meinen und den Außenspiegel des stehenden Wagens abgefahren habe war reines Glück.

Foto: Redaktion einestages
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Für den Prüfer war ich spätestens jetzt nicht mehr wert als eine Küchenschabe, nur das Strafgesetzbuch hinderte ihn wohl daran, mich sofort zu erwürgen. Gegen 9.45 Uhr entstieg ich dann dem Colt, irgendwie verträgt dieser Mann vermutlich nicht mehr so viel Bockbier wie früher.

Foto: Redaktion einestages
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Fahrstil wie eine Dauerwelle: "Noch nie hat eine Fahrschülerin bei mir diese Strecke innerhalb so kurzer Zeit zurückgelegt wie Sie", sagte mein Fahrprüfer und stellte mir dennoch den heiß ersehnten Lappen aus. Ich besaß damals schon einen recht ungezähmten Fahrstil - ungefähr so ungezähmt wie meine Achtziger-Jahre-Heavy-Metal-Dauerwelle auf dem Foto. Mein Führerschein war für mich eine Befreiung - mehr noch als die Volljährigkeit. Endlich musste ich mich nicht mehr nachts von meinen Eltern von Feten oder Kneipenabenden abholen lassen - ich konnte plötzlich machen, was ich wollte. Ein großartiges Gefühl. Einige Jahre später hat sich die Dauerwelle übrigens ausgewachsen - der Fahrstil ist geblieben."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...trägt diese Frau ihr Haar dauerwellenfrei - und fährt trotzdem noch genau wie damals, mit krausgelocktem Haar

Foto: Redaktion einestages
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Bares Geld wert: "Kürzlich in Florida war der graue Lappen bares Geld wert. Ich wollte von Fort Myers nach Cape Coral und stand plötzlich an der Mautstation vor einer Brücke. Dummerweise hatte ich überhaupt kein Bargeld und man konnte die zwei Dollar auch nicht per Kreditkarte bezahlen. Die Schrankenwärterin, eine nette ältere Dame, zog also ein Formular aus der Tasche und bat mich um meinen Führerschein. Als sie den grauen Lappen in der Hand hielt, zog sie die Stirn in Falten, schaute mich fragend an und ich sagte ihr: "Yes, this is a German driver licence". Darauhin zeriss sie das bereits teilweise ausgefüllte Formular, gab mir meinen Führerschien zurück sagte luftig: "Go on my dear" Also: Reisender, kommst du in die USA, vergiss den Lappen nicht!"

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...kontrolliert dieser Mann vor jeder USA-Reise genau, ob er auch seinen grauen Lappen dabei hat

Foto: Redaktion einestages
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Jüngster Autofahrer: "Ich hatte damals kein anderes Bild zur Hand - und dieses wurde im Landratsamt akzeptiert. Ich bin darauf wohl um die zwölf, dreizehn - und damit wahrscheinlich einer der jüngsten legalen Autofahrer Deutschlands. Wenn ich mal kontrolliert werde, haben die Polizisten immer eine Menge Spaß."

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Und heute...: ...überholen diesen Mann auf der Autobahn Menschen, die noch jünger als er aussehen

Foto: Redaktion einestages
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Zart und faltenfrei: "Dieser praktische rosa Ersatzführerschein lebt seit 1994 ruhig und friedlich bei mir, und ich hege keine persönlichen Gefühle für ihn. Mein erster 'grauer Lappen' war von 1983, das Foto zeigte mich im Alter von 17 Jahren, zart und faltenfrei. Ich trug einen hellgelben Baumwollpullover und blickte fragend in die Welt. Er wurde mir von einem Menschen, den die Beulenpest befallen möge, beim Einkaufen mitsamt dem ganzen Portemonnaie in der Mönckebergstraße in Hamburg gestohlen."

Foto: Redaktion einestages
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Eine Eintrittskarte: "Er war eine Eintrittskarte. Dieser gräuliche Lappen markierte meinen Schritt vom Mofa zum Motorrad. Wenn auch eingeschränkt auf 'eins b' - Leichtkraftrad mit 80 Kubikzentimetern. Trotzdem: Die Teile sahen aus wie Motorräder, fühlten sich an wie Motorräder und machten Eindruck auf die Mädchen wie Motorräder. Es war der Beginn der richtigen Mobilität und die Entdeckung der Geschwindigkeit. Der Popper-Schnitt auf dem Foto täuscht allerdings. Ich bin keinen Roller, sondern eine Enduro gefahren. Später ergänzten dann die 'eins' und die 'drei' den Führerschein - richtiges Motorrad, richtiges Auto, richtig erwachsen!"

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...ist dieser Mann dem Popper-Schnitt von damals abtrünnig geworden

Foto: Redaktion einestages
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Unkenntlich: "Genau weiß ich auch nicht, wie sich die tiefen Furchen in mein Gesicht eingegraben haben. Irgendwie haben da geheimnisvolle Kräfte in meiner Hosentasche gewirkt. Doch trotz der zerkratzten Gesichtes: Mein Führerschein hat sich als äußerst beständig erwiesen. Ein Bad in der Ostsee, als die Bohlen eines Bootstegs mich ihre Hebelwirkung spüren ließen, hat er ohne Folgeschäden überstanden. Aber ich fühlte mich trotzdem immer unsicher mit meinem Lappen: Würde das Auge des Gesetzes die Rudimente meines Fotos akzeptieren? Seit ein paar Wochen weiß: Das ist kein Problem. Ohne jeden Kommentar habe ich den Führerschein bei einer Polizeikontrolle zurückbekommen."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...hat dieser Mann noch immer lange nicht so viele Falten wie auf seinem Führerscheinbild

Foto: Redaktion einestages
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Das Verhängnis des Spurwechsels: "Nachdem es beim ersten Anlauf daneben gegangen war, was zu einer Überdosis Schokolade geführt hatte, wollte ich unbedingt bestehen. Ich beeindruckte den Prüfer mit einem rücksichtsvollen auf die linke Spur wechseln vor der Auffahrt, um andere Fahrzeuge auf die Autobahn zu lassen und ähnlichen Manövern. Kurz vor Ende der Prüfung, beim Verlassen der Autobahn kamen wir an die Stelle, an der ich beim letzten Mal zwei Spuren anstatt einer gebraucht hatte. Perfekt bog ich ab, musst dann allerdings noch einmal die Spur wechseln. Gerade als ich rüberlenkte, kam von hinten ein anderes Auto angebraust und hätte uns fast angefahren, was ich gerade noch durch ein ruckartiges Zurücklenken verhindern konnte. Der Prüfer grummelte etwas von Augen zudrücken und so, als er mir endlich den rosa Lappen überreichte, den ich mit zitternder Hand unterschrieb. Dafür hat er dann die, die nach mir dran war, durchfallen lassen - sie kam auch einfach nicht in die Parklücke rein."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...fährt diese Frau unfallfrei und glücklich durchs Leben

Foto: Redaktion einestages
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Die Prüfung: "Meine Abiprüfungen waren ein Witz dagegen. Als ich 1997 zu meiner praktischen Fahrprüfung schlich, zitterten meine Knie. 28 Übungsstunden hatte ich bis zu diesem Sommertag im Juli absolviert. Besonders sicher fühlte ich mich nicht. Außerdem fiel diese verflixte Prüfung auf den Tag meiner Abreise in den Frankreich-Urlaub. Zwei Wochen Zelten mit Freunden am Meer. Sozusagen als Abi-Geschenk. Muss ja nicht immer ein Auto von Papi mit peinlichen Heckscheibenaufkleber sein. Ich wusste also, dass ich mir - sollte ich die Prüfung nicht bestehen - gleichzeitig auch noch den Urlaub versauen würde. Doch wie so oft im Leben, machte mich der Druck stark. Zwanzig Minuten lang lenkte ich das Astra-Cabrio wie Schumis Schwager durch die Straßen des Hamburger Speckgürtels. Bis zur Abfahrt meines Busses blieben noch 35 Minuten. Dann passierte es: 'Nächste Möglichkeit rechts', sagte der Prüfer. Ich kannte diese Stelle, hier sollte das korrekte Abbiegen in einer zweispurigen Einbahnstraße getestet werden. Souverän setzte ich den Blinker, reduzierte die Geschwindigkeit und bog ab - leider nach links. 'Ich krieg sie schon noch dahin', sagte der Prüfer. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Ich wusste zwar, dass er mich dafür nicht durchfallen lassen darf, doch so langsam sah ich meinen Urlaubsbus ohne mich abfahren. Endlose zwanzig Minuten später ließ er mich endlich einparken. 'Es tut mir Leid', begann er den Satz, 'aber ich muss Ihnen den Führerschein geben.' Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zum Scherzen zu Mute. Ich riss dem Teilzeitclown das rosa Stück Papier meiner schlaflosen Nächte aus der Hand und spurtete zum Reisebus. Meine Freunde empfingen mich für die rund 24-stündige Fahrt an die Atlantikküste und zur Feier meiner neuen Mobilität mit einigen hochprozentigen Gratulationsgeschenken. An diesem Abend hätte ich ganz sicher nicht mehr fahren dürfen."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...hat dieser Mann seine prüfungsbedingte Links-Rechts-Schwäche überwunden

Foto: Redaktion einestages
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Rosa Zwerg: "Mit meinem rosa Lappen konnte ich mich eigentlich nie richtig anfreunden. Bis heute fühlt er sich wie ein Fremdkörper an. Schließlich war ich seinerzeit stolz, nach bestandener Fahrprüfung einen jener unverwüstlichen grauen Führerscheine bekommen zu haben. Der wurde mir allerdings während meines Studiums gestohlen, als ich meinem Arbeitsplatz im Hamburger Geomatikum für eine kurze Pause verließ und meine Jacke im Büro zurückließ. Als ich wiederkam, war der Lappen samt Portemonnaie futsch und ich musste mir den rosa Zwerg als Ersatz ausstellen lassen."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...hat sich dieser Mann noch immer nicht mit seinem rosa Lappen anfreunden können

Foto: Redaktion einestages
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Tippfehler: "Endlich den lang ersehnten Lappen in der Hand - im Vergleich zu anderen Fahranfängern war ich da ja schon ein relativ 'spätes Mädchen'. So war ich nicht sehr erfreut darüber, als ich ihn sofort wieder abgeben musste, weil mein Name falsch geschrieben war. Nun ziert den Führerschein ein zusätzlicher Stempel 'amtlich geändert am...' - das hat auch nicht jeder. Umso größer war die Freude, als nach einem halben Jahr die absolvierte Motorradprüfung auf der Rückseite verewigt wurde - im ersten Anlauf mit korrektem Namen.

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...buchstabiert diese Dame ihren Namen immer ganz langsam, zum Mitschreiben

Foto: Jeannette Corbeau
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Wie? Auf Schienen: "Am Tag meiner Führerscheinprüfung hatte es in meiner Heimatstadt geschneit, und ich musste, weil ich der letzte Prüfling des Tages war, den Prüfer zum TÜV-Gebäude zurückfahren. In der Straße vor dem TÜV lag der Schnee so dicht, dass die Straßenbahnschienen im Kopfsteinbett (rechts) von der Fahrbahn (links) nicht zu unterscheiden waren. Ich hielt mich rechts und Prüfer, Fahrlehrer und der in diesem Moment in Panik geratende Prüfling ratterten plötzlich über Kopfsteinpflaster. Ich sah mein Schicksal besiegelt, aber der Prüfer brummte nur 'wenn wir jetzt an jeder Haltestelle jemanden mitnehmen, wird es hier aber bald eng'. Und dass ich das Lenkrad nicht so festhalten solle, ich hätte ja schon ganz weiße Fingerknöchel. Den Lappen habe ich dann aber doch noch bekommen."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...bekommt dieser Mann bei dichtem Schneefall noch immer weiße Fingerknöchel

Foto: Redaktion einestages
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Bad Hair Years: "An die Führerscheinprüfung habe ich recht angenehme Erinnerungen: Der Prüfer, passionierter Tennisspieler, wollte zwischendurch seinen Schläger aus dem Clubheim holen. Die Einparkübung auf dem völlig leeren Parkplatz war gar nicht schwer - und was von der Prüfung dann noch übrig blieb, auch nicht. Der Fledderlappen hat inzwischen viele Länder bereist. Beim Blick aufs Foto ernte ich manchmal ungläubige Blicke: Wie, das bist du? Klar, bin ich - man muss auch zu fiesen Fotos stehen. Und zu den Bad-Hair-Years der Achtziger."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...kann dieser Mann auch auf überfüllten Parkplätzen problemlos einparken - schließlich hat er keine Haare mehr im Gesicht hängen

Foto: Redaktion einestages
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Zuhälter? "Nach meiner Prüfung wollte die Polizei meinen Führerschein sieben Jahre lang nicht sehen. Bis ich einmal auf dem Fahrrad auf einer leeren Straße in fünf Minuten drei rote Ampeln überfuhr. Die zwei Schnauzbartträger im Opel-Kombi neben mir fuhren an mir vorbei, der Schäferhund im Kofferraum bellte - passt ja, dachte ich. Zuhälter? Dann winkten der Bart-Beifahrer mich mit der Polizeikelle ran und fragte nach dem Führerschein. Drei Ampeln, zwei Zivilpolizisten, ein Punkt."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...hütet sich dieser Mann hoffentlich davor, rote Ampeln in Rekordzeit zu überfahren

Foto: Redaktion einestages
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Lizenz zum Krach machen: "Stolz wie Oskar war ich. Endlich 16 Jahre alt, endlich den Lappen mit Klasse 4 bestanden. Meine Kreidler Florett mit ausgebautem Schalldämpfer durfte jetzt offiziell im Dorf Krach machen. Zwei Jahre später die nächste Feuertaufe. Führerschein Klasse 3 (Auto) und Klasse 1 (Motorrad) bestanden. Das Geld reichte zwar für den Lappen, aber nicht für einen fahrbaren Untersatz auf vier Rädern. Die Eltern hatten meist Angst um ihren mühsam zusammengesparten Opel. Nur in Ausnahmefällen durfte ich die Karre benutzen. Natürlich nicht dann, wenn man ein sehr wichtiges Treffen mit einer Person des anderen Geschlechts hatte. Peinliche Situation sowas.

Einige Jahre und Autos später, ich hatte immer noch den grauen Lappen, mein Sohn war schon aus dem Krabbelalter raus, geriet ich in eine Verkehrskontrolle. Lappen raus, vorgezeigt. Polizist: 'Das sind nicht sie?' Ich: 'Doch.' Er: 'Wie wollen sie das beweisen?' Ich holte noch meinen Ausweisaus der Brieftasche. Er: 'Da sehen sie genau so aus wie aus dem Foto im Führerschein.' Ich: 'Eben, ist ja auch meiner.' Er: 'Nun werden sie mal nicht frech junger Mann, ich werde das jetzt mal überprüfen.'

Er ging zu einem abseits stehenden VW Bulli. Auf den Fotos in den amtlichen Papieren bin ich vierzehn. Damals musste man noch zum Fotografen und bekam vier Passbilder. Die reichten jahrelang. Nach einer mündlichen Verwarnung durfte ich weiterfahren. Schien wohl alles in Ordnung. Der nächste Schrecken kam dann vor fünf Jahren. Ich brauchte einen neuen Führerschein, weil der alte graue Lappen in Neuseeland nicht anerkannt wird. Und ich wollte schließlich drei Monate reisen. Also musste so ein unpersönliches Führerscheinplastikkärtchen beantragt werden. Bei der Abholung auf dem Verkehrsamt bestand ich darauf meinen alten Lappen als Andenken zu behalten. "Selbstverständlich", sagte die wie abwesend wirkende Beamtin, nahm eine Schere,...

Foto: Redaktion einestages
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...schnitt ein Loch IN MEINEN LAPPEN und schmierte auch noch "ungültig" rein. Ich hätte sie würgen können, aber das war einige Jahre und Autos später.

Foto: Redaktion einestages
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Stück Restpappe: Mein Führerschein schlummert seit nunmehr 22 Jahren im Portemonnaie vor sich hin und löst sich dort still und langsam in seine Bestandteile auf. Da seit meiner letzten Verkehrskontrolle auch schon gut 15 Jahre vergangen sind, stellt dieser Alterungsprozess eigentlich kein Problem dar.

Problematisch wird es allerdings, wenn man, wie ich im letzten Jahr im Spanien-Urlaub, mit diesem Stück Restpappe am Flughafen einen Leihwagen mieten möchte. Da muss man dann schon etwas Zeit und Geduld mitbringen, um dem Mitarbeiter der Verleihfirma zu verdeutlichen, dass man erstens tatsächlich die Person auf dem Passbild ist und dass zweitens, ja, dieses Stück Stoff tatsächlich noch dazu berechtigt, Fahrzeuge zu benutzen.

Aber bevor ich den liebgewonnenen Lappen jetzt jedoch aufs Altenteil abschieben und ihn gegen ein modernes, rosa Plastikkärtchen eintauschen muss, nehme ich diese kleinen Unannehmlichkeiten gerne in Kauf. Ich fürchte mich allerdings schon etwas vor der nächsten Verkehrskontrolle und dem verdutzten Gesicht der Polizisten und bezweifle, dass sie so verständnisvoll sind wie Mitarbeiter spanischer Autoverleihfirmen.

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...nimmt sich dieser Mann lieber einen Tag länger Urlaub, wenn er nach Spanien fährt. So viel Zeit muss sein!

Foto: Redaktion einestages
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Geisterfahrer: "Eigentlich war ich in der Fahrschule Herrn Wolfs Liebling. Sein größtes Talent, wie er immer sagte. Fünf Fahrstunden weniger als andere hätte ich nur nötig, meinte Herr Wolf. Und so kam der große Tag der Prüfung schon sehr schnell. Und ich versagte kläglich... In der irrigen Annahme mich auf einer zweispurigen Straße zu befinden, ordnete ich mich auf der Gegenfahrbahn links ein. Schließlich sollte ich ja bald links abbiegen. So fuhren wir eine Weile als Geisterfahrer - unbemerkt von mir, denn schließlich kam uns ja niemand entgegen. Es hätte mich wundern sollen, dass Herr Wolf und vor allem der Prüfer auf einmal so schweigsam waren. Ich war aber zu nervös, um solche subtilen Signale zu bemerken. Als das erste Auto kam, griff Herr Wolf mir sehr aufgeregt ins Lenkrad. Das war's dann. Herr Wolf war sehr wütend und hielt mir danach eine Standpauke, weil er nicht fassen konnte, dass ich, sein größtes Talent, so einen Mist gebaut hatte. Also machten wir dann doch noch die fünf Fahrstunden, die ich mir eigentlich hätte sparen sollen. Dafür wusste ich meinen rosa Lappen umso mehr zu schätzen, als ich ihn beim zweiten Versuch dann endlich bekam.

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...muss dieser Mann bei jeder Geisterfahrer-Meldung im Radio kurz grinsen

Foto: Redaktion einestages
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Jugendsünde: Dass ich meinen, damals gerade eingeführten und fieserwiese mit zweijähriger Probezeit belegten rosa Führerschein nicht umgehend wieder abgeben musste, verdanke ich zweifellos dem elektronischen Promillemessgerät des Polizeireviers Grömitz, das freundlicherweise bei 0,68 stehenblieb. Womit zugleich bewiesen war, dass die Einführung der Probezeit eine hervorragende Idee war, denn 18-jährige Fahranfänger sind vor allem: jung und blöd.

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: ...trinkt dieser Mann selbstverständlich nichts mehr, wenn er fährt

Foto: Redaktion einestages
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Großer Kettenschwur: Auch Schorsch Kamerun, Sänger der "Goldenen Zitronen" und Mitinhaber des Golden Pudel Clubs in Hamburg, hat sein Fahrerlebnis beigesteuert. "Bei der ersten Fahrstunde in meiner heimatlichen Gemeinde Timmendorfer Strand fuhren wir ungewollt eine Weile hinter dem örtlichen Leichenwagen hinterher, als plötzlich - auf Schwur!!!- ein Sarg aus der Klappe auf die Straße fiel. Noch mal und dass wir uns da richtig verstehen, großer Kettenschwur. Also: Ein Sarg lag direkt vor unserem Golf-A-Kühlergrill. Es stiegen die klischee-haftesten "Schwarzzylindrigen" aus, packten ihre dunkle Fracht ordentlich und unprätentiös, also eher mühelos, wieder ein. Wenigstens schien der Behälter leer zu sein. Mein Fahrlehrer Friedrich "Fiete" Hargus, ein Cousin meiner Großmutter, und ich, waren verständlich geschockt, sprachen aber mit keiner Silbe darüber, welche Art symbolische Bedeutung dieser Vorgang nun für meine weitere Verkehrsteilnehmerkarriere haben könnte.

Jedenfalls habe ich später zu einem normalen Alter die Fahrprüfung gemeistert und habe seither ganze vier Totalschäden (drei davon ohne Schuld) sowie zwei Fahrerlaubnisentzüge überlebt und freue mich auf noch viele flotte motorisierte Ausflüge. Vorfahrt für Vorfahrer!"

Foto: Redaktion einestages
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Mein Führerschein: Kaum hatte ich den Führerschein, schickte mich mein Vater schon kreuz und quer durch Deutschland, um Waren auszuliefern. Wunderbar! In der ersten Woche fuhr ich irgendwo aus Versehen über eine dunkelgelbe Ampel und bekam meinen ersten Punkt. Danach habe ich besser aufgepasst - bisher (seit 35 Jahren) fahre ich unfallfrei (Klopfen auf Plastik).

Foto: Michael Peters
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Das Ende von Mutters VW Polo: Ende Juli 1997 fällt das Landratsamt Osterode am Harz das Todesurteil des niegelnagelneuen VW Polo meiner Mutter. Ich bekam meinen Führerschein ausgehändigt. Der Scheitel teilte meine Haare genau in zwei Hälften, im rechten Ohr glänzte der Ring mit dem blau-lilanen Lack des Polos um die Wette. Ich ließ den Motor an. Es ging auf Klassenfahrt. Das Abitur war nah - die verbleibende Zeit vor dem Ernst des Lebens wollte sinnvoll genutzt werden. Es ging auf die Autobahn. Immerhin hatte ich auf meiner ersten großen Fahrt (Göttingen - Viersen) bestimmt 300 Kilometer unfallfrei überstanden. Kurz vor Köln (warum verdammt sind wir eigentlich Landstraße gefahren?) - vergaß ich zu blinken, und bog trotzdem ab, ohne in den Rückspiegel zu schauen und schon hatte ich einen Opel Vectra in der Fahrertüre hängen. Naja, wir konnten weiterfahren - der Polo hatte trotzdem einen Totalschaden und kam in die Presse. Es hat ungefähr 10 Jahre Fahrerfahrung gebraucht, um das Vertrauen meiner Mutter in meine Fahrkunst zurück zu gewinnen. Wenn ich sie heute besuche und ihr Auto leihe, muss ich mich bei Fahrten über 50 Kilometer trotzdem immer noch melden, dass Auto und Fahrer noch leben.

Foto: Andreas Waidosch/Fotoautomat Bahnhof Göttingen
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Grauer Lappen: Der Beamte suchte einige Zeit und staunte dann einigermaßen als er erfuhr, dass dieses graue Stück Papier nicht verfällt, sondern eine lebenslängliche Lizenz zum Fahren ist. Das DMV (Department of Motor Vehicles) in San Francisco hat sich auf meinem geliebten Führerschein verewigt mit "Not valid in California" als ich meinen kalifornischen Fuehrerschein erhielt.

Foto: bernd rabich
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Führerschein 1978: "1976 - Brian Connolly, Leadsänger der 'The Sweet' war der Star und den mittelgescheitelten Langhaarpony zu tragen, Ehrensache. Aufgeputscht von 'Teenage Rampage' zog ich den Vorhang der Fotomatic-Box zu und gab alles: Das Siegerlächeln eines Bonanza-Rad-Fahrers.

Zwei Jahre später sollte das Grinsen zum Problem werden: Die Mitarbeiter des Kölner Oberstadtdirektors wollten ein Bild mit ernstem Gesichtsausdruck für den Führerschein. Ich aber nicht und so entstand die traurige Geschichte vom 'kein Geld für neue Fotos'. Erst im dritten Anlauf machte der 'Verzäll' einen authentischen Eindruck und das Bild war drin.

Heute - im Jahr 2008 - ist Brian Connolly tot, das Bonanza-Rad recycelt, der Lappen schäbig und nur das breite Grinsen geblieben: Ich fahre eine BMW R100GS."

Foto: Arno Krischer
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Führerschein 1978 - nachher 2008: Das Gefühl von Freiheit ist geblieben - BMW R100GS statt Bonanza Rad

Foto: Arno Krischer
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Wie ich den "Lappen" früher kriegte: "Als meine Freunde damals zur Fahrschule in unserem Dorf gingen, bin ich einfach mal mitgegangen, obwohl ich der jüngste war und eigentlich noch eine Weile zu warten hatte mit meinem Führerschein. Als dann die Aufnahmeformalitäten für die Prüfung erledigt wurden, wurde mir mitgeteilt, dass das bei meinem Alter nicht ginge. Es gebe aber die Möglichkeit, einen vorläufigen Führerschein zu beantragen, was aber nicht ganz leicht wäre, da schon Gründe dafür vorliegen mussten. Ich habe dann den zuständigen Behörden geschrieben, dass ich meinen Führerschein früher machen möchte. Die fadenscheinige Begründung weiß ich nicht mehr. Es kam dann auch eine Antwort mit der Bemerkung, dass die Gründe schon treffender sein sollten. Darum sollten meine Eltern doch bitte bei der Behörde vorsprechen. Das taten sie und nahmen zu dem Termin meinen Onkel, der bei der Polizei beschäftigt war und 'Gott und die Welt' kannte, mit. Langer Rede kurzer Sinn: ich durfte den Führerschein früher machen ohne eine Einschränkung oder einen Eintrag. Wie das damals gelaufen ist, weiß ich bis heute nicht."

Foto: Lothar Weller
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Foto heute: So sehe ich heute aus, wie die Zeit doch vergeht

Foto: Lothar Weller
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Führerschein von 1940: Der Führerschein meiner Großmutter. Ausgestellt im Mai 1940 und noch immer im Gebrauch.

Foto: Julian Budke
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Mein Führerschein: "Mein erster und einziger deutscher Führerschein. Ich hatte damals meinen Führerschein schon mit 17 in den USA gemacht und musste dann hier nur noch die theoretische Prüfung machen. Daher hatte ich von Anfang an einen 'Säuferbalken' im Führerschein."

Foto: Nicolas Reichelt
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Grauer Lappen: Mein Führerschein aus dem Jahr 1985. Langsam aber sicher erwerbe ich durch Ausbleichungen und Verwaschungen doch noch die Klasse 1. Leider auch die Gültigkeit, da der Stempel der Zulassungsbehörde sich auch ins Nirvana verabschiedet. Durch einen Fehler der Fahrschule bekam ich bei der theoretischen Prüfung den Bogen für Krafträder mit ausgehändigt. Da ich eh so gut wie nichts für den Schein gebüffelt hatte, füllte ich die zusätzlichen Fragen halt auch noch aus und dachte mir nichts dabei - ich ging ja eh davon aus, dass ich durch die Prüfung falle.

Ich fiel aber nicht und bestand. Am Tag der praktischen Prüfung lenkte ich dann den vierrädrigen Kraftwagen des Typs VW-Golf durch den Verkehr und brachte ihn auch ordnungsgemäß zum Stillstand. Mit versteinerter Mine teilte mir dann der Prüfer mit: "Leider kann ich ihnen heute den Führerschein nicht aushändigen..."

"Schei-benkleister!" dacht ich mir. Aber es stellte sich aber heraus, dass nur der immer noch vermerkte Eintrag für sie Klasse 1 entfernt werden musste. Drei Tage später hielt ich meine Legitimation zur motorisierten Freizügigkeit in Händen.

Foto: Michael Geiger/Michael "Conny" Geiger
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Die heiß begehrte Fahrerlaubnis: Ein Jahr vor dem Abi und wenige Monate vor dem 18. Geburtstag wurde die Fahrschule besucht, um pünktlich die heiß begehrte Fahrerlaubnis in Händen zu halten, Voraussetzung für den Umstieg vom Mofa auf das Auto - einen veritablen schwarzen Mercedes 180 D Ponton, genauso alt wie ich und vom Vater bereits angeschafft, "damit der Junge was Solides unter'm Hintern hat". Diese Offenheit für altes Eisen hat dann doch geprägt: meine Autos sind immer ungefähr so alt gewesen ich, nur mein derzeitiger bleibt etwas zurück (der Triumph TR3B zählt erst 46 Jahre). Der graue Lappen ist immer noch in gültig und unersetzt im Gebrauch.

Foto: Erich Schaefer
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34 Jahre später: ...und immer noch nur mit alten Autos unterwegs. Ein Konsumverweigerer ohne Feinstaubplakette?

Foto: Erich Schaefer
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Mein Lappen: Dieser immer noch gültige Führerschein wurde mir im Herbst 1977 mit 16 Jahren ausgehändigt. Zuvor hatte ich gut sechs Monate jeden Montagnachmittag die Fahrschulbank gedrückt und für die theoretische Prüfung gebüffelt, mehr brauchte ich (außer einem Sehtest und einem Erste-Hilfe Kurs) für den Führerschein der Klasse IV damals ja nicht.

Der Führerschein wurde im Jahr 1982 nach einem Austauschjahr in den USA auf die begehrte Klasse III erweitert. Der Erwerb der amerikanischen Fahrerlaubnis war ein Lachsack gewesen: Da ich damals schon 18 Jahre war, reichte eine kinderleichte theoretische Prüfung, die Umschreibung auf das deutsche Papier hingegen war sehr viel komplizierter! Deutsche Bürokratie eben...

Seit 25 Jahren fahre ich seitdem (fast) unfallfrei und werde mich nur ungern von dem grauen, speckigen Dokument, dem Lappen eben, trennen, wenn die Behörden den Umtausch in ein zeitgemäßes Papier befehlen.

Foto: Stefan Michels/Fotoautomat Duisburg Hamborn
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30 Jahre später...: Hier ist der immer noch jugendlich wirkende Führerscheininhaber im Alter von Mitte vierzig

Foto: Stefan Michels/Emelina Michels
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Stofflappen: So sieht ein Führerschein aus, für den die Prüfung bereits 1964 abgelegt wurde. In dieser Zeit war die Fahrerlaubnis tatsächlich noch aus Stoff.

Der Inhaber schreibt dazu: "An diesem uralten, in meinem Fall ja buchstäblich nur noch als 'Lappen' zu bezeichnenden, inzwischen fast nicht mehr lesbaren Exemplar hänge ich. Vor allem deshalb, weil mir dieser Führerschein vor rund 20 Jahren einmal bei einem Ritt durch den Wald verloren ging - und anschließend über ein Jahr lang verloren blieb, ohne dass ich es überhaupt bemerkte. So etwas ging damals ja noch. Bei einem Ausritt ein Jahr später entdeckte eine meiner Töchter, die auf einem Pony ritt, den inzwischen sehr unansehnlichen Lappen auf dem Waldboden..."

Foto: Redaktion einestages
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Und heute...: Und so sah der glückliche Inhaber des Führerscheins im Jahr 2005 aus

Foto: Sabine Sauer
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Greasy Rider: Die Lizenz zum Tröten, wie man das Hupen manchmal ja auch nannte.

Mit meinem Alter, mit meinem Aussehen und mit meinem Auto (Citroen DS 21) passte ich in den siebziger Jahren vorzüglich in jedes Fahndungsraster. Ich gewöhnte mich gerade daran, oft kontrolliert zu werden, aber einmal fand ich es weniger lustig.

Auf der Autobahn herausgewunken: Terroristenfahndung - Ausweiskontrolle. Fand ich es noch komisch, den bewaffneten Ordnungshüter zu fragen, ob ich etwa aussähe wie Ulrike Meinhof, verging mir das Lachen, als ich angeherrscht wurde, die Hände aufs Autodach zu legen. Beim Blick übers Dach sah ich im Gebüsch hinter der Leitplanke weitere Bewaffnete hocken. Das war kein schöner Anblick. Ich wurde abgetastet, der Uniformierte überzeugte sich handgreiflich, daß ich a: keine Waffe bei mir hatte und b: tatsächlich nicht Ulrike Meinhof war. Ich durfte dann weiterfahren, froh darüber, weder Terrorist noch Polizist geworden zu sein.

Foto: Rainer Schinzel
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Noch "On the Road": Der Besitzer des "Grauen Lappens" von 1974. Still on the road 2008.

Foto: Rainer Schinzel
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Grauer Lappen von 1971: Ersatzführerschein, ausgestellt für die Fahrerlaubnis vom 31.1.1958. Gehört zu meinem Beitrag zum Thema "Das Grauen der Lappen".

Foto: Hilmar Zeissig
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Martin Brunotte: Mein grauer Lappen zeigt mich im Alter von 23 Jahren. Den Führerschein konnte ich erst machen, nachdem mein Vater auch endlich einen hatte. Die Kosten für die Fahrschule (Studententarif) inklusive sechs Fahrstunden á 30 Minuten betrugen damals 120 Mark - nichts mit Nachtfahrt und Autobahn-Stunden, dafür bei der Prüfung rückwärts Einparken im tiefen Schnee... wo ist die Bordsteinkante?

Der aufmerksame Betrachter wird auffallen, dass links unten die Unterschrift des Prüfers und die Prüfnummer fehlt, aber kein "Säuferbalken" da ist. Grund ist, dass der Prüfer mit meinem Füller unterschrieb, der Führerschein ist einmal klaschnass geworden - deshalb verschwanden auch die Unterschriften.

Meine konnte ich mit Kugelschreiber ergänzen, die Unterschrift des Prüfers natürlich nicht.

Der Schein wurde übrigens 1979 in den USA mit einer Bescheinigung des ADAC / AAA ohne Probleme anerkannt. Die Leute beim AAA wunderten sich lediglich über das "unlimited" meines Scheines.

Foto: Martin Brunotte
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Und jetzt sehe ich so aus: Eine Aufnahme von mir, im Alter von 66 Jahren

Foto: Martin Brunotte
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Führerschein von 1961: einestages-Leser Karlheinz Dietrich zeigt seinen "grauen Lappen" von damals

Foto: Karlheinz Dietrich
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Und heute...: sieht der in der Schweiz lebende Ruheständler Karlheinz Dietrich so aus

Foto: Karlheinz Dietrich
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?